Ein Mädchen putzt eine Fensterscheibe mit einem Wischtusch (Symbolfoto).
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Häufiges Putzen mit Reinigungsmitteln im häuslichen Umfeld erhöht das Asthma-Risiko bei Kindern (Symbolbild).

Chemikalien reizen Atemwege

Asthma durch zu viel Putzen: So gefährlich sind Reinigungsmittel für Kinder

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Chemikalien in Putzmitteln können die Atemwege reizen. Welchen Einfluss das auf die Gesundheit von Kleinkindern hat, haben Wissenschaftler aus Kanada in einer Studie untersucht.

  • Asthma bronchiale zählt mittlerweile zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter
  • Die ersten Lebensmonate sind für die Entwicklung des Atem- und Immunsystems besonders entscheidend
  • Deshalb ist der Kontakt mit Chemikalien in Reinigungsmitteln in dieser Zeit besonders gefährlich

Vancouver  – Asthma bronchiale zählt im Kindesalter mit Neurodermitis und Heuschnupfen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Die genauen Entstehungsmechanismen sind wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Es gibt nach derzeitigem Kenntnisstand aber bestimmte Faktoren, die die Entstehung der Krankheit begünstigen. Kanadische Forscher haben deshalb kürzlich anhand von Daten einer Längsschnittstudie untersucht, welchen Einfluss die Verwendung von Haushaltsreinigungsprodukten auf die Entwicklung von Asthma und Allergien bei Kleinkindern hat.

Asthma durch Reinigungsmittel: Was passiert in der Lunge?

Bei Asthma bronchiale sind Atemwege des Kindes übermäßig empfindlich gegenüber Umweltreizen und dauerhaft in Entzündungsbereitschaft. Diese sogenannte bronchiale Hyperreagibilität und die chronischen Entzündungen führen unter anderem zu verengten Atemwegen (Atemwegsobstruktion), die die typischen Asthma-Symptome hervorrufen. Kennzeichnend bei einem Asthma-Anfall sind pfeifende Atmung (Giemen), Luftnot, Enge-Gefühl in der Brust und Husten.

Asthma durch Reinigungsmittel: So sind die Forscher vorgegangen

Jaclyn Parks von der Simon Fraser Universität im kanadischen Vancouver und sein Team haben den Zusammenhang zwischen der Verwendung von Reinigungsmitteln im frühen Säuglingsalter (3–4 Monate) und Asthma im Kindesalter anhand von Daten aus der kanadischen Kohortenstudie für gesunde Säuglingslängsentwicklung (CHILD) untersucht.

Dazu befragten die Wissenschaftler Eltern von 2022 Kleinkindern, wie häufig Reinigungsmittel verwendet wurden. Den Einsatz der Putzmittel teilten die Forscher mithilfe eines Punktesystems (Frequency of Use Score, FUS) in drei Gruppen ein. Zudem erhoben die Wissenschaftler Daten zu Umwelteinflüssen und Ernährungsgewohnheiten, nahmen Urinproben der Kinder und führten Allergie-Tests sowie körperliche Untersuchungen durch.

Asthma durch Reinigungsmittel: Das ist bei der Studie herausgekommen

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Der häufige Einsatz von Putzmitteln im häuslichen Umfeld im frühen Lebensalter ist mit einem erhöhten Risiko für Asthma bei Kindern verbunden. Das gilt vor allem für Reinigungsmittel mit Duftstoffen. Je häufiger die Kleinkinder Reinigungsmitteln ausgesetzt waren, desto häufiger entwickelten sie Atembeschwerden und Asthma. So hatten insgesamt 6,4 Prozent der Kinder eine asthmatische Erkrankung entwickelt, 9 Prozent litten unter wiederkehrenden Atembeschwerden. Ausgehend von der ersten Gruppe mit dem dem geringsten Putzmittel-Einsatz stieg die Wahrscheinlichkeit für wiederkehrende Atemprobleme in der zweiten Gruppe um 49 Prozent und für die Entwicklung von Asthma bronchiale um 37 Prozent. Auch in der dritten Gruppe war ein Anstieg gegenüber Gruppe 2 zu erkennen.

Die häufigsten Reinigungsmittel waren:

  • Handgeschirrspülmittel
  • Spülmaschinenmittel
  • Parfümierte Waschmittel
  • Tiolettenreiniger

Asthma durch Reinigungsmittel: Was bedeutet das für die Asthma-Forschung?

Die Ergebnisse tragen zum Verständnis bei, wie frühzeitige Umgebungseinflüsse (Exposition) mit der Entwicklung allergischer Atemwegserkrankungen zusammenhängen. Die Prävalenz von Asthma bronchiale hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen und ist eine der häufigsten Gründe für Krankenhauseinweisungen in Industrieländern. Das rückt die Erkrankung in den Fokus von Forschern, Medizinern und der Öffentlichkeit.

Die ersten Lebensmonate sind für die Entwicklung des Atmungs- und Immunsystems besonders entscheidend. Da Säuglinge und Kleinkinder aufgrund ihrer hohen Atemfrequenz und Bodennähe Reizstoffen besonders ausgesetzt sind, sind sie besonders gefährdet. Durch die Identifizierung von Risikofaktoren im Säuglingsalter könnten künftig vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, um das Asthma- und Allergierisiko bei Kindern zu senken.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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