Eine Frau mit Heuschnupfen putzt sich die Nase mit einem weißen Taschentuch (Symbolbild).
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Heuschnupfen ist die am weitesten verbreitete Allergie weltweit (Symbolbild)

Was ist eine Allergie?

Allergien: Symptome, Diagnose und Therapie – Alles was Sie wissen müssen

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Reagiert unser Immunsystem auf eigentlich harmlose Stoffe überempfindlich, kann eine Allergie dahinter stecken. Wie Sie eine allergische Reaktion erkennen und was dabei im Körper passiert, erfahren Sie hier. 

  • Immer mehr Menschen leiden unter einer allergischen Erkrankung.
  • Häufige Symptome einer Allergie sind Atemwegsbeschwerden wie Schnupfen und Niesattacken, aber auch Hautreaktionen und Entzündungen der Augen.
  • Bei einem Allergie-Verdacht sollten Betroffene so früh wie möglich einen Arzt aufsuchen.

München – Rund 30 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Allergie. Die Pollenallergie, auch Heuschnupfen genannt, ist nicht nur die bekannteste allergische Erkrankung, sondern auch die am weitesten verbreitete. Doch nicht nur Pollen müssen Allergiker fürchten. Insgesamt gibt es mehr als 20.000 verschiedene Allergieauslöser. Zu den häufigsten zählen neben Pollen, auch Nahrungsmittel, Hausstaubmilben, Tierhaare und Insektengift. Doch was ist eine Allergie eigentlich? 

Allergien: Das passiert im Körper

Eine Allergie ist im Grunde nichts anderes als eine Abwehrreaktion des Körpers. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen eigentlich harmlose Stoffe aus der Umwelt oder in Nahrungsmitteln. Die allergieauslösenden Substanzen gelangen über die Atemwege, die Haut oder den Verdauungstrakt in den Körper und an die Schleimhäute. Dort werden sie vom Immunsystem überprüft. Stuft es sie als harmlos ein, passiert nichts weiter. Bei Allergikern schlägt das Immunsystem jedoch Alarm.

Beim ersten Kontakt mit dem Auslöser, den sogenannten Allergenen oder Antigenen, bilden sich Antikörper. Es werden vermehrt Immunglobuline-E-Antikörper (IgE-Antikörper) zur Abwehr der „Eindringlinge“ produziert. Diesen Vorgang nennt man Sensibilisierung. Allergische Beschwerden treten meist erst nach einem weiteren Kontakt mit dem Allergen auf. 

Allergietypen: Typ-I bis Typ-IV Allergie

Nicht jede allergische Reaktion basiert auf den gleichen Immunabläufen. Bei manchen Menschen fällt eine Allergie beispielsweise deutlich schwerer aus als bei anderen. In der Medizin sprechen Experten von vier verschiedenen Allergietypen, die sich in Stärke, Dauer und Art der Beschwerden unterscheiden. Typ-I bis Typ-III gehören zu den Soforttypen, die durch die vom Körper gebildeten Antikörper ausgelöst werden. Vor allem der Typ-I und Typ-IV kommen besonders häufig vor.

Typ-I: Allergien vom Soforttyp

Die meisten allergischen Reaktionen gehören zum Soforttyp – etwa 90 Prozent aller Allergien sind Immunglobuli-E-Allergien (IgE-Allergien), bei denen das Immunsystem IgE-Antikörper gegen die Allergene bildet. Typische Auslöser sind Gräser- und Baumpollen, Hausstaubmilben, Nahrungsmittel, Insektenallergie gegen Bienen und Wespen und Tierhaare.

Im Zuge der allergischen Reaktion setzt der Körper Entzündungsbotenstoffe wie Histamin frei, welche für die allergischen Beschwerden verantwortlich sind. Meist treten die Symptome innerhalb weniger Minuten bis Stunden nach dem Kontakt mit dem Allergen auf. Sind die Beschwerden besonders stark, kann die Histaminausschüttung auch einen anaphylaktischen Schock auslösen.

Typ-II: Allergien vom zytotoxischen Typ

Von einer Allergie des zytotoxischen Typs sprechen Experten, wenn das Immunsystem Antikörper gegen körpereigene Zellen bildet. Kommt der Körper mit Zellstrukturen in Kontakt, die er als fremd oder gefährlich ansieht, setzt er eine Abwehrreaktion in Gang. Das ist beispielsweise bei einer Bluttransfusion der Fall, wenn Blut einer falschen Blutgruppe übertragen wurde. Diese Form ist sehr selten und die Symptome treten meist innerhalb weniger Minuten oder Stunden auf.

Typ-III: Allergien durch Immunkomplexbildung

Typisch für eine Typ-III-Allergie ist die Bildung sogenannter Immunkomplexe. Dabei verbinden sich die Allergene mit den Antikörpern. Diese Verbindungen werden gefährlich, wenn sie sich im Gewebe oder in den Blutgefäßen ablagern, wodurch Gefäßentzündungen entstehen können. Die Beschwerden können Stunden oder Tage, in vielen Fällen auch einige Monate nach Kontakt mit den Allergenen auftreten. Die Symptome der Typ-III-Allergie sind zudem sehr vielfältig, können jedoch sehr schmerzhaft sein abhängig davon, wo sich die Immunkomplexe ablagern. Zu den Immunkomplexerkrankungen zählen die sogenannte Farmer-Lunge (exogene allergische Alveolitis) und Gefäßerkrankungen wie Vasculitis allergica. 

Typ-IV: Allergie des Spättyps

Dieser Allergie-Typ zeichnet sich durch seine verzögerte Reaktion auf die entsprechenden Allergieauslöser aus. Zwischen dem Kontakt mit dem Allergen bis zu dem Zeitpunkt, das die Symptome auftreten, können teilweise 24 bis 72 Stunden liegen. Am weitesten verbreitet sind Kontaktallergien wie beispielsweise Allergien gegen Nickel oder Duftstoffe. Bei dieser Form wird die Allergie nicht durch Antikörper, sondern durch spezielle Immunzellen, die sogenannten T-Helfer-Lymphozyten, verursacht. Diese befinden sich im Blut, in den Lymphknoten und dem Unterhautgewebe.

Allergien: Verbreitung & Risikofaktoren

In Deutschland leidet etwa jeder dritte Mensch zumindest einmal in seinem Leben unter einer allergischen Reaktion. Laut dem deutschen Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum Münchens leiden mehr als 15 Prozent der Erwachsenen und etwa 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen an einer Allergie – Tendenz steigend. Warum die Zahl der Allergien in den letzten Jahren immer weiter hochgeht, können Experten bisher nicht genau sagen. Fakt ist: Neben den Genen kommen für den zunehmenden Trend auch Veränderungen in der Umwelt und in unseren Lebensbedingungen in Frage.

Die genetische Veranlagung spielt eine entscheidende Rolle in der Entstehung allergischer Erkrankungen. So leiden 40 bis 60 Prozent der Kinder, bei denen beide Eltern eine Allergie haben, ebenfalls an einer Überempfindlichkeit. Kinder mit nur einem betroffenen Elternteil besitzen eine Chance von 20 bis 40 Prozent auch eine allergische Erkrankung zu entwickeln. Auch verschiedene andere Faktoren begünstigen die Entstehung einer Allergie wie beispielsweise Umweltschadstoffe, Tabakrauch, aber auch der Wohnort, die Anzahl der Geschwister und ob man als Kind schon früh in den Kindergarten gegangen ist.

Allergien: Verlauf

Die meisten Kinder und Jugendliche leiden unter Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis. Bei vielen entwickelt sich die Krankheit bereits im frühen Alter. So beginnen Allergien häufig schon im Kindes- oder Jugendalter und bleiben ein Leben lang bestehen. Doch allergische Reaktionen können auch im Laufe der Entwicklung von alleine wieder verschwinden oder im späteren Alter plötzlich auftreten.

Allergien: Das sind die typischen Auslöser

Wer unter einer Allergie leidet, hat nicht immer die Möglichkeit den Auslösern aus dem Weg zu gehen. Die häufigsten Allergieauslöser sind

  1. Inhalationsallergene: Pollen, Hausstaubmilben, Pilzsporen und Tierhaare gelangen über die Atemwege an die Schleimhäute und Bronchien.
  2. Kontaktallergene: Durch Hautkontakt können Allergene wie Nickel, Latex, Duftstoffe und Inhaltsstoffe von Kosmetikartikeln das Immunsystem reizen.
  3. Nahrungsmittelallergene: Beinahe alle Lebensmittel können über die Verdauung und den Magen-Darm-Trakt Allergien auslösen. Milch, Eier, Nüsse und Meerestiere gehören zu den häufigsten Lebensmittelallergenen.
  4. Arzneimittel: Bei einigen Menschen verursachen Medikamente wie Antibiotika und Schmerzmittel allergische Reaktionen.
  5. Insektengift: Zu den häufigsten Allergieauslösern gehört ebenfalls das Gift von Bienen, Wespen und Hornissen.

Allergien: Kreuzreaktionen

Eine Kreuzreaktion entsteht, wenn der Körper auf verschiedene ähnliche Allergene reagiert. Die Allergene weisen dabei eine ähnliche Eiweißstruktur auf, die der Körper fälschlicherweise nicht unterscheiden kann. So besteht bei einer Kreuzreaktion bereits eine Überempfindlichkeit gegen einen bestimmten Allergieauslöser. In den meisten Fällen sind Allergiker bereits empfindlich gegenüber Baumpollen (Birke oder Hasel) und reagieren ebenfalls allergisch auf Nahrungsmittel wie Äpfel und Haselnüsse. Pollenassoziierte Nahrungsmitteallergien gehören zu den häufigsten Kreuzallergien

Allergien: Das sind die häufigsten Symptome

Nicht alle Allergien sind gleich als solche erkennbar. Häufig ähneln die Symptome anderen Krankheiten wie einer Erkältung oder einer Unverträglichkeit. Auch sind die Beschwerden von Allergie zu Allergie unterschiedlich. Abhängig davon, ob es sich um eine Nahrungsmittelallergie, Heuschnupfen oder Neurodermitis handelt, fallen die Beschwerden völlig anders aus.

Die häufigsten allergischen Symptome betreffen laut dem deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB), dessen Vorsitzende Elke Heuvens ist, die Atemwege, Haut oder den Verdauungstrakt. In vielen Fällen ist bei einer Allergie vor allem ein Organsystem besonders betroffen. So leiden Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie häufig unter Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden, während bei Pollenallergikern vor allem die Atemwege betroffen sind.

Typische Symptome einer Allergie sind:

Allergien: Das steckt hinter einem anaphylaktischen Schock

In seltenen Fällen sind die Symptome so heftig, dass es zu einem anaphylaktischen Schock, auch Anaphylaxie genannt kommt. Vor allem Menschen mit einer Allergie gegen Nahrungsmittel, Insektengift und verschiedene Medikamente sind davon betroffen. Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Blutdruckabfall, Juckreiz und starke Schwellungen. Dabei sind gleichzeitig mehrere Organe wie Atemwege und Herzkreislaufsystem betroffen, sodass Atemstillstand und ein Kreislaufkollaps auftreten können. Eine anaphylaktische Reaktion ist ein Notfall und kann lebensgefährlich werden.

Allergie-Diagnose: Das sind die Untersuchungsmöglichkeiten bei einer Allergie

Häufig ist die Diagnose einer Allergie sehr schwierig und kann daher viel Zeit in Anspruch nehmen. Denn obwohl Allergien sehr weit verbreitet sind, kommen viele Allergene als Auslöser in Frage. Für eine optimale Behandlung ist es jedoch notwendig, diese so genau wie möglich zu bestimmen. Nur dann können Patienten auf Linderung hoffen. 

Bei einem Gespräch bekommt der Hausarzt oder Allergologen, einem Facharzt für Allergien, einen ersten Eindruck über die Beschwerden (Anamnese). Außerdem kann er feststellen, ob die vorhandenen Symptome für eine Allergie sprechen. Eine gründliche ärztliche Untersuchung ist wichtig, um die Allergie optimal behandeln zu können.

Mithilfe verschiedener Allergietests kann der Arzt die Auslöser besser identifizieren. Dabei stehen ihm verschiedene Testverfahren zur Verfügung:

  • Haut- oder Pricktest: Bei diesem Verfahren gibt der Arzt einen Tropfen des Allergens auf die Innenseite des Unterarms. Anschließend ritzt er die Stelle leicht an, sodass die Lösung unter dir Haut gelangt. Treten nach einigen Minuten Rötungen, Hautreizungen oder Quaddeln auf, leidet der Patient sehr wahrscheinlich an einer Allergie.
  • Intrakutantest: Im Gegensatz zum Pricktest, trägt der Arzt die Lösung nicht auf die Haut auf, sondern spritzt sie direkt unter die Haut. Danach kontrolliert der Allergologe, ob eine lokale allergische Reaktion wie Quaddeln oder Rötungen, auftritt. Treten allergische Symptome wenige Minuten danach auf, ist das der Beweis für eine Allergie.
  • Epikutantest: Dieser Test, auch Pflastertest genannt, ist sehr einfach durchzuführen. Mithilfe eines speziellen Pflasters trägt der Arzt verschiedene Allergene gleichzeitig auf der Haut auf. Nach drei Tagen kann er das Ergebnis ablesen. Die allergische Reaktion zeigt sich auch in diesem Fall durch Hautreaktionen oder Quaddeln.
  • Provokationstest: Dieser Test gilt als sicherster Beweis einer Allergie und kommt vor allem bei Nahrungsmittelallergien zum Einsatz. Der Arzt trägt das Allergen auf die Schleimhäute in Nase, die Bindehäute der Augen oder den Bronchien auf. Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie nimmt der Patient eine kleine Menge des verdächtigten Lebensmittels zu sich. Dieser Test sollte jedoch nur unter Aufsicht eines Arztes durchgeführt werden, da heftige Nebenreaktionen bis hin zum allergischen Schock auftreten können.
  • Bluttest: Bei diesem Test wird das Blut des Patienten auf Antikörper, sogenannte Immunglobuline-E-Antikörper (IgE-Antikörper), untersucht. Im Labor wird dann festgestellt, ob der Patient bereits Antikörper besitzt, die für eine Allergie typisch sind.
  • Selbsttest: Im Internet finden sich verschiedene Allergietests, die zu Hause durchgeführt werden können. Bei diesen Tests sollten Sie generell vorsichtig sein, da kein Selbsttest eine Diagnose durch den Arzt ersetzen kann.

Allergie-Behandlung: Diese Medikamente verschaffen bei einer allergischen Reaktion Linderung

Sind die Allergieauslöser bekannt, stehen Patienten verschiedene Therapieoptionen zur Auswahl. Die einfachste und effektivste Möglichkeit den Beschwerden zu entgehen ist die Vermeidung des Allergens. Dabei müssen Betroffene die entsprechenden Stoffe komplett aus ihrem Leben verbannen. Doch das ist nicht immer so einfach. Bei manchen Allergien wie beispielsweise Heuschnupfen oder einer Allergie gegen Hausstaubmilben können Patienten nur begrenzt meiden. In diesem Fall können Medikamente gegen die allergischen Beschwerden helfen und die Symptome lindern.

Augentropfen, Nasensprays und Cremes – zur Behandlung der akuten Symptome stehen Betroffenen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Die meisten enthalten Antihistamine oder Cortison, welche die allergischen Entzündungen eindämmen. Auch Antiallergika, Tabletten mit einer Antihistamin-wirksamen Substanz, können bei milden bis mittelschwer ausgeprägten Beschwerden helfen. Allergiker sollten die Tabletten einmal täglich zu sich nehmen, um die Symptome vorzubeugen.

Allergien: Wann ist eine Hyposensibilisierung sinnvoll?

Um die Ursachen der Allergie zu bekämpfen kommt eine Hyposensibilisierung in Frage. Diese Möglichkeit ist allerdings nur bei Allergien vom Soforttyp eine Option. Bei der allergenspezifischen Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung genannt, gewöhnt sich der Körper nach und nach an die allergieauslösenden Substanzen. Wöchentlich spritzt der Arzt über einen Zeitraum von etwa drei Jahren den Patienten in steigenden Dosen das Allergen. Auch ist es möglich die Allergene über Tabletten oder Tropfen zu sich zu nehmen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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