Dunkle Gewitterwolken ziehen über ein Feld.
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Nach einem heftigen Gewitter steigt die Pollenkonzentration in der Luft meist schlagartig an (Symbolbild).

Pollen-Allergiker aufgepasst!

Gewitter-Asthma: So gefährlich sind extreme Wetterwechsel

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Ein Gewitter im Sommer kann für Menschen mit Asthma zur Belastung werden. Aber auch Allergiker können nach einem starken Regen unter den Folgen eines sogenannten Gewitter-Asthmas leiden.

  • Ein Regenschauer reinigt die Luft von Pollen und anderen Allergenen – das stimmt jedoch nicht immer.
  • Viele Allergiker und Asthmatiker bekommen bei Gewitter allergische Beschwerden, Atemprobleme bis hin zu akuter Atemnot.
  • Mehrere Faktoren lösen die Symptome aus.

München - Für Menschen, die unter einer Pollenallergie leiden, gilt ein warmer Sommerregen eigentlich als Wohltat. Denn der Niederschlag reinigt die Luft von den nervigen Pollen. Kommt es jedoch zu einem Gewitter, kann der starke Regen gefährlich werden. Vor allem im Frühling und Sommer können heftige Gewitterschauer bei Allergikern und Asthmatikern von akuten allergischen Beschwerden bis hin zu Atemnot führen. In diesem Fall sprechen Experten von einem sogenannten „Gewitter-Asthma“.

Wenigen Allergikern ist bekannt, dass sich bei einem Gewitter die allergischen Symptome vor allem in den ersten 20 bis 30 Minuten enorm verstärken können. Laut dem Allergieinformationsdienst des Helmholtz-Zentrum München, das 1960 unter der Leitung von Otto Hug (65, †1978) gegründet wurde, löst ein plötzlicher Anstieg der Pollenkonzentration in der Luft bei Allergikern und Asthmatikern die allergischen Beschwerden aus. Ungünstige Umweltbedingungen sorgen dafür, dass die Blütenpollen vermehrt und vor allem tiefer in die Lunge gelangen. Was Asthma-Patienten und Allergiker über Gewitter wissen sollten – und wie Sie sich schützen können.

Gewitter-Asthma: Was steckt dahinter?

Bei einer Pollenallergie stuft das Immunsystem eigentlich harmlosen Blütenstaub als gefährlich ein. Gelangen die Pollen an die Schleimhäute von Allergikern, führt das bei empfindlichen Menschen zu einer Abwehrreaktion des Körpers. Das Immunsystem löst eine Entzündungsreaktion aus. Gereizte Augen, Fließschnupfen und Niesreiz sind die Folge.

Vor allem im Frühling und Sommer befinden sich, bedingt durch die Blütezeit vieler Pflanzen, besonders viele Pollen in der Luft. Pollen sind kleine Partikel mithilfe derer sich Bäume und Gräser fortpflanzen. Über den Wind verteilen sie die Partikel, wodurch die Pollenkörner einige hunderte Kilometer weit fliegen können. Das führt schon unter normalen Umständen dazu, dass Heuschnupfen-Symptome Allergikern zu schaffen machen.

Gewitter-Asthma: Warum ist Heuschnupfen bei Regen schlimmer?

Im Sommer sorgen hohe Lufttemperaturen und starke Trockenheit dafür, dass Pollen und andere Allergene mit der warmen Luft aufsteigen und nach oben transportiert werden. Durch eine hohe Luftfeuchtigkeit und Regenfälle werden die Pollen nass und saugen sich mit Wasser voll – es kommt zu einem sogenannten osmotischen Schock. Dabei zerplatzen die Pollenkörner in winzig kleine Teilchen. Doch starke Winde und aufkommender Regen drücken den Pollenstaub aus den oberen Luftschichten innerhalb kürzester Zeit auf den Boden. Das hat zur Folge, dass die Pollenkonzentration in Bodennähe schlagartig ansteigt. Dort werden die Partikel von Menschen, die sich im Freien befinden, eingeatmet.

Gewitter-Asthma: Risiko steigt auch bei Allergikern

Die Allergenpartikel sind enorm klein – meist sind sie nicht größer als fünf Nanometer. Zum Vergleich: Gräserpollen sind etwa 14 bis 20 Mikrometer groß. Normalerweise können die Partikel problemlos gefiltert werden. Die freien Allergene aus den aufgeplatzten Pollen sind jedoch so winzig, dass sie tief in die Atemwege eindringen. Gelangen sie in die Bronchien, wirken sie dort besonders aggressiv auf den Körper. Schwere Asthmaanfälle, auch als „Gewitter-Asthma“ bekannt, sind die Folge. Typische Krankheitssymptome sind trockener Husten, Brustenge und Atemnot. Doch nicht nur Asthmatiker sind von den Folgen eines Gewitters betroffen. Auch bei Menschen, die bisher nur unter leichtem Asthma oder Heuschnupfen litten, kann es zu heftigen allergischen Attacken und Atembeschwerden kommen.

Eine weitere mögliche Erklärung, warum es nach einer Hitzewelle und einem Gewitter zu einem Anstieg der Asthma-Attacken kommt, sehen Umweltmediziner darin, dass auch die Konzentration der Ozonwerte und Luftschadstoffe ansteigt. Die Lungen von Asthma-Patienten sind ohnehin schon vorgeschädigt. Das giftige Ozon reizt die Atemwege zusätzlich und befördert dadurch eine Entzündung. Zudem kommen die gefährlichen Partikel nicht nur nach einem Gewitter in der Luft vor, sondern auch bei höherer Luftfeuchte. Bei einem Gewitter vermischen sich andere Allergene und Stoffe, wie Feinstaub, Bakterien und Schimmelsporen, mit den Pollen.

Gewitter-Asthma: Hitze und Gewitter lösen allergische Beschwerden aus

Obwohl das Phänomen bereits seit 30 Jahren bekannt ist, ist es in der Wissenschaft nur wenig erforscht. So haben weltweit nur vereinzelte Studien die Folgen des „Gewitter-Asthmas“ oder „Thunderstorm-Asthmas“ genauer untersucht. Vor allem in den letzten Jahren scheinen jedoch immer mehr Asthma-Anfälle durch Wetterextreme ausgelöst zu werden. Dass eine große Zahl Patienten zeitgleich betroffen sein können, zeigen Vorfälle in Australien, Großbritannien und den USA. Vor einigen Jahren sorgte ein besonders heftiges Ereignis aus der australischen Stadt Melbourne für Schlagzeilen. Im November 2016 zog ein schwerer Gewittersturm über die Metropole. Kurz darauf suchten mehrere Tausend Menschen die städtischen Notaufnahmen auf. Grund dafür waren starke asthmatische und allergische Beschwerden – mindestens acht Menschen starben. Etwa 40 Prozent der Patienten litten nach eigenen Angaben zuvor noch nie an einem Asthmaanfall.

Zu den am häufigsten Betroffenen zählten vor allem junge Patienten. Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren klagten öfter unter schweren Atemproblemen als erwachsene Betroffene. Wissenschaftler, die den Vorfall untersuchten, fanden heraus, dass der Anteil der schweren Asthmaattacken, die ärztlich behandelt werden mussten, um 23 Prozent anstieg. Als mitverantwortlich sahen die Experten die hohen Temperaturen vor dem Gewitter, die zu einer zusätzlichen Pollenbelastung führten.

Gewitter-Asthma: Auch in Deutschland möglich

Meist handelt es sich bei diesen Vorfällen um vereinzelte und besonders heftige Beispiele des Gewitter-Asthmas, bei denen eine große Zahl Patienten, die innerhalb kürzester Zeit während oder nach einem Gewitter aufgrund von akutem Asthma in der Notaufnahme behandelt werden müssen. Laut dem Allergieinformationsdienst schätzen Wissenschaftler, dass an einem Ort durchschnittlich etwa zwei solcher Ereignisse in drei Jahren auftreten. Vorfälle wie in Melbourne sind jedoch höchstens etwa alle fünf Jahre zu erwarten.

Obwohl in Deutschland bisher keine offiziellen Daten zur Verbreitung und Anzahl der Betroffenen bekannt sind, gehen Experten davon aus, dass ähnliche Ereignisse auch hierzulande möglich sind. So wurden in München bereits nach einem Gewitter zerplatzte Pollen nachgewiesen. Doch welchen Einfluss diese auf die Gesundheit der Anwohner hatten, blieb unklar.

Gewitter-Asthma: Extreme Wetterereignisse in Zukunft häufiger?

Forscher erwarten, dass durch steigende Temperaturen infolge des Klimawandels extreme Wetterereignisse, wie Gewitter und Starkregen, in Zukunft – weltweit – nicht nur häufen, sondern auch länger andauern und intensiver werden. Daher raten Ärzte vielen Risikopatienten, auch hierzulande, sich mit dem Thema auseinandersetzen. Nur eine geeignete Notfallbehandlung mit bronchienerweiternden Medikamenten kann im Fall eines Gewitter-Asthmas Betroffenen helfen. Auch bei Pollenallergikern, die bisher nur unter Heuschnupfen, aber noch nicht an Asthma leiden, können große Allergenkonzentrationen die Symptome verschlimmern und unter Umständen Atemnot und Asthmaanfälle auslösen. Besonders betroffen sind Menschen, deren medikamentöse Behandlung nicht optimal eingestellt ist. Gefährdeten Asthma-Patienten empfehlen Ärzte, entsprechend der medizinischen Leitlinienempfehlung, vor einem Gewitter vorbeugend inhalative Kortikosteroide (Cortison-Spray) einzunehmen.

Gewitter-Asthma: Bei Gewitter besser drinnen bleiben

Asthmatische Anfälle ausgelöst durch ein Gewitter treten vor allem im Frühling und Sommer auf, wenn die Pollenbelastung besonders hoch ist. Auch die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) und die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) empfehlen Pollenallergikern, sich nicht unmittelbar nach einem Gewitter im Freien aufzuhalten, sondern etwas zu warten. In dieser Zeit sinken die frisch freigesetzten Pollen zu Boden und die Belastung der Luft mit Allergenen wird deutlich geringer.

Für gewöhnlich bringt ein Regenschauer Allergikern kurzzeitig Zeit zum Durchatmen. Daher bietet ein länger anhaltender Regen für Pollenallergiker die geeignete Zeit für einen Spaziergang an der frischen Luft. Bei einem Gewitter steigt die Pollenkonzentration jedoch vor allem in den ersten 20 bis 30 Minuten stark an. In dieser Zeit sollten Asthma- und Allergie-Patienten drinnen bleiben. Halten Sie Fenster, auch am nächsten Tag noch, geschlossen. Wer es im Ernstfall nicht rechtzeitig nach Innen schafft, dem empfiehlt der deutsche Lungeninformationsdienst, mithilfe eines Tuches die Atemwege zu schützen. Zusätzlich können Allergiker versuchen über die Nase einzuatmen und über den Mund auszuatmen. 

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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