Eine dunkelhaarige Frau zieht Vakzin mit einer Spritze auf (Symbolbild).
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In Großbritannien kam es zu allergischen Reaktionen nach der Corona-Impfung. Deutsche Experten schätzen das Risiko als gering ein (Symbolbild).

Corona-Impfstoff und Allergien

Risiko für allergische Reaktionen auf COVID-19 Impfstoff: Experten geben Einschätzungen ab

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Nach zwei Fällen von schweren allergischen Reaktionen auf den Corona-Impfstoff der Firmen BioNTech und Pfizer geben Experten aus Deutschland eine Einschätzung ab.

Wiesbaden – Seit dem 18. Dezember 2020 ist der neue Corona-Impfstoff der Firmen BioNTech und Pfizer in Großbritannien im Einsatz. Bereits Tausende Briten haben den COVID-19 Impfstoff seitdem erhalten. Die Hoffnungen in den Impfstoff mit der Bezeichnung „BNT162b2“ sind groß. Doch schon kurz nach den ersten Injektionen wurden dem Parliamentary Committee in London zwei Fälle von schweren allergischen Reaktionen gemeldet. Was das für Allergiker bedeutet, hat der Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) kürzlich in einer Stellungnahme erklärt.

Allergische Reaktionen auf COVID-19 Impfstoff: Verschiedene Substanzen im Vakzin im Verdacht

In der Stellungnahme der Experten heißt es, beide Personen seien Allergiker und hätten in der Vergangenheit auf Nahrungsmittel mit Anaphylaxien reagiert. Die Patienten hätten sich schnell von den allergischen Reaktionen erholt. Professor Ludger Klimek, Leiter des Allergiezentrums in Wiesbaden und Präsident des AeDA erklärt: „Bislang ist nicht klar, was die allergischen Reaktionen bei diesen 2 Patienten ausgelöst hat. Im Gegensatz zu einigen anderen Impfstofftypen enthält der COVID-19 Impfstoff BNT162b2 der Firmen BioNTech/Pfizer keine Allergene von Hühnerei oder andere Allergene, von denen bekannt ist, dass sie allergische Reaktionen oder einen allergischen Schock auslösen“. Allergische Reaktionen auf Impfstoffe seien, wie auch bei anderen Medikamenten, bekannt, aber selten, so Klimek. „Wichtig ist, dass wir Daten über die Wahrscheinlichkeit und Schwere möglicher Allergien auf Impfstoffe erhalten und die auslösenden Allergene erkennen“.

Der Corona-Impfstoff setzt sich aus der sogenannten Messenger RNA und Lipid-Nanopartikeln zusammen, die aus verschiedenen Komponenten in unterschiedlichen Konzentrationen bestehen können. Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) gehen einige Experten davon aus, dass die allergische Reaktion durch bestimmte Komponenten der Lipid-Nanopartikel ausgelöst wurde, nämlich den Stoff Polyethylenglycol oder PEG.

Allergische Reaktion auf COVID-19 Impfstoff: Bei schweren Allergien zunächst auf Impfung verzichten

In der Stellungnahme heißt es weiter, allergische Reaktionen auf den Corona-Impfstoff seien bereits in der Phase 3 der klinischen Studie von Pfizer/BioNTech aufgetreten. Allerdings nur bei 0,63% der Patienten, während in der Kontrollgruppe ohne Impfstoff ebenfalls 0,51% der Patienten derartige Reaktionen zeigten. Menschen, bei denen es in der Vergangenheit zu schweren allergischen Reaktionen gekommen ist, durften an der Studie allerdings nicht teilnehmen.

Internationale Experten geben deshalb verschiedene Einschätzungen ab:

  • Die verantwortliche Behörde, die Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency (MHRA), empfahl bei schweren Allergien den Impfstoff zunächst nicht anzuwenden, bis die Ursache der allergischen Reaktion bekannt ist
  • Auch die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) rät Menschen von einer Impfung ab, die in der Vergangenheit auf Inhaltsstoffe stark allergisch reagierten, welche im COVID-19-Vakzin der Firmen Pfizer und Biontech enthalten sind
  • Auch ein Mitglied des unabhängigen Beratungskomittees der Center for Disease and Prevention (CDC) in den USA rief Menschen mit „signifikanter Allergiegeschichte“ dazu auf, sich zunächst nicht impfen zu lassen

„Dieses Vorgehen ist sehr konsequent“ so Professor Klimek. „Derzeit können wir nicht abschätzen, welcher von den bekannten Inhaltsstoffen von BNT162b2 für die allergischen Reaktionen verantwortlich ist“. Man sei hier auf eine enge Kooperation mit den Unternehmen Pfizer und BioNTech angewiesen, die seines Wissens „bislang bei der Aufklärung bestmöglich mitwirken“. 

Allergische Reaktion auf COVID-19 Impfstoff: Vermutlich nur wenige Menschen betroffen

Professor Klimek hält es für wahrscheinlich, dass langfristig nur wenige Menschen wegen eines erhöhten Allergierisikos von der Impfung ausgeschlossen werden müssen. Der Experte: „Eine schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie) beobachten wir bei circa einer auf 1 Millionen Impfungen. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass dieser Impfstoff ein besonders hohes Anaphylaxie-Risiko aufweist. Sollte ein bestimmtes Allergen in BNT162b2 die aufgetretenen Reaktionen auslösen, könnte ggfls. eine geringfügige Modifikation des Impfstoffes das Risiko verringern.Mit Material von aeda.de

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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