Die Hand einer Frau - zwischen Zeige- und Mittelfinger klemmt eine abgebrochene Zigarette (Symbolbild).
+
Die Tabakentwöhnung ist ein wichtiger Therapie-Bestandteil bei Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD (Symbolbild).

Es ist nie zu spät

Asthma und COPD: 5 gute Gründe, sofort mit dem Rauchen aufzuhören

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
    schließen

Rauchen kann Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD auslösen und weiter verstärken. Warum sich der Rauchstopp in jedem Stadium der Erkrankungen lohnt.

Langenhagen – Rauchen zählt zu den Hauptursachen für die Entstehung von Atemwegserkrankungen wie chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und Asthma. So steigt das Risiko an COPD zu erkranken, je länger ein Patient raucht und je mehr Zigaretten am Tag geraucht werden. Auch die Wahrscheinlichkeit an Asthma bronchiale zu erkranken ist bei Rauchern mit entsprechender erblicher Veranlagung erhöht. Ähnlich wie andere Luftschadstoffe kann der Rauch einer Zigarette auch unmittelbar zu einem Asthma-Anfall führen. Auch wenn bereits eine Atemwegserkrankung besteht, sollten Betroffene unbedingt mit dem Rauchen aufhören. Denn Tabakkonsum kann die Beschwerden bei Asthma und COPD verschlimmern. Gelingt die Tabakentwöhnung, bessern sich hingegen schon nach kurzer Zeit Lungenfunktion und Lebensqualität spürbar.

Rauchstopp bei Asthma und COPD: Das passiert beim Rauchen in der Lunge

Zigarettenrauch belastet die Atemwege und führt häufig zu Entzündungen, durch die sich die Bronchien verkrampfen und chronisch verengen. Die Folge: Das Ausatmen fällt schwer, Luft bleibt in der Lunge zurück und frischer Sauerstoff kann nicht mehr einströmen - die Lunge überbläht. Schon kleinste Anstrengungen können dann zu Atemnot führen, die Belastbarkeit nimmt immer weiter ab. Bei einer COPD kommt es aber nicht nur Veränderungen der Lunge, auch der Stoffwechsel, die Muskulatur, die Knochen und das Herz-Kreislauf-System sind betroffen, warnt die Atemwegsliga der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. Auch bei Asthma sind die Atemwege dauerhaft entzündet und verengt. Rauchen ist zusätzlicher Stress für die angeschlagene Lunge, wodurch Krankheitserreger und Allergene leichter eindringen können. Das Risiko für Infektionen und Allergien steigt.

1. Rauchstopp bei Asthma und COPD: Rauchen kann die Erkrankungen verschlimmern

Prinzipiell sind Asthma und COPD chronische und behandlungsbedürftige Erkrankungen. Eine erfolgreiche Tabakentwöhnung kann einer Verschlechterung der Krankheiten (Exazerbation) aber entgegenwirken. So zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass sich nach einem Rauchstopp die jährliche Abnahme der Lungenfunktion von Atemwegspatienten auf die von Nichtrauchern reduziert. Nach der Raucherentwöhnung kommt es laut der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) sogar zu einer (Wieder)Zunahme der Lungenfunktion. Auch die Überempfindlichkeit der Bronchien geht zumindest teilweise wieder zurück. (Vorsicht bei Asthma und COPD: Nebel kann Atemwegsbeschwerden verstärken)

2. Rauchstopp bei Asthma und COPD: Rauchen erschwert die Behandlung

Bei einer fortgeschrittenen COPD ist die Sauerstoffkonzentration im Blut meist reduziert. Bei einem starken Sauerstoffmangel kann eine Sauerstofflangzeittherapie nötig sein. Wie die DGP in ihrer Leitlinie zur Tabakentwöhnung bei COPD verweist, kann dies bei gleichzeitigem Rauchen aber aufgrund möglicher schwerer Verbrennungen lebensgefährlich. Da rauchende COPD-Patienten durch die geschädigte Lunge besonders tief einatmen und schneller Rauchen, sind sie zudem meist besonders abhängig. Dadurch wird die Raucherlunge noch verstärkt.

Auch bei Asthma reduziert Rauchen laut den Lungenärzten der Deutschen Lungenstiftung den Behandlungserfolg enorm. So kann Tabakkonsum die Wirkung von Asthma-Medikamenten (inhalative Kortikoide) herabsetzen, wie eine britische Studie belegt. Raucher benötigen deshalb stärkere Medikamente, die wiederum ein höheres Risiko für Nebenwirkungen bergen. Wer hingegen mit dem Rauchen aufhört, reduziert die Gefahr für einen lebensbedrohlichen Asthma-Anfall. (Checkliste bei Asthma bronchiale: 9 Faktoren, die das Asthma-Risiko beeinflussen können)

3. Rauchstopp bei Asthma und COPD: Auch E-Zigaretten schaden der Gesundheit

Auch E-Zigaretten bilden keine sinnvolle Alternative zu klassischen Zigaretten bei Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD. Viele Hersteller von E-Zigaretten werben zwar mit dem Versprechen, dass die elektrischen Glimmstängel weniger gefährlich seien als Tabak-Zigaretten, da bei ihnen kein Verbrennungsprozess stattfindet. Und tatsächlich sind E-Zigaretten „weniger schädlich“ für die Gesundheit, harmlos sind sie deswegen aber nicht, warnt Stiftung Warentest. Denn auch ihr Dampf enthält Substanzen, wie der Krebs erregende Stoff Formaldehyd, die der Gesundheit schaden.

Darüber hinaus hemmt das „Dampfen“ den Selbstreinigungsprozess der Atemwege, wie die Deutsche Lungenstiftung erklärt. Denn nikotinhaltige Liquids entziehen dem Schutzfilm der Atemwege Flüssigkeit und verringern die Schlagfrequenz der Flimmerhärchen, die für den Abstransport von Schadstoffen zuständig sind. Darüber hinaus können in den Liquids enthaltene Aromastoffe die Blutgefäße schädigen und die Neubildung von Gefäßen sowie die Wundheilung beeinträchtigen, wie eine Studie belegt.

4. Rauchstopp bei Asthma und COPD: Achtung, Kinder rauchen mit

Raucher mit Asthma oder COPD sollten aber nicht nur an ihre eigene Gesundheit denken. Auch ihre Mitmenschen, allen voran Kinder, werden durch das Rauchen stark gefährdet. Denn in seiner Zusammensetzung unterscheidet sich der eingeatmete Rauch beim Passivrauchen nicht von dem, der beim aktiven Rauchen eingeatmet wird. Darauf macht das Deutsche Krebsforschungszentrum aufmerksam. Auch er enthält giftige Stoffe, wie zum Beispiel:

  • Ammoniak, Stickstoffoxide und Schwefeloxid (reizen Augen und Atemwege)
  • krebserregende Substanzen wie Benzol und Vinylchlorid
  • anorganischen Verbindungen Arsen, Cadmium, Chrom
  • radioaktives Isotop Polonium-210

Einige dieser gesundheitsgefährdenden Substanzen sind im „Nebenstromrauch“ sogar höher konzentriert als im Hauptstromrauch. Aus diesem Grund kann auch Passivrauchen Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD verstärken und das Krebs-Risiko erhöhen.

Besonders Kinder sind durch Passivrauchen einem großen Risiko ausgesetzt, da ihre Atemfrequenz höher ist als bei Erwachsenen und ihr Körper noch nicht so effizient entgiften kann. Passivrauchen kann bei ihnen Mittelohrentzündungen und Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, Lungenentzündungen und Asthma auslösen. Besteht bereits eine Asthma-Erkrankung kann Passivrauchen diese verschlimmern. Bei Säuglingen kann Passivrauchen im schlimmsten Fall zum plötzlichen Kindstod führen.

5. Rauchstopp bei Asthma und COPD: Gewichtszunahme durch Tabakentwöhnung? Nicht unbedingt

Viele Menschen glauben, dass Rauchen ihr Essverhalten und damit ihr Körpergewicht regulieren könne. Tatsächlich hat Nikotin eine appetitdämpfende Wirkung und sorgt kurzfristig für einen höheren Grundumsatz. Nach dem Rauchstopp muss es deshalb aber nicht zwangsläufig zu einer Gewichtszunahmen kommen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung können körperliche Aktivität, eine ausgewogene und energiereduzierte Mischkost sowie therapeutische Begleitung bei der Tabakentwöhnung das Risiko einer Gewichtszunahme und eines Rückfalls verringern. Auch eine Nikotin-Ersatztherapie kann die Entwöhnung unterstützen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare