Die Anklage wirft einer 38-jährigen Mutter vor, 50 Tabletten in Wasser aufgelöst und ihre Tochter aufgefordert zu haben, davon zu trinken. Nur dank des besonnenen Handelns des zehnjährigen Kindes sind beide noch am Leben. Jetzt steht die Frau vor Gericht.	SYMBOLFOTO: DPA
+
Manche Tabletten können Allergien auslösen (Symbolbild).

Allergie nach Medikamenteneinnahme

Medikamentenallergie: Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie bei einer Arzneimittelenallergie

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
    schließen

Was tun bei einer Medikamentenallergie? Typische Anzeichen, Ursachen und Behandlung einer Arzneimittelallergie.

  • Bei einem Arzneimittelexanthem handelt es sich um einen geröteten und juckenden Hautausschlag.
  • Die Ursache für den Hautausschlag kann sowohl eine Medikamentenallergie als auch eine Arzneimittelunverträglichkeit sein.
  • Die Reaktion verläuft in den meisten Fällen mild, allerdings kommt es auch zu schweren Krankheitsverläufen.

München – Bei einer Arzneimittelallergie lösen bestimmte Inhaltsstoffe in Medikamenten allergische Reaktionen aus – statt gesund, machen sie die Betroffenen krank. Doch von einer Medikamentenallergie spricht man erst, wenn der Körper mit einer Immunreaktion auf einen Wirkstoff reagiert. So kommt es bei den meisten Menschen vielmehr zu Nebenwirkungen, denen keine Allergie zugrunde liegt. Während in vielen Fällen der Zusammenhang zwischen der Einnahme eines neuen Medikaments und der allergischen Reaktion auf der Hand liegt, ist die Ursache manchmal nur schwer zu entdecken. Die allergische Reaktion verläuft meist mild, es sind jedoch auch schwere Verläufe bis hin zu einem anaphylaktischen Schock möglich.

Symptome einer Arzneimittelallergie: Wie äußert sich eine Medikamentenallergie

Typischer Hinweis auf eine Medikamentenallergie ist ein Hautausschlag. Dieser zeigt sich durch gerötete und leicht geschwollene Hautpartien. Bei einem Arzneimittelexanthem handelt es sich hingegen um kleine, rote Flecken, die an Masern oder Windpocken erinnern. Seltener entstehen größere Flecken, die sich wie ein Netz über den ganzen Körper ziehen. In Ausnahmefällen bilden sich auch Blasen oder Quaddeln.

In der Regel treten die Symptome einer Medikamentenallergie in Form einer Sofort- oder Spätreaktion auf. Typische Anzeichen einer Reaktion des Soforttyps sind:

  • Juckreiz
  • Rötungen der Haut
  • Nesselsucht (Urtikaria)
  • Schwellungen der Haut (Angioödem)

Meist entwickeln sich die Symptome zuerst am Rumpf, beispielsweise an Brust, Bauch oder Rücken. Im weiteren Verlauf wandern die Rötungen sowohl in Richtung Nacken und Kopf, als auch zu den Armen und Beinen. Treten die Beschwerden gleichzeitig an unterschiedlichen Organen auf, kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen.

Erstmalig beobachten lässt sich eine Medikamentenallergie etwa sieben bis zwölf Tage nach Beginn der Einnahme der auslösenden Arznei. Die Immunreaktion braucht eine gewisse Zeit, bis sie reagiert. Bei erneutem Einnehmen des gleichen oder manchmal auch eines sehr ähnlichen Medikaments ist die Immunantwort bereits abgespeichert. Dann dauert es nur etwa 48 Stunden, bis die ersten Symptome auftreten.

Medikamentenallergie: Ursachen und Verbreitung eines Arzneimittelexanthems

Das Auftreten einer Medikamentenallergie hängt in der Regel nicht mit anderen Allergien oder Überempfindlichkeitsreaktionen zusammen. Auch wer bisher noch nie allergisch reagiert hat, kann daher eine Arzneimittelallergie entwickeln. Meist sind die Symptome harmlos. In seltenen Fällen kann es aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Laut World Allergy Oragnization (WAO) sind etwa drei bis sechs Prozent aller Krankenhaus-Einweisungen auf Reaktionen auslöst durch Arzneimittel zurückzuführen. Allerdings sind nur wenige davon bedingt durch eine Allergie.

Verursacht wird eine Medikamentenallergie oft durch eine Reaktion des Immunsystems auf das eigentlich harmlose Medikament oder Produkte, die bei dessen Abbau entstehen. Die Inhaltsstoffe aktivieren die Abwehrzellen und es folgt die immuntypische Abwehrreaktion – aber eben ohne echten Feind. Die Ausschüttung von Botenstoffen, beispielsweise von Histamin, führt dann zu den entzündungsähnlichen Symptomen, wie etwa Rötungen, Schwellungen und dem damit einhergehenden Juckreiz.

Medikamentenallergie: Das sind die häufigsten Auslöser

Theoretisch kann eine Allergie gegen jedes Medikament entstehen. So reagieren einige Betroffen zum Beispiel auf bestimmte pflanzliche Stoffe oder einfache Erkältungsmittel. Bei einigen Mitteln treten Medikamentenallergien jedoch besonders häufig auf. Dementsprechend beinhaltet die Packungsbeilage solcher Arzneimittel oft einen gesonderten Hinweis auf allergische Reaktionen und entsprechende Symptome in der Auflistung der Nebenwirkungen.

Zu den häufigsten Auslösern von Medikamentenallergien gehören unter anderem:

  • Antibiotika
  • Antiepileptika
  • Schmerzmittel
  • Kontrastmittel

Medikamentenallergie und Arzneimittelintoleranz: Unterschiede

Nicht bei jeder Hautreaktion, die als Folge einer Einnahme von Arzneimitteln entsteht, handelt es sich um eine Medikamentenallergie. Oft ist auch eine sogenannte Arzneimittelintoleranz der Auslöser. Während Laien die beiden Begriffe meist synonym verwenden, steckt dahinter in Wahrheit ein großer Unterschied. Dieser spiegelt sich einerseits in der Entstehung der Symptome, aber auch in den Folgen für den Betroffenen wieder.

Typische Merkmale einer Medikamentenallergie sind:

SymptomeHautausschlag mit Schwellung und Rötung
Eintreten der SymptomeBeim ersten Mal nach sieben bis zwölf Tagen
Stärke der SymptomeUnabhängig von der Dosierung des Medikaments
UrsachenAktivierung des Immunsystems durch Antigene, danach spezifische Aktivierung von Immunzellen
NachweisNachweis von Antikörpern im Blut
KreuzallergienHäufig auch allergische Reaktionen

Typische Merkmale einer Arzneimittelintoleranz:

SymptomeHautausschlag mit Schwellung und Rötung
Eintreten der SymptomeOft innerhalb weniger Stunden nach der ersten Einnahme
Stärke der SymptomeVerschlimmert sich mit einer höheren Dosis
UrsachenUnspezifische Aktivierung von Immunzellen durch das Medikament
NachweisReaktion auf das auslösende Allergen ohne Bildung von Antikörpern
KreuzallergienReaktion auf ähnliche Wirkstoffe weniger wahrscheinlich als bei einer Allergie

Sowohl bei einer Medikamentenallergie, als auch bei einer Arzneimittelintoleranz resultiert die Einnahme auslösender Medikamente in einer Histamin-Ausschüttung und den damit einhergehenden Hautausschlägen. Allein anhand der Symptome kann man die beiden eng miteinander verwandten Reaktionen daher nicht unterscheiden. Hierzu ist ein Test auf Antikörper notwendig. In der Praxis ist das aber nicht immer erforderlich, da die Behandlung oft gleich abläuft.

Medikamentenallergie: So stellt der Arzt die Diagnose

Nehmen Betroffene einer Medikamentenallergie nur ein einziges Arzneimittel ein, ist die Ursache des Hautausschlags oft schnell geklärt. Anhand der Krankengeschichte (Anamnese) kann der Arzt mögliche Auslöser meist sehr schnell erkennen. Doch gerade bei älteren Menschen oder bei schwereren Erkrankungen kombinieren Ärzte häufig verschiedene Medikamente. Dann müssen diese nacheinander abgesetzt oder durch einen anderen Wirkstoff abgelöst werden. Schließlich kann man anhand der nachlassenden Symptome den Allergieauslöser bestimmen.

Weniger umständlich können Allergologen Medikamentenallergien mit einem sogenannten Prick-Test (Hauttest) feststellen. Dabei gibt er bestimmte Lösungen mit möglichen Allergenen unter die Haut und wertet anschließend die sichtbaren Reaktionen und Symptome aus. Auch ein Bluttest auf entsprechende Antikörper ist möglich. Diese werden vom Körper im Rahmen einer Allergie gebildet. Solche Nachweise sind allerdings erst für wenige Medikamentenallergien verfügbar.

Eine Arzneimittelallergie lässt sich in der Regel gut nachweisen. Doch sollte die allergische Reaktion nicht zu lange zurückliegen. Wer erst Jahre später einen Allergietest macht, bei dem kann das Resultat möglicherweise ergebnislos ausfallen.

Arzneimittelallergie: Behandlung und Therapie der Medikamentenallergie

Wichtig ist, dass Betroffene beim Verdacht auf eine Medikamentenallergie so schnell wie möglich ihren Hausarzt, einen Allergologen oder einen Hautarzt aufsuchen. Denn auch wenn der Hautausschlag zu Beginn nur ein wenig lästig ist, können sich die Symptome mit der Zeit verschlimmern. Deswegen setzt der behandelnde Arzt in der Regel zuerst das Medikament, das vermutlich das Arzneimittelexanthem auslöst, ab. Patienten sollten die Einnahme des verschriebenen Mittels allerdings nicht einfach aussetzen. Wichtig ist, dass der Arzt eine passende Alternative verschreibt.

Um die akute Reaktion zu lindern, können Ärzte Antihistaminika einsetzen. Diese Medikamente kommen im Rahmen der Therapie von Allergien oft zum Einsatz und lindern den Juckreiz, die Rötungen und Schwellungen. Bei stärkeren Beschwerden ist auch die Verschreibung von Cortison (Corticosteroiden) möglich. Diese mindern die Immunreaktion im Allgemeinen und damit auch die, durch die Medikamentenallergie ausgelöste Symptomatik.

Medikamentenallergie: Maßnahmen zur Prävention

Die wichtigste Maßnahme in der Prävention einer allergischen Reaktion ist das Vermeiden des Allergieauslösers. Im Idealfall nehmen Betroffene nach einer einmaligen Reaktion auf ein bestimmtes Medikament oder einen speziellen Wirkstoff diesen nicht mehr ein. Sowohl Hausärzte als auch Allergologen können den oder die Befunde mitsamt Auslösern und Symptomen in einen Allergiepass vermerken. Den Pass legt der oder die Betroffene dann einfach bei jedem Arzt- und Apothekenbesuch vor. So können bestehende Medikamentenallergien zukünftig bei der Verschreibung von Tabletten, Salben und Co. berücksichtigt werden.

Für Allergiepässe besteht, anders als bei Impfausweisen, kein einheitlicher Standard. Theoretisch können Betroffene einer Medikamentenallergie ein solches Dokument auch selbst erstellen. Wichtig ist, dass ein Allergiepass möglichst übersichtlich ist und keine Lücken aufweist. Nur so bietet er wirklich einen Mehrwert für den behandelnden Arzt.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren