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Verdacht auf Medikamentenallergie? Diese Vorbereitungen helfen dem Arzt bei der Diagnose

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Von: Jasmina Deshmeh

Ein Arzt in weißem Kittel mit einem Stethoskop um den Hals unterhält sich mit einem älteren männlichen Patienten (Symbolbild).
Bei Verdacht auf eine Medikamentenallergie hilft nur der Gang zu Arzt. Um die Diagnose zu erleichtern, sollte dieser gut vorbereitet sein (Symbolbild). © imago images / Westend61

Allergische Reaktionen auf Medikamente sind selten, meist handelt es sich um Unverträglichkeitsreaktionen. Um die Diagnose zu erleichtern und schwere Reaktionen bei Allergietests zu vermeiden, sollten Betroffene den Arztbesuch sorgfältig vorbereiten.

Wien - Unerwünschte Medikamentenwirkungen sind glücklicherweise nur selten allergisch bedingt und damit wirklich gefährlich. Dennoch kommt es vor, dass Medikamente, die eigentlich Beschwerden lindern oder vorbeugen sollen, nicht vertragen werden. Um herauszufinden, ob es sich bei unerwünschten Nebenwirkungen tatsächlich um eine Medikamentenallergie handelt, hilft nur der Gang zu Arzt. Besonders wichtig für die Diagnose ist eine ausführliche Anamnese, für die Patienten einige Vorbereitungen treffen können.

Diagnose bei Medikamentenallergie: Intoleranz oder Allergie?

Bei den meisten unerwünschten Reaktionen auf Medikamente handelt es sich nach Angaben des Allergieinformationsdienstes nicht um eine Allergie, sondern um nicht-allergische Unverträglichkeitsreaktionen. Experten schätzen, dass über 80 Prozent der Reaktionen nicht allergischen Ursprungs sind. Oft handelt es sich dabei um Nebenwirkungen des Arzneimittels und Reaktionen auf einen Zusatzstoff, seltener betreffen sie den pharmakologischen Wirkstoff des Medikaments.

Bei einer Arzneimittelallergie liegt die Ursache hingegen im Immunsystem, das überempfindlich auf bestimme Substanzen im Medikament reagiert. Ist keine immunologische Reaktion nachweisbar, kann es sich auch um eine Arzneimittelidiosynkrasie handeln, bei der Symptome auftreten, die sich von der pharmakologischen Wirkung unterscheiden. Oft ähneln die Beschwerden allergischen Reaktionen, weshalb sie auch als Pseudoallergiebezeichnet werden.

Unklare Symptome nach der Anwendung von Medikamenten sollten immer von einem Arzt abgeklärt werden. Bestimmte Medikamente im Glauben, an einer Allergie zu leiden, vorsorglich zu meiden, kann den Behandlungserfolg deutlich einschränken. Besteht wirklich eine Allergie gegen bestimmte Wirkstoffe, kann diese zudem behandelt werden, etwa mit einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung). Um die Diagnose einer möglichen Medikamentenallergie durch den Arzt zu erleichtern, können Patienten vorab ein paar Vorbereitungen helfen.

Diagnose bei Medikamentenallergie: Symptome fotografisch festhalten

Medikamente können allergische Symptome des Soforttyps und des Spättyps hervorrufen. Meist zeigen sie sich im Bereich der Haut. Anzeichen auf eine allergische Reaktion auf Arzneimittel des Soforttyps sind:

In sehr seltenen Fällen kann es auch zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Mögliche Anzeichen dafür sind sehr schnell auftretende Symptome, großflächige Ausschläge, Anschwellen der Schleimhäute, Magen-Darm- und Kreislaufbeschwerden (Schwindel). Medikamentenallergien des Soforttyps sind zum Beispiel Penicillinallergien oder Kreuzallergien auf andere Antibiotika. Aber auch Spätreaktionen auf Penicillin können auftreten, bei denen sich Allergie-Symptome meist erst ab dem 8. Therapie-Tag zeigen. Es kann sogar noch zu Spätreaktionen nach der Behandlung kommen. Da die Zeitspanne sehr groß sein kann, ist es wichtig, Hautreaktionen möglichst detailliert zu beschreiben oder zu fotografieren,* damit sich der Arzt im Nachhinein ein Bild von ihnen machen kann.

Diagnose bei Medikamentenallergie: Genauen Medikamentenname notieren

Die Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung (IGAV) empfiehlt außerdem, den Name des Medikaments, das womöglich unerwünschte Reaktionen ausgelöst hat, aufzuschreiben. Wurde das Arzneimittel im Krankenhaus oder in einer Arztpraxis verabreicht, sollten Betroffene den Name dort erfragen. Ist es nach einer Narkose zu unerwünschten Nebenwirkungen gekommen, können Betroffene das Narkoseprotokoll anfordern. Es enthält ausführliche Informationen dazu, welches Medikament zu welchem Zeitpunkt gegeben wurde. Wurde das Medikament zuhause eingenommen, sollte die Verpackung mitgebracht werden. Auch das Medikament selbst kann für die Diagnosestellung hilfreich sein, zum Beispiel für einen möglichen Allergietest.

Diagnose bei Medikamentenallergie: Zeitprotokoll anlegen

Tests auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind nicht aufwändig, sie bergen für den Patienten immer auch ein gewisses Risiko und sollten nur bei bereits aufgetretenen Beschwerden und bei für den Patienten wichtigen Medikamenten durchgeführt werden.

Umso wichtiger ist es, dem Arzt bei Verdacht auf eine Medikamentenallergie so viele und so detaillierte Informationen wie möglich zu liefern. Eine Hilfestellung bietet dabei ein Zeitprotokoll. Darin notieren Patienten, wann sie das Medikament eingenommen haben und wann die ersten Symptome eingetreten sind. Auch den Symptom-Verlauf sollten sie schriftlich festhalten.

Diagnose bei Medikamentenallergie: Befunde mitbringen

Die IGAV weist auch daraufhin, dass Patienten neben dem Zeitprotokoll und Fotos von (Haut)Symptomen in jedem Fall auch Befunde, die während akuter Beschwerden erstellt werden, zur Besprechung mit dem Arzt mitbringen sollten. Das betrifft zum Beispiel ein Differentialblutbild, Leber- und Nierenfunktionswerte, Entzündungsmarker und Tryptase. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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