Inhalationsgeräte spielen in der Asthma-Therapie eine wichtige Rolle (Symbolbild).
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Die Nationale Versorgungsleitlinie Asthma enthält unter anderem Empfehlungen zur Behandlung eines akuten Asthmaanfalls (Symbolbild).

Was ändert sich in der Asthma-Therapie?

Behandlung von Asthma: Neue Therapie-Empfehlungen bei Atemwegsbeschwerden

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Bei der Asthma-Therapie stehen neben der medikamentösen Behandlung auch komplementäre Maßnahmen sowie die Selbstkontrolle im Vordergrund. Welche Therapieoptionen wann und bei wem infrage kommen, sind in der Nationalen Versorgungsleitlinie für Asthma (NVLA) zusammengefasst. Nun wurden die Empfehlungen überarbeitet – was sich ändert und was Asthma-Patienten wissen sollten.

Berlin – Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, bei der die Bronchien dauerhaft oder anfallsartig verengt sind. Asthma ist nicht heilbar, die Beschwerden können jedoch mit der richtigen Therapie gut kontrolliert werden. Die Behandlung umfasst neben medikamentösen auch zahlreiche alternative sowie präventive Maßnahmen. Welche Therapieoption wann und bei wem infrage kommt, ist in der Nationalen VersorgungsLeitlinie Asthma (NVLA) zusammengefasst. Diese wird von Experten der Bundesärztekammer (BÄK), der Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) herausgegeben.

Nun haben Vertreter aus 25 Fachgesellschaften die bisherigen Empfehlungen für die Diagnostik und Therapie von Asthma bei Kindern und Erwachsenen neu erarbeitet. Obwohl die Grundprinzipien der Asthmatherapie sich nicht verändert haben, konnten die Experten einige Punkte der Leitlinie (PDF) durch neue Empfehlungen ergänzen.

Therapie-Empfehlungen bei Asthma: Was ändert sich?

Die vierte Auflage der Nationalen Versorgungsleitlinien für Asthma (NVLA) enthält einige Änderungen. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

  1. Eine Kombination aus entzündungshemmenden Kortison und einem bronchialerweiternden Wirkstoff wird schon früher empfohlen.
  2. Empfohlene Einnahme von Asthma-Medikamenten auch während der Schwangerschaft.
  3. Die Berufswahl, ein Berufswechsel oder eine mögliche Berufsaufgabe greifen stark in das Leben Betroffener ein und sollten daher schon früh thematisiert werden.
  4. Bevor Ärzte eine intensivere medikamentöse Therapie wählen, sollten Patienten eine stationäre Rehabilitation in Betracht ziehen.
  5. Asthma-Patienten sollten mit Selbsthilfemaßnahmen vertraut sein.
  6. Komplementäre und alternative Therapien werden in der Asthma-Behandlung nicht empfohlen.

1. Asthma-Therapie: Kombination aus entzündungshemmenden Kortison und einem bronchialerweiternden Wirkstoff empfohlen

Die medikamentöse Asthma-Behandlung ist stufenweise aufgebaut. Dabei wählt der Arzt die Maßnahmen aus, welche für eine gute Asthmakontrolle ausreicht. Auch weiterhin verfolgt die Nationale Versorgungsleitlinie den Ansatz, dass Ärzte bei der Auswahl zwischen mehreren Behandlungsmöglichkeiten immer die nebenwirkungsärmere Therapie wählen sollten.

Neu ist die Empfehlung, Patienten ab zwölf Jahren mit mildem Asthma ausschließlich bedarfsorientiert mit einem inhalativen Corticosteroid zu behandeln. Zusätzlich empfehlen die Experten den Wirkstoff Formoterol in der Therapie. Bisher ist die Kombination aus einem entzündungshemmenden Kortison-Präparat zum Inhalieren (Inhalative Corticosteroide, ICS) und dem bronchialerweiternden Wirkstoff Formoterol lediglich zur kontinuierlichen Anwendung bei Asthma-Patienten zugelassen. Die Experten empfehlen nun die Kombination nun vor allem für die Patienten, deren Asthma mit kurzwirksamen Beta-2-Sympathomimetika (SABA), welche die Atemwege erweitern und vor Atemnot schützen, allein nicht ausreichend kontrolliert ist. Antibiotika sollen auch weiterhin bei einem Asthmaanfall vermieden werden, es sei denn, dass es Belege für eine bakterielle Infektion gäbe. (Checkliste bei Asthma bronchiale: 9 Faktoren, die das Asthma-Risiko beeinflussen können)

2. Asthma in der Schwangerschaft: Asthma-Medikamente weiterhin einnehmen

Aus Angst, dem ungeborenen Kind zu schaden, verzichten viele schwangere Frauen auf die Einnahme von Asthma-Medikamenten. Auf diese Sorgen und die Bedeutung der Asthmakontrolle soll in Zukunft besser eingegangen werden. Denn gerade in der Schwangerschaft ist es wichtig, die Asthma-Symptome weiterhin optimal medikamentös zu kontrollieren. Wer während der Schwangerschaft die Asthma-Medikamente eigenständig absetzt, bringt nicht nur sich, sondern auch sein Kind in Gefahr. So ist ein akuter Asthma-Anfall deutlich gefährlicher für das ungeborene Baby als die möglichen Nebenwirkungen der Medikamente. Die Fortführung der Asthmatherapie wird daher auch während der Schwangerschaft empfohlen.

Ein Kaiserschnitt ist auch nach den neuen Leitlinien bei der Diagnose Asthma nicht notwendig. So können Asthma-Patientinnen ihr Kind auf natürlichem Weg zur Welt bringen, sofern keine anderen Gründe dagegen sprechen. (Aspirin und Ibuprofen bei Asthma ungeeignet: Diese Medikamente sollten Asthmatiker auf keinen Fall einnehmen)

3. Asthma und Beruf: Verdacht auf Asthma mit Arbeitsplatzbezug und Berufswahl

Für Asthmatiker ist die Berufswahl eine schwierige Entscheidung: Neben den persönlichen Wünschen und Vorstellungen müssen sie auch ihre Erkrankung berücksichtigen. So sollten Asthma-Patienten Berufe meiden, welche die Atemwege zu sehr beanspruchen. Laut der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (PDF) sind Arbeitsumfelder mit viel Staub, Dämpfen und Lösungsmitteln bei Atemwegsbeschwerden daher meist ungeeignet.

Wer berufsbedingt an Asthma erkrankt, muss im schlimmsten Fall den Beruf wechseln oder seine Tätigkeit aufgeben. Empfehlungen zur Berufsaufgabe greifen laut den Autoren der aktuellen Leitlinie schwer in das Leben betroffener Asthma-Patienten ein - und sollten daher gut überlegt sein. Um Betroffene nicht unnötig unter Druck zu setzen, empfehlen die Experten in Zukunft unbedingt eine ausreichende Sicherung der Diagnose durch einen Spezialisten. Dabei handelt es sich in der Regel um einen Arbeitsmediziner oder Pneumologen. (Vorsicht bei Asthma und COPD: Nebel kann Atemwegsbeschwerden verstärken)

4. Pneumologische Rehabilitation bei Asthma

Auch bei den Empfehlungen zur Rehabilitation bei einer schweren Asthma-Erkrankung hat sich einiges geändert: In Zukunft sollen behandelnde Ärzte ihren Patienten eine stationäre Rehabilitation anbieten, wenn trotz ärztlicher Behandlung körperliche, soziale oder psychische Krankheitsfolgen bestehen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Beschwerden die normalen Aktivitäten des beruflichen und privaten Lebens einschränken.

5. Selbsthilfemaßnahmen bei Asthma

Je besser Asthma-Patienten sich mit ihrer Erkrankung auskennen und wissen, was sie in welcher Situation tun müssen, umso einfacher lassen sich die Beschwerden im Alltag kontrollieren. Ein gutes Selbstmanagement ist jedoch nicht nur wichtig, um eine weitere Verschlechterung der asthmatischen Symptome vorzubeugen, sondern auch um akute Asthmaanfälle zu verhindern. Selbsthilfemaßnahmen sind zudem unerlässlich, da sie die Angst bei einem Asthmaanfall verringern können.

Laut den neuen Empfehlungen raten die Experten, im Akutfall Selbsthilfetechniken anzuwenden. Dazu zählen beispielsweise eine atmungserleichternde Körperhaltung oder die dosierte Lippenbremse, aber auch das Wissen darüber, die Bedarfstherapie richtig einzusetzen. Gezielte Schulungen zum Umgang mit akuten Asthma-Anfällen unterstützen das Selbstmanagement und helfen mit der Diagnose Asthma umzugehen. (Asthma und COPD: 5 gute Gründe, sofort mit dem Rauchen aufzuhören)

6. Komplementäre und alternative Therapien in der Asthma-Behandlung

Viele Patienten wenden alternative und komplementäre Behandlungsmethoden in der Asthmatherapie an. Dazu zählen neben homöopathischen Mitteln auch pflanzliche Arzneien, Akupunktur oder hypnotherapeutische Verfahren. Belege für den Nutzen dieser Behandlungsoptionen fehlen jedoch, wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mitteilt. Auch weiterhin raten die Experten der führenden Fachgesellschaften bei der Asthma-Behandlung daher von alternativen Therapien wie Akupunktur, Homöopathie und Hypnose ab.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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