Ein weißer Notfallkoffer mit rotem Kreuz
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Für Allergiker ist es lebensrettend, wenn die passenden Notfallmedikamente greifbar sind (Symbolfoto).

Allergie-Notfallset

Notfall-Medikamente bei Allergien: Achten Sie auf das Verfallsdatum!

  • vonChristine Pander
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Ein Bienenstich, eine Erdnuss-Spur im Essen oder ein Asthmaanfall: Bei einer akuten allergischen Reaktion zählt jede Sekunde. Allergiker sollten deshalb ihre Notfallmedikamente immer bei sich tragen und darauf achten, dass sie noch haltbar sind.

Mönchengladbach – Allergiker, die auf Bienen- und Wespenstiche, Nahrungsmittel oder Medikamente stark allergisch reagieren, müssen sich immer für den Notfall wappnen. Denn innerhalb von Sekunden kann es beim Kontakt mit den Allergie-Auslösern lebensbedrohlich werden. Eine schnelle Reaktion ist entscheidend. Notfallmedikamente können die Symptome schnell lindern, bis ärztliche Hilfe eintrifft. Was es bei den Arzneimitteln zu beachten gibt.

Notfallmedikamente bei Allergien: Ist das Notfall-Präparat noch haltbar?

Notfallmedikamente wirken binnen Sekunden und können so Leben retten. Allergiker werden vom betreuenden Arzt darüber informiert, welche Medikamente sie stets für den Notfall bei sich tragen sollen. Einem Vortrag zufolge, der auf dem Kongress der Britischen Gesellschaft für Allergie und klinische Immunologie gehalten wurde, landet dennoch jeder 10 Allergiker nach einem Notfall im Krankenhaus. Und drei von 10 Allergie-Patienten vergessen, sich nach Ablauf ihres Erste Hilfe-Präparats Adrenalin ein neues Rezept vom Arzt ausstellen zu lassen.

Zu einem Notfall-Set für Allergiker gehören meist drei Bestandteile:

Eine Nachlässigkeit, die schlimme Folgen haben kann: Wenn das Verwendbarkeitsdatum des Adrenalin-Autoinjektors überschritten wurde, ist die Wirksamkeit nicht mehr in vollem Umfang gewährleistet, da die Adrenalin-Menge langsam abnimmt.

Notfallmedikamente bei Allergien: Im Notfall zählen Sekunden

Immer wieder landen Menschen mit einer akuten allergischen Reaktion als Notfall im Krankenhaus – eine plötzliche Überreaktion des Körpers bei Kontakt mit bestimmten Nahrungsmitteln, Medikamenten sowie Insektengiften sind die häufigsten Auslöser dafür. Einem Artikel des Allergie Journals aus 2008 zufolge sind Allergiker im Kindesalter meist von Nahrungsmittelallergien betroffen, Erwachsene reagieren am häufigsten auf Bienen- oder Wespenstiche.

Im schlimmsten Fall kommt es dabei zum allergischen Schock, auch anaphylaktischer Schock genannt. Dabei können aufgrund des plötzlichen Blutdruckabfalls innerhalb weniger Minuten lebenswichtige Organe wie Herz, Lunge und Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt werden: Der Kreislauf kollabiert. Ohne sofortige Notfallbehandlung kann der Allergieschock sogar zum Tod führen.

Notfallmedikamente bei Allergien: Für den Ernstfall üben

Und da nicht in jeder Notfallsituation umgehend ein Notarzt zur Stelle sein kann, ist es wichtig, dass Allergiker diesem Ernstfall vorbeugen. Neben Medikamenten, die antiallergisch wirken, ist bei einer schweren allergischen Reaktion zusätzlich das Hormon Adrenalin notwendig. Adrenalin wird direkt in den Muskel gespritzt und stabilisiert so den Kreislauf.

Angewendet wird es mit einem Autoinjektor. Dieses Hilfsmittel macht die Dosierung und Anwendung einfach, so dass es in einer Notsituation auch ohne Zeitverzögerung zum Einsatz kommen kann. Nach ärztlicher Diagnose kann das Präparat auf Kassenrezept verschrieben werden. Damit es im Ernstfall auch richtig zum Einsatz kommt, sollte der Arzt den Patienten mit einem Trainingsgerät vorab schulen.

Notfallmedikamente bei Allergien: Medikamente auf Haltbarkeit prüfen

Je nach Jahreszeit können viele Maßnahmen proaktiv von den Allergikern selbst getroffen werden: Vor dem Start der Flugsaison von Wespen sollte das Ablauflaufdatum des Adrenalin-Autoinjektors überprüft werden, damit der Arzt rechtzeitig ein neues Rezept ausstellen kann. Die meisten Produkte sind meist maximal 24 Monate haltbar.

Ist die Haltbarkeit abgelaufen, sollte das Präparat nicht mehr angewendet werden, da die wirksame Adrenalinmenge möglicherweise abgenommen hat und das Medikament keine ausreichende Wirkung mehr zeigt.* Der Deutschen Allergie- und Asthma-Bund rät, im Notfall auch einen alten Injektor zu verwenden: Das Adrenalin werde nicht schlecht, es verliere nur an Wirkungskraft. Also lieber einen abgelaufenen Adrenalin-Pen anwenden als gar keinen.

Notfallmedikamente bei Allergien: So entsorgen Sie alte Tabletten

Jedes Medikament hat ein Verfalls­datum. Das gilt es auf jeden Fall auch bei Allergie-Notfallmedikamenten zu beachten. Denn nur bis zu dem auf der Verpackung angegebenen Zeitpunkt garantieren die Hersteller, dass die Medikamente wirken, unbedenklich und von ­guter pharma­zeutischer Qualität sind. Diese drei Kriterien müssen Präparate erfüllen, um zugelassen zu werden. Geprüft werden die Produkte vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte oder von der Europäischen Arzneimittel­agen­tur EMA. Auf Basis der Produzenten-Angaben legen die Behörden dann das jeweilige Verfallsdatum fest.

Wohin aber mit den Medikamenten, wenn sie abgelaufen sind? Die allermeisten Präparate sind nicht wie Sondermüll zu behandeln. Das heißt: Sie dürfen über den Hausmüll entsorgt werden, wenn der Müll in der Komune oder im Landkreis verbrannt wird. Ob das der Fall ist, steht auf der Website der städtischen Müllabfuhr.

Vorsicht aber, wenn Tabletten im Hausmüll entsorgt werden und kleine Kinder mit im Haushalt leben: Medikamente dürfen nicht in Kinderhände gelangen und sollte daher mit anderem Hausmüll abgedeckt und tief in den Eimer gesteckt werden. Bei Präparaten, die nicht in den Hausmüll gelangen dürfen, wird der Arzt oder Apotheker entsprechende Hinweise zur Entsorgung geben - oder es ist im Beipackzettel vermerkt.

Notfallmedikamente bei Allergien: Nach Ablauf niemals in die Toilette werfen

Tabu ist: Medikamente über die Toilette oder das Waschbecken zu entsorgen. Das gilt sowohl für Tabletten als auch für Flüssigkeiten. Denn nach dem Klärvorgang in der Kanalisation bleiben Überreste der Wirkstoffe zurück und können die Umwelt belasten. Der Hausmüll wird dagegen verbrannt, sodass keine Rückstände übrig bleiben. Studien haben beispielsweise gezeigt, dass Barsche unter dem Einfluss von Psychopharmaka im Wasser ihr Verhalten ändern oder männliche Forellen wegen Überresten der Verhütungspille weniger fruchtbar werden, wenn Rückstände über den Wasserkreislauf gelangt waren.

Bis 2009 konnten alte Medikamente in den Apotheken abgebeben werden. Diese Regelung ist inzwischen veraltet: Manche Apotheken nehmen die abgelaufenen Medikamente jedoch noch auf freiwilliger Basis an. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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