Eine Frau mit Atemnot sitzt auf einem grauen Sofa und greift nach ihrem Asthmaspray (Symbolbild).
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Panikattacken und Asthma-Anfälle sind manchmal schwer voneinander zu unterscheiden (Symbolbild).

Wenn plötzlich die Luft weg bleibt

Asthma-Anfall oder Panikattacke? Wie Angst und Atmung zusammenhängen

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Nicht immer sind Asthma-Anfälle der Auslöser für Atemnot. Manchmal können auch Panikattacken dahinterstecken. Was die Unterschiede sind und warum der Griff zum Asthmaspray bei Angstattacken die Symptome verstärken kann.

Langenhagen Asthma geht oft mit akuter Luftnot und Angst einher, vor allem, wenn ein Asthma-Anfall zum ersten Mal auftritt. Das ist normal. Doch nicht immer löst das Asthma die Atemnot aus, manchmal ist es auch Angst, die Betroffenen die Luft raubt. Dann haben sich neben der Atemwegserkrankung Panikattacken entwickelt. Woran Betroffene den Unterschied erkennen und was im Notfall zu tun ist.

Asthma-Anfall oder Panikattacke: Lunge und Psyche sind eng miteinander verknüpft

Lungenfunktion und Psyche sind eng miteinander verbunden. Um zu verstehen warum, muss man sich das vegetative Nervensystem genauer anschauen. Es ist, anders als das somatische Nervensystem, nicht willkürlich kontrollierbar (weshalb es auch autonomes Nervensystem genannt wird) und besteht aus Sympathikus und Parasympathikus, die funktionelle Gegenspieler sind, sich aber auch ergänzen.

Das vegetative Nervensystem steuert unsere lebenswichtigen Körperfunktionen wie Verdauung, Stoffwechsel und eben auch die Atmung. Diese Organfunktionen sind immer an den jeweiligen Bedarf angepasst, wofür wiederum Sympathikus und Parasympathikus verantwortlich sind. In Entspannungssituationen dominiert der Parasympathikus, die Atmung wird ruhiger. In Stresssituationen, gewinnt der Sympathikus die Oberhand, die Bronchien entspannen sich und die Atemtätigkeit wird erhöht.

Asthma-Anfall oder Panikattacke: Angst kann Asthma auslösen

Anspannung, Angst und Stress können dazu führen, dass die Atmung flacher wird und uns „der Atem stockt“. Nach einem kurzen Schreck atmen wir ohne es zu merken, tief ein und aus. Kaum ein Vorgang in unserem Körper macht das persönliche Befinden also so deutlich wie die Atmung – und das ohne jede Mimik.

Wie eng Psyche und Atmung zusammenhängen, zeigt auch eine Studie der Universität Regensburg, die nachweisen konnte, dass sich ruhiges Atmen positiv auf das Schmerzempfinden auswirkt. Das erklärt auch, warum die „richtige Atmung“ zum Beispiel bei einer Geburt so wichtig ist. Anhaltender (psychosozialer) Stress ist wiederum ein Risikofaktor für die Entstehung von Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale. So kam eine Studie aus Finnland mit 17.000 Probanden zu dem Ergebnis, dass persönliche Konflikte, wie etwa Beziehungsprobleme oder eine Scheidung, Probleme mit dem Vorgesetzten, oder eine ernsthafte Erkrankung eines Familienmitglieds das Asthma-Risiko verdoppeln. Experten sprechen auch vom biopsychosozialen Stressmodell.

Asthma-Anfall oder Panikattacke: Wer keine Luft bekommt, hat Angst

Wer plötzlich durch verengte Atemwege keine Luft mehr bekommt, hat Angst zu ersticken. Das ist völlig normal und nachvollziehbar. Wenn durch einen akuten Asthma-Anfall Panik entsteht, prägt sich das außerdem tief ins Gedächtnis ein. Die Angst durch Atemnot kann dann zur Angst vor Atemnot werden. Nicht selten führt das dazu, dass Asthmatiker bestimmte Auslöse-Situationen meiden, zum Beispiel körperliche Anstrengung. Moderater Ausdauersport ist für eine gesunde Lunge aber durchaus wichtig, erklärt der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten. Außerdem birgt „Belastungsangst“ immer auch das Risiko sozialer Isolation. Atemnot-Ängste können sich deshalb ungünstig auf den Krankheitsverlauf und die Psyche auswirken.

Hilfe bekommen Asthmatiker zum Beispiel bei einem Physiotherapeuten, beim Lungensport oder Psychopneumologen. Dort trainieren sie, die Aufmerksamkeit von der Atemnot auf den Körper und die richtige Atemtechnik zu lenken. Nicht alle Patienten wissen, dass neben Asthma-Medikamenten auch bestimmte Atemtechniken die Symptome bei einem akuten Anfall lindern können. Die eigenen Gefühle wahrzunehmen, zu wissen, wie man ihnen begegnen kann und entsprechend zu handeln, hilft, der Atemnot-Angst-Spirale zu entkommen.

Asthma-Anfall oder Panikattacke: Anzeichen für einen Asthma-Anfall

Manchmal fällt es schwer, zwischen einem Asthma-Anfall und einer Panikattacke zu unterscheiden. So berichtet die Apotheken Umschau von einer jungen Frau, die oft nach Luft ringen musste und dabei meist zu Notfallmedikamenten griff. Wenn sie merkte, dass sie keine Luft bekam, stieg die Angst, sie hyperventilierte und atmete flach, bis ihr schwindelig wurde. Tatsächlich können beide Erkrankungen gemeinsam auftreten und einander verstärken, erklärt der Psychologe Professor Jonathan Feldman gegenüber der Zeitung. Das Problem: Wer bei einer Panikattacke das Asthma-Spray anwendet, sorgt dafür, dass sich sie die Bronchien erweitern und der Herzschlag schneller wird. Das kann auch die Angst verstärken.

Doch wie lassen sich Asthma-Anfall und Panikattacke auseinanderhalten? Meist wird ein Asthma-Anfall durch bestimmte Reize, sogenannte Trigger, ausgelöst. Bei allergisch-bedingtem Asthma sind das beispielsweise Tabakrauch, Infekte, Pollen oder andere Allergene. Aber auch kalte und feuchte Luft, starke Emotionen wie Angst, Freude und Medikamente (z.B. Aspirin) sowie körperliche Anstrengung können Asthma-Anfälle provozieren.

Typische Warnzeichen für einen Asthma-Anfall sind:

  • Kurzatmigkeit oder Atemnot
  • Vor allem das Ausatmen fällt schwer
  • Pfeifende Geräusche bei der Atmung
  • Schnelles und angestrengtes Atmen
  • Sprechen ist kaum möglich
  • Der Puls wird schneller

Was hilft in einer solchen Situation? Tritt ein Asthma-Anfall zum ersten Mal auf, sollte man keine Hemmungen haben, den Notarzt zu rufen. Aufrecht zu sitzen und die Ellbogen auf die Knie aufzustützen, kann die Atmung erleichtern bis medizinische Hilfe eintrifft. Die Deutsche Lungenstiftung empfiehlt außerdem die „Lippenbremse“. Bei dieser Atemtechnik legen Betroffene beim Ausatmen die Lippen locker aufeinander und atmen langsam aus, sodass ein leichter Luftwiderstand entsteht, was auch die Ausatmen-Dauer verlängert. Durch den leichten Gegendruck, der auch in den oberen und unteren Atemwegen wirkt, wird verhindert, dass die kleinen Bronchien kollabieren. Betroffene werden ruhiger und die verkrampfte Atemmuskulatur gelockert. Bei bereits diagnostiziertem Asthma hat der Arzt meist entsprechende Notfall-Medikamente in Form eines Asthma-Sprays verordnet, die die Symptome zusätzlich lindern.

Asthma-Anfall oder Panikattacke: Anzeichen für eine Panikattacke

Panikattacken sind keine Seltenheit. In Deutschland leiden nach Angaben der Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie rund 12 Millionen Menschen an Angststörungen – wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Meist treten Angstattacken zwischen dem Teenager- und dem jungen bis mittleren Erwachsenenalter zum ersten Mal auf.

Typische Symptome einer Panikattacke sind:

  • Gefühl von starker/bedrohlicher Angst und Panik
  • Angst, die Kontrolle zu verlieren, umzukippen, verrückt zu werden oder zu sterben
  • Schwindel, Benommenheit, Übelkeit
  • Beklemmung in der Brust
  • Gesteigerte Herzfrequenz
  • Atemnot; Gefühl, keine Luft zu bekommen
  • Schweißausbrüche, Hitzegefühl/Zittern

Bei anderen Patienten stehen weniger körperliche Symptome als Angstgedanken und Entfremdungsgefühle im Vordergrund. Man spricht auch vom Gefühl der Derealisation. Betroffene haben dann den Eindruck, „nicht richtig hier“ zu sein oder „neben sich zu stehen“, informiert die Unimedizin Mainz. Sie kommen sich selbst unwirklich und verloren vor und nehmen die Umwelt als fremd, künstlich oder unwirklich wahr. Manche haben auch den Eindruck, alles durch einen Schleier zu sehen. Oft gehen diese Gefühle mit der Angst „verrückt zu werden“ einher.

Asthma-Anfall oder Panikattacke: Was hilft bei einer akuten Panikattacke?

Panikattacken kommen scheinbar aus dem Nichts und lösen häufig einen Fluchtreflex aus. Möglichkeiten, der Angst zu entweichen gibt es in diesem Moment aber nicht, denn die Angst flieht mit. Manchmal gipfelt die Angst in dem Gefühl zu sterben. Betroffene müssen sich aber bewusst machen: Das wird nicht passieren.* Wichtig ist auch zu wissen: Eine Panikattacke geht vorbei. Meist wird die Angst in den ersten zehn Minuten stärker, erreicht dann einen Höhepunkt und klingt langsam wieder ab. In den meisten Fällen ist der Spuk nach einer halben Stunde vorbei.

Experten raten bei einer Panikattacke zu folgenden Notfallmaßnahmen:

  • Akzeptanz: Sich klarmachen, dass es eine Panikattacke ist, die wieder vorbei geht. Auch wenn es sich so anfühlt: es besteht keine Lebensgefahr. Angst bringt niemanden um. Nicht gegen die Panik ankämpfen, sich selbst gut zureden.
  • Entspannen: Atmung kontrollieren. Ruhig durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. Den Körper strecken und dehnen. Schnelles und flaches Atmen fördert dagegen die Angst.
  • Angst zulassen: Angst ist selbstlimitierend. Die Angst auszuhalten ist unangenehm, führt aber dazu, dass sie irgendwann nachlässt und auch wieder verschwindet.

Treten Panikattacken immer wieder auf und beeinträchtigen sie das alltägliche Leben, liegt eine Panikstörung vor. Streng genommen sprechen Experten auch dann erst von einer „Erkrankung“. Meist werden Betroffene zwischen den Panikattacken von der Angst getrieben, die Attacken könnten sich wiederholen und meiden deshalb bestimmte Orte oder Situationen, was die Lebensqualität stark einschränkt.

Wann sollte man gegen die Angst aktiv werden? Treten Ängste wiederholt ohne Schutzfunktion und unangemessen stark auf, kann der Gang zum Hausarzt der erste Schritt sein. Liegen keine körperlichen Ursachen vor, ist ein Psychotherapeut der nächste Ansprechpartner. Mit seiner Unterstützung kann die Angststörung zum Beispiel in einer kognitiven Verhaltenstherapie überwunden werden. Neben einer Psychotherapie können Betroffene selbst einiges tun, um die Wahrscheinlichkeit für weitere Panikattacken zu reduzieren. Dazu zählt ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf und gesunder Ernährung und der Verzicht auf Substanzen, die Panik verstärken können, wie Nikotin, Koffein und Alkohol. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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