Eine blonde Frau mit schulterlangem Haar hat zwischen den Schulterblättern ein hautfarbenes Wärmepflaster kleben (Symbolfoto)
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Bei Rückenschmerzen kommen Wärmepflaster gerne zum Einsatz. Doch für Allergiker ist das oftmals keine gute Idee (Symbolfoto).

Kontaktallergie

Allergie nach Wärmepflaster: Laut Ökotest kein wirklicher Nutzen feststellbar

  • Christine Pander
    vonChristine Pander
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Wenn es schmerzt im Rücken, muss Wärme drauf: Auf diesen Tipp schwören viele. Gerne kommen dann auch Wärmepflaster zum Einsatz. Warum das für Allergiker womöglich keine gut Idee ist, lesen Sie hier.

Frankfurt am Main – Wärme ja, Nutzen nein: so könnte man das Ergebnis eines Ökotest zu Wärmepflastern aus dem Jahr 2017 zusammenfassen. Zwischenzeitlich hat sich nicht viel auf dem Markt getan: Wärmepflaster, die es sowohl in der Apotheke als auch in Drogeriemärkten zu kaufen gibt, sollen hauptsächlich Rückenschmerzen und Nackenverspannungen lösen. Dabei kommen zwei Techniken zum Einsatz: Wärmepflaster mit dem Inhaltsstoff Capsaicin, einem Pfefferextrakt. Sie heizen ein, weil sie die Haut reizen, dadurch erweitern sich die Gefäße - ein Wärmegefühl entsteht. Wärmepflaster mit Aktivkohle und Eisen erzeugen dagegen in einer chemischen Reaktion mit Sauerstoff Wärme. Soviel vorweg: Beide Varianten überzeugten die Tester damals nicht.

So unterschiedlich wirken die Wärmepflaster:

  • Mit dem Wirkstoff Capsaicin
  • Mit Aktivkohle und Eisen

Laut Ökotest greift nämlich nur der Placebo-Effekt: „Sparen Sie sich das Geld“, schreibt das Magazin im Test Wärmepflaster. Kein Hersteller konnte die Wirkung wirklich belegen. Die Pflaster wärmen zwar die Haut, wirken aber nicht überzeugend gegen den Schmerz. Wissenschaftlich und medizinisch plausibel konnte noch kein Hersteller die Wirkungsweise seiner Spezialpflaster nachweisen. „Das ist viel vermeidbarer Müll. Denn Verbraucher können von ihnen wohl allenfalls einen Placeboeffekt erhoffen“, heißt es bei Ökotest.

Allergie auf Wärmepflaster: Allergieauslöser entdeckt

Wärmepflaster gibt es jedenfalls jede Menge und die Nachfrage ist riesig: im Schnitt wurden in den vergangenen Jahren regelmäßig rund vier Millionen Wärmepflaster verkauft. Im Ökotest fällt die Bilanz ernüchternd aus: Von den 11 getesteten Wärmepflastern sind mehr als die Hälfte „mangelhaft“. Der Grund für die schlechte Benotung waren Fehler bei der Deklaration oder bedenkliche Inhaltsstoffen.

Zu den bedenklichen Inhaltsstoffen in den meisten Wärmepflastern zählen die sogenannten optischen Aufheller. Sie sind besonders relevant, da Wärmepflaster direkt auf die Haut aufgetragen werden. Über den Schweiß auf der Haut können diese optischen Aufheller im Pflasterklebestoff dann auf die Haut gelangen. Scheint dann noch Sonnenlicht darauf, kann es zu allergischen Reaktionen, einer sogenannten Kontaktallergie führen. Gerade diese optischen Aufheller haben sich negativ auf die Bewertung einiger Produkte ausgewirkt, da sie laut Ökotest verzichtbar sind. Immerhin kämen einige Hersteller auch ohne diese Zusatzstoffe aus.

Wärmepflaster mit Capsaicin erzeugen indirekt eine Wärmeproduktion der Haut und sind als Arzneimittel zugelassen. Bei der Anwendung kann es passieren, dass die Haut sehr stark gereizt wird und brennt. Auch eine Rötung der Haut ist möglich. Der Stoff Capsaicin kommt natürlicherweise auch in Peperoni und Chili vor. Das Alkaloid heizt über ein Wärmepflaster aufgrund ähnlicher Wirkweise wie in Peperonis oder Chilis ordentlich ein. Zudem ist Wollwachs* enthalten, es kann in seltenen Fällen eine Kontaktallergien auslösen.

Allergie auf Wärmepflaster: Wirksamkeit nicht erwiesen

Wärmepflaster mit Aktivkohle und Eisen können bei falscher Anwendung dagegen zu Verbrennungen führen - von Rötung über Blasenbildung schlimmstenfalls bis zur Zerstörung der Haut. Wird Wärme über einen längeren Zeitraum auf der gleichen Stelle angewendet, sind außerdem sogenannte kalorische Hautveränderungen möglich - dauerhafte Veränderungen der Pigmente. Beide Erscheinungen sind vor allem für Allergiker, deren Haut bereits betroffen ist, eine Gefahr. Bislang ist die pharmakologische Wirksamkeit von Wärmepflastern mit Aktivkohle und Eisen nicht überzeugend bewiesen. Daher sind sie sind nicht als Arzneimittel, sondern nur als als Medizinprodukte mit physikalischer Wirkung zugelassen.

Allergiker oder Menschen mit verletzter oder empfindlicher Haut sollten die Pflaster erst nach Rücksprache mit ihrem Arzt anwenden. Auch bei Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen und rheumatoider Arthritis muss vorher mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden. Die Verbraucherschützer raten dazu, statt Wärmepflaster zu Kirschkernkissen, Wärmeflaschen oder heißen Handtuchrollen zu greifen: Sie spenden ebenfalls Wärme, was bei vielen Menschen ein wohliges Gefühl erzeugt und dadurch zur Entspannung führt - und sie können über Zusatzstoffe keine Allergien auslösen.*Mekur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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