Ein jodhaltiges, rotes Desinfektionsmittel wird mit einem Wattestäbchen auf den Rand eines Fingernagels aufgetragen (Symbolbild).
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Jod ist ein wirksames Mittel gegen Bakterien, Pilze und Viren und ist deshalb häufig in Desinfektionsmitteln enthalten (Symbolbild).

Mythos oder möglich?

Hautjucken und Schwindel: Steckt eine Allergie gegen Jod dahinter?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Eine Jodunverträglichkeit wird häufig als „Jod-Allergie“ bezeichnet. Warum es sich dabei nicht um eine allergische Reaktion handelt und welche Beschwerden auf eine Überempfindlichkeit hindeuten. 

Berlin – Einige Menschen glauben, auf Jod allergisch zu reagieren. Sie meiden deshalb vorsichtshalber jodiertes Speisesalz oder jodhaltige Medizinprodukte. Da der menschliche Körper das Spurenelement Jod aber zur Produktion von Schilddrüsenhormonen benötigt und dieses nicht selbst produzieren kann, ist er auf die Jod-Aufnahme aus der Ernährung angewiesen. Kommt es beim Kontakt mit jodhaltigen Arzneimitteln zu allergieähnlichen Beschwerden, handelt es sich vielmehr um Unverträglichkeitsreaktionen.

„Jod-Allergie“: Wie eine Allergie entsteht

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort „Allergie“ häufig mit Überempfindlichkeitsreaktionen gleichgesetzt. Doch nicht jede Überempfindlichkeit ist eine Allergie. Nach Angaben des Allergieinformationsdienstes handelt es sich bei „allergie-Symptomen“ streng genommen nur dann um eine Allergie, wenn ihnen eine immunologische Reaktion zugrunde liegt. Nur wenn das Immunsystem eine bestimmte Substanz als fremd und gefährlich einstuft, bildet es Antikörper (Immunglobuline) gegen diese. Dieser Prozess wird als Sensibilisierung bezeichnet. Kommt es danach zum erneuten Kontakt mit dem Stoff, lösen die Antikörper eine Abwehrreaktion (allergische Beschwerden) aus.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an nicht-allergischen Überempfindlichkeitsreaktionen, wie Pseudoallergien oder Intoleranzen (z.B. Nahrungsmittelunverträglichkeiten). Zu diesen zählt auch die „Jod-Allergie“, denn Jod ist ein so kleines und einfach strukturiertes Molekül, dass es nach Angaben der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) vom Immunsystem nicht registriert wird. Demnach sind auch allergische Reaktionen auf reines Jod nicht möglich.

Folgende Symptome können auf eine Jod-Unverträglichkeit hinweisen:

  • Hautjucken
  • Schwindel
  • Husten
  • Schnupfen
  • Kopfschmerzen

„Jod-Allergie“: Reaktionen auf Medizinprodukte keine Allergie

Auch einige Medizinprodukte enthalten Jod, zum Beispiel Desinfektionsmittel, Röntgenkontrastmittel oder Medikamente gegen Pilzerkrankungen. Manche Menschen reagieren auf sie empfindlich und entwickeln Beschwerden wie Rötungen der Haut, Schwellungen, Juckreiz, Atemnot oder sogar Kreislaufbeschwerden. Bei Überempfindlichkeitsreaktionen auf jodhaltige Medizinprodukte ist laut Stiftung Warentest aber nicht das Jod selbst für die Reaktion verantwortlich, sondern größere Moleküle, deren Bestandteil Jod ist. Bei vielen Produkten ist laut ECARF bis heute nicht klar, welche Substanzen genau die Unverträglichkeitsreaktionen auslösen.

Keine Gedanken müssten sich Verbraucher hingegen bei Jodsalz oder Tabletten mit Jodverbindungen machen, da die darin enthaltenen Jodmoleküle so klein sind, dass sie vom Immunsystem nicht erkannt werden.

„Jod-Allergie“: Wie sieht es mit Jod in Fisch und Meeresfrüchten aus?

Allergien gegen Fisch und Meeresfrüchte sind möglich, haben aber nichts mit dem darin enthaltenen Jod zu tun. Auslöser sind vielmehr bestimmte Eiweiße, wie das Faserprotein Kollagen oder Parvalbumine (beim Fisch) und Tropomyosine (bei Krusten- und Weichtieren). Da der Körper gegen diese Eiweiße Antikörper bildet, lassen sich Fisch- und Meeresfrüchte-Allergien (anders als Unverträglichkeiten) mit Hilfe eines Hauttests oder eines Bluttests diagnostizieren.

Neben Seefisch empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für eine ausreichende Jodzufuhr täglich Milch und Milchprodukte zu verzehren,* ausschließlich Jodsalz zu verwenden sowie Brot und Fleischwaren zu verzehren, die mit Jodsalz hergestellt wurden. Schwangere und stillende Frauen haben einen höheren Jodbedarf und sollten mit ihrem Arzt sprechen, ob die Einnahme eines zusätzlichen Jodpräparats sinnvoll ist. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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