Ein Arzt testet mithilfe eines Blutzuckertests eine Patient (Symbolbild).
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Mithilfe eines Blutzuckertests kann der Arzt Diabates feststellen (Symbolbild).

Verdacht auf Insulinallergie

Insulinallergie: Symptome, Diagnose und Behandlung –  Was Diabetiker wissen sollten

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Eine Insulinallergie ist zwar sehr selten, kann für Menschen mit Diabetes jedoch lebensgefährlich werden. Wie Sie die Symptome einer Insulinallergie erkennen und behandeln.

  • Bei einer Insulinallergie reagiert das Immunsystem unverhältnismäßig stark auf Insulinpräparate.
  • Typische Symptome sind Hautveränderungen, Schwellungen und Juckreiz.
  • Meist handelt es sich bei der allergischen Reaktion um eine Typ-1-Allergie mit sofortiger Reaktivität.

Köln – Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) gehört zu den häufigsten Erkrankungen im westlichen Kulturraum. Dabei findet grundsätzlich eine Unterscheidung zwischen Typ-1 und Typ-2-Diabetes statt. Anders als die Typ-2-Diabetes, welche sich im Laufe des Lebens entwickelt und auch erworbene „Altersdiabetes“ genannt wird, ist die Typ-1-Diabetes meist angeboren oder organisch bedingt. Die Behandlung erfolgt in der Regel mittels Insulinsubstitution. Doch was passiert, wenn das Immunsystem allergisch auf das Insulinpräparat reagiert? In diesem Fall ist von einer Insulinallergie die Rede. Dabei ist der Begriff etwas irrtümlich, denn tatsächlich sind Betroffene nur auf ein Nebenprodukt des Insulinpräparats allergisch und nicht, wie vermutet, auf reines Insulin. Je nach Allergietyp lässt sich die Diagnostik schnell durchführen und die Diabetes-Therapie anpassen.

Insulinallergie: Was ist eine Insulinallergie?

Wie bei jeder anderen allergischen Reaktion, liegen einer Insulinallergie die gleichen körperlichen Vorgänge zugrunde. Zunächst erfolgt die Sensibilisierungsphase, bei der der Körper Antikörper gegen die vermeintlich gefährlichen Substanzen bildet. Die Sensibilisierung kann sowohl bei Erstkontakt mit dem Insulinpräparat, als auch nach jahrelanger unauffälliger Therapie erfolgen. Sobald der Körper sensibilisiert ist, liegen ausreichend Antikörper vor, die bei erneutem Kontakt zur Ausschüttung von Entzündungsmediatoren wie Histamin führen. Diese Mediatoren bedingen in weiterer Folge die typischen allergischen Beschwerden.

Insulinallergie: Das sind die Symptome

Bei einer Insulinallergie zeigen Betroffene nach der Injektion eine ungewöhnlich starke Immunreaktion. Dazu gehören die typischen Allergie-Anzeichen, wie:

Dabei ist anzumerken, dass es sich nicht um eine „Insulinallergie“ per se handelt, sondern Betroffene vielmehr auf ein Beiprodukt des Insulinpräparats reagieren. Das kann beispielsweise ein Konservierungsstoff oder auch ein Desinfektionsmittel sein. In der Regel handelt es sich bei der sogenannten Insulinallergie um eine Typ-1-Allergie, die auch als „Soforttyp“ bekannt ist. Die Symptome treten entsprechend schon Minuten nach der Insulininjektion auf und können sich in der Intensität stark unterscheiden. Seltener, aber dennoch vorkommend, ist die Typ-4-Insulinallergie, auch „Spättyp“ genannt. Hierbei entwickeln sich die Symptome erst knapp 48 Stunden später.

Insulinallergie: Komplikationen in Folge einer Insulinallergie

Neben den offensichtlichen Beschwerden, infolge einer allergischen Reaktion, ist auch die Diabetes-Behandlung zunächst zu unterbrechen. Gerade bei stark betroffenen Diabetikern kann dies zu teils starkem Unwohlsein führen und sollte daher stets in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen. Falls Betroffene bei der Injektion ihres Insulinpräparats allergische Symptome erleben, sollten Patienten diese keineswegs ignorieren, sondern umgehend mit einem Arzt abklären. Da insbesondere die Konzentration der Allergene auch die Symptomschwere beeinflusst, ist eine weitere Verabreichung des Präparats gefährlich und kann im schlimmsten Fall zum anaphylaktischen Schock führen.

Insulinallergie: Mit diesem Test erfolgt die Diagnose

Zunächst geht es darum, festzustellen, auf welche Komponente des Insulinpräparats der jeweilige Betroffene allergisch reagiert. Dazu kann der Arzt zwei verschiedene Allergietests durchführen. Der Haut- oder Pricktest kommt bei Typ-1-Allergien, der Epikutantest bei Typ-2-Allergien zum Einsatz. Beim Pricktest raut der behandelnde Arzt die Haut am Rücken oder am Unterarm punktuell auf und beträufelt diese Stelle mit den vermuteten Allergenen sowie Kontrollproben. Das Ergebnis ist innerhalb von wenigen Minuten ersichtlich.

Beim Epikutantest trägt der Arzt die vermuteten Allergene auf dem Rücken auf und verdeckt diese mit einem kleinen Plättchen. Die Begutachtung erfolgt 48-62 Stunden später. Die Durchführung des Pricktests sollte in jedem Fall unter Aufsicht eines Arztes erfolgen. Beim Epikutantest kann der Betroffene nach der Auftragung nach Hause gehen, darf aber für die jeweilige Zeit nicht duschen oder übermäßig schwitzen.

Insulinallergie: Therapiemöglichkeiten

So vielseitig die Symptome und Ursachen einer Insulinallergie sein können, so vielseitig gestaltet sich auch die Behandlung. Bei gravierenden allergischen Reaktionen gilt es zunächst, diese so schnell wie möglich unter Kontrolle zu bekommen. Dazu kommen unter anderem Medikamente wie Antihistaminika oder Adrenalinpräparate zum Einsatz. Schließlich müssen Betroffene in Zukunft das jeweilige Allergen bestmöglich meiden, um weiteren Allergieschüben entgegenzuwirken. 

Eine dauerhafte Immunsuppression mittels Cortison ist nur in Ausnahmefällen notwendig. Eine Langzeittherapie lässt sich ebenfalls in Betracht ziehen, dauert aber in der Regel mindestens zwei Jahre und zielt auf die Desensibilisierung ab. Dabei verabreicht der Arzt regelmäßig eine geringe Konzentration des Allergens, damit der Körper graduell an die Belastung adaptieren kann.

Insulinallergie: Alternative Therapien bei Diabetes

Trotz Insulinallergie müssen Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel im physiologischen Rahmen halten. Dazu eignen sich orale Antidiabetika wie Metformin, Glitazone, alpha-Glucosidasehemmer oder Glinide. Sie sind jedoch nur für die Behandlung des Typ-2-Diabetes geeignet. Wer an Typ-1-Diabetes leidet und zusätzlich eine Insulinallergie entwickelt, kann nicht-orale Antidiabetika verschrieben bekommen. Sie lassen sich entweder parenteral (über eine Infusion in den Blutkreislauf) oder inhalativ einnehmen und gehören vor allem der Arzneigruppe der blutzuckersenkenden und antidiabetischen Medikamente (Inkretinmimetika) an. Auch inhalatives Insulin ist unter Umständen als Alternative einsetzbar, da die Insulinallergie meist nur durch spezifische Immunzellen in der Haut entsteht, die sich auf diesem Wege umgehen lassen. Inhalative Antidiabetika sind laut dem Ärzteblatt seit 2014 auf dem Markt.

Insulinallergie: Die Funktion von Insulin

Insulin bildet sich in den sogenannten Langerhans-Inseln der Pankreas und ist entscheidend an der Blutzuckerspiegel-Regulation beteiligt. Bei der Aufnahme von Kohlenhydraten schütten die Langerhans-Zellen vermehrt Insulin aus, welches die die Körperzellen wiederum dazu anregt, vermehrt Glucose (Zucker) aus dem Blut aufzunehmen. Zudem ist die Insulinausschüttung entscheidend von Hormonen wie Adrenalin und Cortison beeinflusst, damit die schnelle Zuckerversorgung der Muskeln im Notfall gewährleistet ist. Darüber hinaus ist Insulin für den Aufbau von Reservespeichern in der Leber und in den Muskeln erforderlich. Der Abbau dieser Reservespeicher erfolgt in den ersten Stunden und Tagen von Hungerzuständen, um die lebensnotwendigen Körperfunktionen ununterbrochen aufrechtzuerhalten.

Insulinallergie: Folgen bei Insulinmangel

Sobald der Blutzuckerspiegel unter 80 mg/dl fällt, ist die Insulinsekretion stark reduziert. Als optimal gilt ein Blutzuckerwert von etwa 100 mg/dl vor der Nahrungsaufnahme. Wenn, beispielsweise aufgrund einer Diabetes-Erkrankung, die Insulinausschüttung gestört ist, gelingt ebenfalls die Aufnahme von Glucose von den Muskeln sowie der Leber aus dem Blut nicht mehr wie erforderlich. Dies führt zu den typischen Beschwerden der Stoffwechselkrankheit, wozu Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Ohnmacht, Kopfschmerzen und vermehrtes Wasserlassen gehören. Diabetes lässt sich beispielsweise mittels oralem Glucose-Test schnell diagnostizieren.

Falls die körpereigene Insulinproduktion nicht ausreicht, ist externes Insulin erforderlich. Mit einer subkutan verabreichten Insulininjektion gelangt es schnell ins Blutsystem. Die benötigte Menge lässt sich in Einheiten angeben, die auf Basis eines zuvor erfolgten Bluttests berechenbar sind. Die Behandlung ist bei akkurater Mahlzeitenplanung in den meisten Fällen ausreichend und frei von Nebenwirkungen. Bei Typ II Diabetes raten Ärzte vor der Therapie mit Insulinsubstitution zunächst eine Lebensstiländerung an, um die Sensibilisierung der Insulinsekretion zu fördern. Die Deutsche Diabetes Stiftung mit Sitz in Düsseldorf und unter der Leitung von Adrian Polok setzt sich unter anderem für die Prävention von Diabetes ein und hat entsprechende Leitlinien zur Vorbeugung auf ihrer Webseite veröffentlicht.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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