Ein asiatisch aussehender Junge niest in ein Taschentuch (Symbolbild).
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Impfen erhöht das Allergierisiko beim Kind? Nur eines von vielen Allergie-Irrtümern (Symbolbild).

Allergien durch Impfung?

Allergien im Faktencheck: Wir klären 11 Irrtümer über Allergien auf

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Allergie-Irrtümer gibt es mindestens so viele, wie Allergien selbst. Wir haben 11 der häufigsten Allergie-Mythen unter die Lupe genommen.

  • Allergien sind auf dem Vormarsch, doch nicht alles, was man über sie hört, ist richtig
  • Immer wieder schleichen sich zahlreiche Allergie-Irrtümer und -Mythen ein
  • Wir haben 11 verbreitete Allergie-Irrtümer geprüft

Berlin – Impfen erhöht das Allergierisiko? Pollenallergiker leiden nur im Frühling und Sommer und für Tierhaarallergiker gibt es spezielle hypoallergene Rassen? In Deutschland leiden nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts etwa 30 Prozent der Menschen an einer Allergie. So verbreitet die Erkrankung ist, so vielfältig sind auch die kursierende Irrtümer und Mythen. Wir klären 11 verbreitete Allergie-Mythen auf.

1. Allergien sind erblich bedingt, man kann ihre Entstehung nicht verhindern

Dass Allergien genetisch vorbestimmt sind, stimmt nur bedingt. Wie der Allergieinformationsdienst des Helmoltz Zentrum München verweist, sind die genauen Ursachen für die Entstehung von Allergien bis heute nicht vollständig bekannt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass nicht eine bestimmte Ursache, sondern das Zusammenspiel verschiedener Faktoren für das Auftreten von Allergien verantwortlich sind. Tatsächlich bestimmt die genetische Veranlagung aber, wie gut die (Haut)Barriere gegenüber Erregern und Schadstoffen funktioniert und wie das Immunsystem auf Umweltreize reagiert. Anders als bei anderen Erkrankungen spielt hierbei nicht ein einzelnes Gen, sondern eine komplexe Kombination vieler verschiedener genetischer Faktoren eine Rolle.

Eine angeborene Bereitschaft auf den Kontakt mit Umweltreize (z.B. über die Luft, den Magen-Darm-Trakt oder die Haut) mit der Bildung von IgE-Antikörpern („Sensibilisierung“) zu reagieren, bezeichnet man als Atopie. Bei Menschen mit Atopie erfolgt die Sensibilisierung meist schon in der Kindheit. Damit es tatsächlich zum „Ausbruch“ einer atopischen Erkrankung kommt, müssen neben der Veranlagung aber weitere Faktoren hinzukommen. So steigern beispielsweise Risikofaktoren wie Zigarettenrauch, Luftschadstoffe, Schimmelpilzbelastung, eine übertriebene Hygiene, der Klimawandel, die Ernährung und die Zusammensetzung des Mikrobioms das Risiko, an einer Allergie zu erkranken.

2. Allergien werden durch Allergene ausgelöst

Auch diese Aussage ist nur teilweise richtig. Ein Allergen ist eine eigentlich harmlose Substanz, auf die das Immunsystem von Allergikern mit einer überschießenden Reaktion reagiert. Prinzipiell kann fast jedes Eiweiß zum Allergen werden. Voraussetzung für das Auftreten einer allergischen Reaktion ist, dass es beim ersten Kontakt zu einer Sensibilisierung, also zur Bildung von spezifischen Antikörpern im Körper gekommen ist. Das Allergen ist dabei zwar Auslöser der allergischen Reaktion, nicht aber die Ursache einer Allergie! Diese ist immer eine Fehlschaltung des Immunsystems, für die vielfache Ursachen infrage kommen.

Die wichtigsten Allergene sind:

3. Impfen erhöht das Risiko für Allergien

Die Tatsache, dass heutzutage mehr geimpft wird und es zugleich mehr Allergien gibt, lässt viele Menschen einen Zusammenhang vermuten. Tatsächlich zeigen laut Robert Koch-Institut (RKI) Untersuchungen aus Schweden, dass Kinder aus anthroposophisch orientierten Familien seltener Ekzeme entwickeln. Allerdings nahmen diese Kinder auch seltener Antibiotika ein, ihre Eltern rauchten seltener und ernährten sich gesünder. Eine Analyse von Rotterdamer Ärzten, die zwischen 1966 und 2003 publizierte Fachartikel zu dem Thema auswerteten, konnte nach Angaben des RKI hingegen kein erhöhtes Allergierisiko durch Impfungen feststellen. Die Untersuchungen zeigten vielmehr, dass Impfungen das Risiko für die Allergie-Entwicklung verringern können. Zudem weist das RKI daraufhin, dass in der DDR, in der es eine gesetzliche Impfpflicht gab, kaum Allergien auftraten. Nach der Wende nahm mit sinkenden Impfquoten hingegen auch die Häufigkeit von Allergien zu.

4. Heuschnupfen tritt nur im Frühling und Sommer auf

Dass Pollenallergiker nur im Frühling und Sommer unter allergischen Symptomen leiden ist ein verbreiteter Mythos. Denn Frühblüher wie Birke, Erle und Hasel blühen bereits im Januar oder Februar - in seltenen Fällen auch schon im Dezember. Einige Gräser blühen zudem bis Oktober oder November. Heuschnupfen kann also bis in den Herbst hinein auftreten. Zwar ist die Haupt-Pollensaison von April bis August, durch den Klimawandel und steigende Temperaturen nimmt der Pollenflug aber das ganze Jahr über zu. Allergiker sollten sich mit Hilfe des Pollenflugkalender über die aktuelle Pollenbelastung informieren.

Wer unter Heuschnupfen leidet, reagiert womöglich auch auf bestimmte Lebensmittel. Grund dafür ist eine Kreuzreaktion, bei der das Immunsystem ähnliche Eiweißstrukturen in Nahrungsmitteln reagiert. Mögliche Kreuzreaktionen können zum Beispiel bei bestimmten Apfelsorten, Stein- und Kernobst sowie Nüssen auftreten.

5. Eine Hyposensibilisierung wirkt nur bei jungen Menschen

Während man eine Hyposensibilisierung (auch: „Spezifische Immuntherapie“, „Desensibilisierung“ oder „Allergenspezifische Immuntherapie“) früher nur bis zu einem Alter von 50 Jahren durchführte, sind der ursächlichen Allergie-Behandlung laut Deutschem Allergie- und Asthmabund (DAAB) heute keine Altersgrenzen gesetzt. Voraussetzung dabei ist aber, dass das Krankheitsbild und der allgemeine Zustand des Patienten die Therapie zulassen. Bei einer Hyposensibilisierung verabreicht der Arzt dem Patienten immer wieder kleinste Mengen des Allergens über einen Zeitraum von mehreren Jahren, bis das Immunsystem eine Art "Toleranz" gegenüber dem allergieauslösenden Stoff entwickelt.

6. Ein Pricktest kann eine Allergie „feststellen“

Besteht der Verdacht auf eine Allergie, kann ein Hauttest (meist der sogenannte Pricktest) helfen, Allergieauslöser zu identifizieren. Mit dem Test allein kann aber keine behandlungsbedürftige Allergie diagnostiziert werden. Er liefert lediglich Hinweise auf ein allergisches Geschehen im Körper. Die Diagnose kann nur in Verbindung mit einer körperlichen Untersuchung, einer gründlichen Anamnese (Arzt-Patienten-Gespräch zur Krankengeschichte) und auftretenden Allergie-Symptomen gestellt werden.

7. Haustiere mit kurzem Fell sind für Allergiker besser geeignet

Der Glaube, Hunde und Katzen mit kurzem Fell seien für Tierhaarallergiker besser geeignet, hält sich hartnäckig. Allerdings reagieren Allergiker nicht auf die Tierhaare, sondern auf bestimmte Eiweißbausteine im Sekret der Tiere, wie Talg, Speichel, Schweiß und Tränenflüssigkeit. Die Haare sind also nicht Allergieauslöser, sondern lediglich Überträger der Allergene. Zudem haften sie häufig an Kleidung und Oberflächen und sind damit nur schwer zu meiden. Die gute Nachricht ist aber: Nicht jeder Allergiker reagiert auf jedes Tier gleich. So haben Untersuchungen ergeben, dass sich verschiedene Rassen zwar nicht in der ihrer Allergenproduktion und -freisetzung unterscheiden - es gibt also keine „hypoallergenen" Hunde- oder Katzenrassen - einzelne Tiere innerhalb einer Rasse unterscheiden sich aber sehr wohl in ihrer Allergenfreisetzung. So setzen beispielsweise unkastrierte Kater mehr allergieauslösende Eiweißbausteine frei, als Katzen. Um herauszufinden, wie der Körper auf ein Tier reagiert, sollten Tierhaarallergiker vor der Anschaffung etwas Zeit mit dem Tier verbingen und gegebenenfalls ein paar Tierhaare mit nach Hause nehmen.

8. Eine Hausstauballergie tritt bei mangelnder Sauberkeit auf

Das ist falsch! Menschen mit einer Hausstauballergie reagieren nicht auf den Staub allergisch. Es handelt sich vielmehr um eine Hausstaubmilbenallergie. Die allergischen Symptome werden dabei weder vom Staub, noch von den Hausstaubmilben selber ausgelöst. Sensibilisierte Personen reagieren auf die Ausscheidungen der winzigen Tierchen, die sich im Staub sammeln können und über die Schleimhäute (z.B. durch Einatmen) in den Körper gelangen. Da sich Hausstaubmilben unter anderem von abgestorbenen menschlichen Hautschüppchen ernähren, können sie überall dort vorkommen, wo Menschen leben und sich Hautschuppen sammeln - vorzugsweise in (feucht-warmen) Betten, Polstermöbeln und Teppichen.

9. Schwangere und stillende Mütter sowie Kinder bis zum vollendeten ersten Lebensjahr sollten auf eine allergenarme Ernährung achten

Das ist falsch. Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabunds, zeigt die aktuelle Forschung: Diäten während der Schwangerschaft, Stillzeit und Beikostfütterung ohne allergieauslösende Lebensmittel wie Milch, Ei, Fisch oder Nüsse sind zur Allergieprävention nicht geeignet. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Fisch in der Schwangerschaft und Stillzeit das Allergierisiko reduziert. Mütter sollten dagegen auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten und zur Allergieprävention Babys mindestens bis zum vollendeten 4. Lebensmonat voll stillen.

10. Nahrungsmittelallergien nehmen zu

Viele Menschen haben dein Eindruck, dass Nahrungsmittelallergien zunehmen. Viele verwechseln eine Nahrungsmittelallergie aber mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (Intoleranz). Tatsächlich können sich die Symptome ähneln. Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit fehlen dem Körper aber spezielle Enzyme, die zur Verdauung bestimmter Lebensmittel nötig sind. Bei einer Nahrungsmittelallergie bildet das Immunsystem hingegen Antikörper gegen Eiweiße in Nahrungsmitteln.

Antiallergika machen müde und schlapp

Eine sedierende Wirkung haben vor allem Antihistaminika der ersten Generation aus der Gruppe der H1-Rezeptorblocker, die die Bindung des bei Allergien wichtigen Botenstoffs Histamin hemmen. Medikamente der zweiten Generation, die zum Beispiel zur Behandlung von Heuschnupfen zum Einsatz kommen, sind weitaus besser verträglich, da sie aufgrund ihrer chemischen Struktur die Blut-Hirnschranke weniger gut passieren und nicht auf die Nervenzellen im Gehirn wirken. Oftmals ist es auch die Allergie selbst, die Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Schwindel hervorruft.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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