Ein Hanfblatt und daneben ein braunes Glasfläschchen mit Pipette, in dem Hanföl abgefüllt ist
+
Hanföl werden viele positive Eigenschaften nachgesagt. Allergiker sollten aber vorsichtig sein (Symbolfoto).

Stiftung Warentest

Allergieauslöser oder Wundermittel? Hanf-Öle fallen bei Stiftung Warentest durch

  • Christine Pander
    vonChristine Pander
    schließen

Es soll entspannen und beim Einschlafen helfen: CBD, das Cannabidiol aus Hanf. Das Verbrauchermagazin Stiftung Warentest hat 16 CBD-Öle, CBD-Kapseln, Aromaöle und einen Verdampfer überprüft. Das Test-Ergebnis fällt sehr kritisch aus.

Berlin – Gegen Stress, für geistige Ausgeglichenheit und ein gesundes Immunsystem: CBD-Öle werden mit Slogans beworben, die vor allem in Zeiten wie diesen Begehrlichkeiten wecken. Die Experten der Stiftung Warentest haben 16 Öle und Kapseln sowie einen Verdampfer im Labor analysiert und auf Schad­stoffe überprüft.

Fazit: Nicht immer ist auf den angegebenen CBD-Gehalt Verlass, mal zu niedrig, mal zu hoch. Und er kann auch nicht immer zuverlässig aus den Zutaten abgeleitet werden. Enthalten waren außerdem vermeidbare Mineral­öle.

Allergieauslöser oder Wundermittel: Alle Testprodukte enthalten THC

Alle getesteten Produkte enthielten THC, eine Substanz aus Hanf, die berauschende Wirkung entfaltet. Nach Angaben der Stiftung Warentest ist THC zwar nur in Spuren vorhanden. In den Ölen des Herstellers Canobo und Duowell sowie den Kapseln von Hempamed und Natcan haben die Tester aber mehr THC nachgewiesen, als die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit für unbe­denk­lich hält. „Diese Präparate sind nicht sicher, psycho­gene Effekte wie eine verminderte Reaktions­fähig­keit können nicht ausgeschlossen werden“, heißt es bei der Warentest.

So wirken die Hanföle nach Angaben der Stiftung Warentest:

  • Der Stoff Cannabidiol wirkt im Körper wie Arznei­
  • Es ist erwiesen, dass es ins körper­eigene Endocannabinoid-System eingreifen und Erregung abmildern kann
  • Möglicherweise wirkt es aber auch gegen­sätzlich und puscht auf
  • Zu Wechselwirkungen mit anderen Stoffen ist kaum etwas bekannt: Stiftung Warentest rät daher allen davon ab, die Medikamente einnehmen, schwanger sind oder stillen, CBD zu nutzen

CBD-Produkte enthalten normalerweise kein oder kaum THC.* In der EU ist nach Angaben der Verbraucherschützer nur Nutzhanf mit einem THC-Gehalt von weniger als 0,2 Prozent zugelassen. Kritische THC-Mengen sind aber laut den Testergebnissen der Stiftung Warentest nicht auszuschließen. Auch bei anderen Produkten mit Hanf wie Tee und Kaugummi wurden sie von den Warentestern schon nachgewiesen.

Allerdings betonen die Warentester auch, dass die Mengen an THC, wie sie in der Medizin zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden, in den Ölen nicht nachgewiesen wurden. „Wer sich von CBD-Produkte ein „High“ verspricht, wird enttäuscht sein“, begründen das die Warentester.

Allergieauslöser oder Wundermittel: Cannabis kann Allergien auslösen

Dass Cannabis auch allergische Reaktionen auslösen kann, darauf verweist Die gemeinnützige Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF). Eine Allergie kann den Angaben zufolge nach dem Rauchen der Pflanzen auftreten, aber auch nach dem Essen cannabishaltiger Lebensmittel. Der Verlauf einer Cannabisallergie kann sehr unterschiedlich sein: Schweizer Forscher berichteten nach Angaben des ECARF auf dem Europäischen Allergiekongress EAACI 2020 von zwei jungen Frauen:

Demnach erlitt die eine nach dem Rauchen eines Joints einen Hautausschlag (Urtikaria). Beschwerden hatte die Frau nicht nur beim Rauchen, sondern auch, wenn ihre Haut auch nur mit weiblichen Pflanzen von Cannabis sativa in Kontakt kam. Sie bekam dann eine Rhinokonjuktivitis, eine Entzündung der Nasenschleimhaut und der Bindehaut des Auges. Symptome sind eine laufende Nase und juckende und geschwollene Augen.

Allergieauslöser oder Wundermittel: Diese Nebenwirkung kann Cannabis haben

Die zweite Frau, von der auf dem Kongress berichtet wurde, litt nach dem Trinken eines cannabishaltigen Mandel-Milchshakes unter Atemnot, Hautausschlag (Urtikaria), fühlte sich benommen und bekam Bauchkrämpfe und Durchfall. Die Beschwerden wiesen der ECARF zufolge auf eine anaphylaktische Reaktion Grad III hin, einer durchaus bedrohlichen Gesundheitssituation. Die Allergie wurde durch den Kontakt von Cannabis mit dem Magen-Darm-Trakt ausgelöst. Diese Frau war den Angaben zufolge auch auf Birkenpollen allergisch und litt bereits an Asthma.

Den Angaben der ECARF zufolge kann die Sensibilisierung über Rauchen, Hautkontakt und den Verzehr cannabishaltiger Lebensmittel entstehen. Wodurch die allergische Reaktion ausgelöst wird, ist unterschiedlich. Die Lebensmittel mit Cannabisanteil könnten auch eine Kreuzreaktion auslösen.

Allergieauslöser oder Wundermittel: Hanf als Lebensmittel noch nicht zugelassen

Die Frage nach der Legalität bei Hanfprodukten ist auch noch nicht umfassend geklärt: CBD-Produkte, die zum Verzehr gedacht sind, sind derzeit eigentlich gesetzlich nicht erlaubt. Es handelt sich hierbei um eine klassische Grauzone. Als Nahrungs­ergän­zungs­mittel sind sie laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nicht zugelassen.

Sie dürften demnach auch nicht verkauft werden. Im Dezember 2020 hat die EU-Kommission jedoch gestattet, CBD als Lebens­mittel einzuordnen. Derzeit werden die Zulassungs­anträge der Hersteller geprüft. Ob und wann diese genehmigt werden, ist noch völlig unklar.*merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare