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Medikamenten-Unverträglichkeit: Wirken die Mittel so, wie sie sollen?

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Von: Jasmina Deshmeh

Ein Arzt streckt seine geöffnete Hand in die Kamera, in der zwei Pillen liegen (Symbolbild)

Je mehr Medikamente man einnimmt, desto größer ist das Risiko von Unverträglichkeiten (Symbolbild) © Cavan Images/images-imago

Je mehr Arzneimittel eingenommen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Unverträglichkeiten auftreten. Vor allem ältere Menschen sollten vorsichtig sein.

Mannheim (dpa/tmn) - Ein Medikament für das Herz, eines gegen die Schmerzen und ein Mittel, um besser schlafen zu können: Vor allem Seniorinnen und Senioren nehmen oft mehrere Arzneimittel am Tag ein, um ihre Beschwerden zu behandeln. In einigen Fällen allerdings mit unerwünschten Nebenwirkungen.

Medikamenten-Unverträglichkeit: Wirken die Mittel wie sie sollen?

„Rund 30 bis 60 Prozent der über 80-Jährigen haben Nebenwirkungen durch Arzneimittel“, erklärt Professor Martin Wehling, Polymedikationsforscher und Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie Mannheim, das zur Universität Heidelberg gehört. Das liege vor allem daran, dass Medikamente meist an jungen Menschen getestet werden, so der Experte, die Nebenwirkungen im Vergleich noch deutlich besser wegstecken. „Im Gegensatz dazu haben Senioren aber veränderte Stoffwechsel und sind viel empfänglicher für negative Folgen.“

In Einzelfällen können sich verschiedene Arzneimittel auch gegenseitig beeinflussen. „Es kann passieren, dass ein Medikament durch ein anderes möglicherweise schlechter abgebaut werden kann - aber das ist das geringste Problem bei Polymedikation“, so Wehling. Das Hauptproblem bestehe eher darin, dass mit der Anzahl der eigenommenen Medikamente auch die Wahrscheinlichkeit für Unverträglichkeiten gegen eines oder mehrere der Mittel steigt.

Medikamenten-Unverträglichkeit: Der Körper kann vergiften

Solche Unverträglichkeiten können sich durch verschiedene Symptome äußern:

„Die Organe der älteren Patienten werden immer klappriger“, so Wehling. „Und dafür nehmen sie immer mehr Arzneimittel, die sie immer schlechter vertragen“. Das vergiftet den Körper regelrecht. „Man hört oft: „Er hat nach kurzer Zeit so abgebaut!“ oder: „Sie war plötzlich ganz verwirrt!“ “, sagt Wehling. Das bedeutet nicht, dass das jeweilige Medikament nicht gut sei, sondern vielleicht einfach, dass es für Senioren nicht geeignet ist.

Dabei ist auch die Mithilfe der Patientin oder des Patienten gefragt, die wachsam sein und auf ihren Zustand achten sollen. Wer ein Medikament einnimmt, sollte sich die Frage stellen: Tut es, was es soll? Fühlt man sich dadurch besser oder eher schlechter? Im zweiten Fall ist der erneute Gang zu Arzt unverzichtbar. Dabei sollten sich Ältere nicht vertrösten lassen. „Es geht nicht, dass ein Arzt sagt: „Komm im nächsten Quartal wieder!“ “, so Wehling. „Wenn er etwas verschrieben hat, muss er auch überprüfen, ob es wirkt oder schadet.“ Die Überwachung der Therapie sei einer der wichtigsten Punkte der ärztlichen Betreuung.

Medikamenten-Unverträglichkeit: Vorbereitungen auf den Arztbesuch

Dabei hilft es auch, wenn sich Patientinnen und Patienten sorgfältig auf den Arztbesuch vorbereiten. Zum Beispiel mit der sogenannten „Forta“-Liste, die es online oder als Mobile-App für iOS und Android gibt. „Wir haben in einer Liste die gängigsten verschriebenen Medikamente aufgezählt - und bessere direkt empfohlen“, so Wehling. Der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin kann damit prüfen, ob ein Medikament für Senioren gut oder weniger gut geeignet ist und somit Nutzen und Risiko gegeneinander abwägen.

„Es geht auch meistens nicht um die Zahl der Medikamente, die man einnimmt, sondern um ihre Qualität“, sagt Wehling. Auf keinen Fall sollte man auf eigene Faust am Medikationsplan herumdoktern.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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