Nahaufnahme eines Blisters mit blau-weißen Kapseln (Symbolbild).
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Penicillin ist ein aus Schimmelpilzen gewonnenes Antibiotikum und kommt bei bakteriellen Infektionen zum Einsatz (Symbolbild).

Allergietest schafft Klarheit

Penicillin-Allergie: Nicht immer handelt es sich wirklich um eine Allergie

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Viele Menschen glauben, allergisch auf Penicillin zu reagieren und meiden das Antibiotikum. Das kann sich nachteilig auf die Behandlung bakterieller Infekte auswirken. Der Gang zu Allergologen schafft Klarheit.

München – Penicilline sind antibakterielle Wirkstoffe, der aus Schimmelpilzen der Gattung Penicillium gewonnen werden. Auch biosynthetisch und teilsynthetisch hergestellte Penicilline gehören zur Wirkstoffgruppe. Sie zählen zu den sichersten und wirksamsten Antibiotika. Viele Menschen glauben jedoch, allergisch auf Penicillin zu reagieren. Tatsächlich vertragen nach Angaben der Universitätsmedizin Mainz 85 bis 90 Prozent der Patienten mit einer vermuteten Penicillin-Allergie den Wirkstoff aber, da sie entweder gar nicht allergisch sind oder die Allergie wieder verschwindet. Wird Penicillin wegen einer vermeintlichen Allergie gemieden, kommen meist weniger wirksame Antibiotika zum Einsatz, die mehr Nebenwirkungen haben, höhere Kosten verursachen und zu Resistenzen führen können.

Penicillin-Allergie: Nur die wenigsten sind tatsächlich allergisch

Woran liegt es, dass so viele Menschen davon ausgehen, an einer Penicillin-Allergie zu leiden? Grund ist meist ein Missempfinden nach vorangegangener Medikamenteneinnahme. So können beispielsweise Juckreiz, Hautausschläge, -rötungen und Durchfall auftreten, was viele irrtümlich für eine allergische Reaktion halten.

Bei den Symptomen kann es sich aber auch um eine normale Reaktion des Körpers auf Antibiotika handeln, wie US-Forscher in einer im Fachjournal Jama veröffentlichen Studie schreiben.

Darüber hinaus können die Beschwerden nach Angaben der Stiftung Warentest auftreten durch:

  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
  • Den Infekt selbst (Krankheitssymptome)
  • Durch eine gleichzeitig verlaufende Virusinfektion
  • Durch eine Pseudoallergie

Einige Patienten gehen auch aufgrund einer bekannten Penicillin-Allergie im Verwandtenkreis davon aus, selbst allergisch zu sein. Hinzu kommt, dass aufgetretene Beschwerden nach der Penicillin-Einnahme im Gedächtnis oft tief verankert sind. Darüber hinaus steht im Allergiepass oft nur die Angabe „Penicillin-Allergie“, nicht aber, um welchen Wirkstoff es sich dabei genau handelt. (Allergie-Medikamente als Schlafmittel? Warum sie nicht wirken und welche Nebenwirkungen drohen)

Penicillin-Allergie: Bin ich allergisch? So äußern sich allergische Reaktionen auf den Wirkstoff

Die Studie zeigt jedoch: Nur etwa 5 Prozent der vermuteten Allergiker leiden tatsächlich an einer Überempfindlichkeit gegenüber Penicillin. Dabei ist zwischen Sofortreaktionen und Spätreaktionen zu unterscheiden. Bei einer Sofortreaktion treten Allergie-Symptome unmittelbar oder spätestens eine Stunde nach dem Allergenkontakt auf.

Erste Anzeichen für Reaktionen des Soforttyps auf Penicillin sind laut Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München:

  • Juckreiz
  • Hautrötungen (Flush)
  • Nesselsuchtartige Ausschläge (Urtikaria)
  • Schwellungen der Haut (Angioödeme)
  • Selten: Atemwegsbeschwerden
  • Selten: Herz-Kreislaufbeschwerden

In seltenen Fällen können die Reaktionen auch zu einem anaphylaktischen Schock führen, bei dem es zu Atemnot, Blutdruckabfall und schlimmstenfalls zu einem Herzstillstand kommt. Anzeichen für einen möglichen anaphylaktischen Schock sind sehr schnell auftretende und starke Symptome, Anschwellen der Zunge, Schluckbeschwerden, großflächiger Ausschlag, Magen-Darm-Probleme, Schwächegefühl und Schwindel. In solchen Fällen ist es wichtig, sofort den Notarzt zu rufen.

Bei allergischen Spätreaktionen treten Beschwerden frühestens nach 24 bis 72 Stunden nach dem Allergenkontakt auf. Eine Penicillin-Allergie vom Spättyp äußert sich meist erst zwischen dem 8. und 12. Behandlungstag. Dabei kommt es zu Haut-Ausschlägen („Arzneimittelexantheme“). Oft werden sie von Fieber, Schwellungen im Gesicht und Schwellungen der Lymphknoten begleitet.

Penecellin-Allergie: Der Gang zum Allergologen schafft Klarheit

Wer den Verdacht hat, an einer Penicillin-Allergie zu leiden, sollte diesen durch einen Hauttest (Pricktest) beim Allergologen abklären. Zudem wird stationär ein oraler Provokationstest durchgeführt, für den Fall, dass es dabei zu einer Anaphylaxie kommt. Auch wenn eine Allergie auf bestimmte Penicillin-Wirkstoffe diagnostiziert wird, ist es möglich, dass Patienten andere Penicillin-Präparate vertragen, dass sich diese oft in ihrer chemischen Struktur unterscheiden. Auch sollten die Allergie-Tests nach einigen Jahren wiederholt werden, da eine Arzneimittelallergie wieder verschwinden kann. So verlieren laut Universitätsmedizin Mainz etwa 50 Prozent der Patienten mit IgE-vermittelter Penicillin-Allergien die Überempfindlichkeit 5 Jahre nach den letzten Reaktionen und ca. 80 Prozent nach 10 Jahren. (Schmerzmittel bei Asthma ungeeignet: Diese Medikamente sollten Betroffene auf keinen Fall einnehmen)

Eine Penicillin-Allergie regelmäßig zu prüfen ist auch deshalb wichtig, weil Penecillin noch immer zu den wirksamsten Antibiotika zählt, gegen die bisher wenig Resistenzen bestehen. Bei einer (vermeintlichen) Penicillin-Allergie müssen Ärzte auf andere Antibiotika zurückgreifen – besonders dann, wenn es schnell gehen muss. Solche Breitband- oder Reserveantibiotika wirken allerdings oft nicht so gut wie Penicillin, haben mehr Nebenwirkungen und bergen ein Risiko für Resistenzen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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