Ein junges Mädchen liegt mit Handy im Bett (Symbolbild).
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Blaues Licht von Handys, Tablets und Co. beeinflusst immer häufiger die Schlafgewohneiten von Kindern und Jugendlichen (Symbolbild).

Frühaufsteher oder Langschläfer?

Schlafrhythmus bei Allergikern: Langschläfer leiden häufiger unter Asthma

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Schlaf bei Allergikern: Ob jemand eher ein Frühaufsteher oder eine Nachteule ist, beeinflusst die Entwicklung bestimmter Krankheiten. Laut einer aktuellen Studien könnte der Schlafrhythmus auch allergische Beschwerden und Asthma begünstigen.

  • Manche Gewohnheiten lassen sich einfach nicht verändern - so auch der persönliche Schlafrhythmus.
  • Wie viel Schlaf wir brauchen und wann unser Körper müde wird, hängt vor allem von unseren Genen ab.
  • Doch gerade für Langschläfer können die eigenen Schlafgewohnheiten gesundheitliche Folgen haben.

Midnapore (Indien) – Während einige Menschen morgens ohne Probleme aus dem Bett kommen, bleiben andere noch bis zur letzten Minute liegen. Doch wer regelmäßig erst zu später Stunde ins Bett geht und dafür gerne ausschläft, leidet möglicherweise häufiger unter Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Forscher fanden nun heraus: Unsere innere Uhr scheint auch die Entwicklung von Allergien und Asthma zu beeinflussen.

Allergien und Asthma: Zu welchem Schlaftyp gehören Sie?

Frühaufsteher oder Langschläfer? Abhängig von den persönlichen Vorlieben und dem Schlaf-Wach-Rhythmus lässt sich jeder Mensch einem bestimmten Schlaftyp zuordnen, auch Chronotypen genannt. Sogenannte „Lerchen“ sind meist schon sehr früh wach, gehen dafür aber auch früh zu Bett. Wer lange aufbleibt und morgens nur schlecht aus dem Bett kommt, gehört dagegen zu den „Eulen“.

Zu welchem Typ Sie gehören, hängt zu großen Teilen von den Genen ab, denn wie genau unsere biologische Uhr tickt, wird schon vor der Geburt festgelegt. Ebenfalls beeinflussen im Laufe des Lebens individuelle Gewohnheiten und der persönliche Tagesablauf unseren Biorhythmus. Ändern lässt sich der eigene Schlaftyp jedoch nicht.

Schlaf und Gesundheit: So viel Schlaf braucht der Mensch

Doch wie viel Schlaf brauchen wir eigentlich? Laut Wissenschaftlern hängt die optimale Schlafdauer vom Alter ab. Denn mit den Jahren brauchen wir immer weniger Schlaf, um uns tagsüber fit zu fühlen. Die Experten der US-amerikanischen „National Health Foundation“ kommen zu folgendem Ergebnis:

  • Neugeborene (bis drei Monaten): Babys brauchen zwischen 14 bis 17 Stunden Schlaf.
  • Säuglinge (vier bis elf Monate): In diesem Alter brauchen Kinder etwa zwölf bis 15 Stunden Schlaf.
  • Kleinkinder (ein bis zwei Jahre): Die ideale Schlafdauer liegt in diesem Alter zwischen neun bis zehn Stunden.
  • Vorschulkinder (drei bis fünf Jahre): Kinder im Vorschulalter benötigen etwas weniger Schlaf - nur rund zehn bis 13 Stunden.
  • Grundschulkinder (sechs bis 13 Jahre): Schulpflichtige Kinder schlafen etwa neun bis elf Stunden.
  • Jugendliche (zwischen 14 und 17 Jahren): Teenagern reichen acht bis zehn Stunden Schlaf.
  • Erwachsene: Sieben bis neun Stunden Schlaf reichen vielen Erwachsenen aus.
  • Senioren (ab 65 Jahren): Durchschnittlich schlafen ältere Menschen zwischen sechs bis acht Stunden.

Allergien und Asthma: So beeinflusst Schlaf die Gesundheit

Der individuelle Chronotyp bestimmt nicht nur die Schlaf- und Wachphasen, er reguliert auch das Leistungsvermögen, den Hormonspiegel und die Körpertemperatur. Als Anker nutzt der Körper vor allem das Tageslicht. Verschiebt sich der Rhythmus entgegen unserer biologischen Uhr, beispielsweise ausgelöst durch einen modernen Lebensstil, fällt es dem Körper schwer, sich anzupassen. Die innere Uhr kommt aus dem Gleichgewicht, Krankheiten können die Folge sein.

Ausreichend Schlaf spielt eine entscheidende Rolle, wenn es um unsere Gesundheit geht. So lassen sich verschiedene Erkrankungen in Zusammenhang mit Schlaf bringen - beispielsweise Diabetes, Krebs, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vor allem in den letzten Jahren fanden Wissenschaftler immer mehr Beweise, dass sich Schlafmangel auf die Entwicklung von Zivilisationskrankheiten auswirken kann. Auch die Entstehung und der Verlauf von allergischen Erkrankungen und Asthma könnte davon abhängen, ob jemand Frühaufsteher oder Langschläfer ist. Das haben Wissenschaftler nun in einer aktuellen Studie untersucht.

Allergien und Schlaf: Vor allem Kinder und Jugendliche betroffen

Um den Einfluss des Chronotyps auf die Entstehung von Asthma und allergische Erkrankungen zu untersuchen, nutzten die Wissenschaftler Daten von rund 1700 indischen Jugendlichen zwischen 13 und 14 Jahren. Die Teenager beantworteten Fragen zu allergischen Erkrankungen und Beschwerden wie pfeifenden Atmung, Asthma und allergischem Schnupfen. Um den persönlichen Chronotyp zu bestimmen, mussten die Teilnehmer zudem einen Fragebogen zum Schlaf-Wach-Rhythmus ausfüllen. Um den Einfluss anderer Risikofaktoren auszuschließen, wurden die Teilnehmer ebenfalls zu Wohnort, Haustieren und ihren Familien befragt.

Die Ergebnisse zeigen: Teenager, die regelmäßig lange aufbleiben und dafür spät aufstehen, leiden etwa dreimal häufiger unter Asthma und doppelt so häufig an allergischen Beschwerden als Jugendliche, die frühzeitig ins Bett gehen.

Allergien und Schlaf: Schlafhormon Melatonin könnte eine Rolle spielen

Dahinter steckt laut den Autoren vermutlich das Schlafhormon Melatonin. Unser Hormonspiegel verändert sich im Laufe des Tages. Melatonin beeinflusst, wann wir uns fit fühlen und wann wir müde werden. Die Forscher gehen aufgrund der Datenlage davon aus, dass der sich Körper bei Langschläfern oder „Eulen“ nicht synchronisiert und so die allergische Reaktion beeinflusst. „Schlaf und das „Schlafhormon“ Melatonin sind dafür bekannt, dass sie Asthma beeinflussen, deshalb wollten wir herausfinden, ob die Vorliebe der Jugendlichen, lange aufzubleiben oder früh ins Bett zu gehen, mit ihrem Asthmarisiko zusammenhängen könnte“, erklärt Dr. Subhabrata Moitra von der Abteilung für Lungenheilkunde an der University of Alberta in Kanada gegenüber der Europäischen Gesellschaft für Atemwegserkrankungen (European Respiratory Society).

Als weitere mögliche Ursache kommen laut den Forschern Auswirkungen des modernen Lebensstils infrage. Vor allem blaues Licht von Smartphones und anderen elektrischen Geräten könnte die Ausschüttung von Melatonin beeinflussen und so die Entwicklung von Allergien und Asthma begünstigen. Dr. Subhabrata Moitra erklärt: „Wir wissen, dass Kinder und Jugendliche zunehmend dem Licht von Mobiltelefonen, Tablets und anderen Geräten ausgesetzt sind und ebenfalls länger wach bleiben.“

Ob die innere Uhr tatsächlich einen so großen Effekt auf die Entwicklung von Allergien und Asthma hat oder möglicherweise auch noch andere Faktoren eine Rolle spielen, können die Forscher jedoch nicht mit Sicherheit sagen. „Asthma und allergische Erkrankungen sind bei Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt weit verbreitet, und ihre Prävalenz nimmt zu. Wir kennen einige der Gründe für diesen Anstieg, wie die Belastung durch Umweltverschmutzung und Tabakrauch, aber wir müssen noch mehr herausfinden“, so Dr. Subhabrata Moitra.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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