Eine in weiß gekleidete Frau sitzt im Schneidersitz vor einer Klangschale (Symbolbild).
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Entspannungstechniken wie Yoga können die nichtmedikamentöse Asthma-Therapie unterstützen (Symbolbild).

Asthma behandeln

Nichtmedikamentöse Asthma-Therapie: Diese Maßnahmen helfen

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Maßnahmen wie Entspannungstechniken, Atemübungen und eine gesunde Lebensweise können die medikamentöse Asthma-Behandlung unterstützen und die Lebensqualität von Asthmatikern verbessern. Lesen Sie alles zu alternativen Therapien bei Asthma.

  • Diese Maßnahmen können die Asthma-Therapie unterstützen und einem Anfall vorbeugen
  • Welche Atemübungen bei akuter Atemnot helfen
  • Risikofaktoren kennen und meiden

Langenhagen Asthma bronchiale ist eine chronisch entzündliche Atemwegserkrankung, bei der die Atemwege anfallsartig oder dauerhaft verengt sind. Asthma kann das Leben stark einschränken. Durch die richtige Behandlung kann die Krankheit aber kontrolliert werden und Betroffene ein nahezu beschwerdefreies Leben führen. Neben der medikamentösen Asthma-Behandlung können alternative sowie präventive Maßnahmen die Therapie unterstützen. Diese sind im gemeinsamen Maßnahmenkatalog der Nationalen VersorgungsLeitlinie Asthma von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften aufgeführt. 

Nichtmedikamentöse Asthma-Therapie: Atemerleichternde Körperhaltungen helfen bei akuter Atemnot

Atemübungen wie die Lippenbremse und atemerleichternde Körperhaltungen wie der Kutschersitz, die Torwartstellung und der Paschasitz sind wichtiger Bestandteil der Asthma-Behandlung und können bei akuter Atemnot verengten Atemwegen entgegenwirken. Das Ziel: Durch richtiges, bewusstes und kontrolliertes Atmen wird der Körper mit Sauerstoff versorgt und entspannt sich. Während eines akuten Asthmaanfalls ist Entspannung besonders wichtig, da Luftnot Panik hervorruft, was die Atmung schneller und flacher werden lässt (Hyperventilation). Zudem erhöht sich der Herzschlag, was den Sauerstoffmangel zusätzlich fördert. Für die richtige Anwendung bei einem Asthmaanfall sollten die atemerleichternde Körperhaltungen regelmäßig geübt und verinnerlicht werden.

Nichtmedikamentöse Asthma-Therapie: Die Lippenbremse gegen aktute Atemnot

Die Lippenbremse hilft Asthmatikern bei akuter Atemnot und ist zugleich die Grundlage für alle Atemübungen in der nichtmedikamentösen Asthma-Therapie. Bei der Lippenbremse wird die Luft tief durch die Nase ein- und durch den leicht geöffneten, gespitzten Mund wieder ausgeatmet. Die Lippen sollten dabei leicht aufeinander liegen und die Wangen sind leicht aufbläht. So kann die Luft so lange wie möglich durch die geöffneten Lippen ausgeatmet werden und langsam und gleichmäßig entweichen. Diese Technik hilft, den Atemstrom abzubremsen und einen leichten Widerstand zu erzeugen, der die Atemwege weitet. Das Ausatmen sollte bei richtiger Anwendung der Übung länger dauern als das Einatmen. 

Nichtmedikamentöse Asthma-Therapie: Der Kutschersitz

Der Name dieser Übung leitet sich von der Haltung der Droschkenkutscher ab, die früher nach getaner Arbeit auf ihren Kutschen zusammensackten und auf dem Heimweg entspannten. Die Position ist Teil der nichtmedikamentösen Asthma-Therapie und soll den Brustkorb entlasten und damit das Atmen bei asthmatischen Beschwerden erleichtern. Für den Kutschersitz ist es hilfreich, mit leicht geöffneten Beinen auf der vorderen Hälfte eines Stuhls zu sitzen und die Ellbogen auf den Oberschenkeln oder einem Tisch abzustützen. Die Füße stehen voll auf dem Boden. Der Kopf wird leicht nach vorne gebeugt und möglichst bequem gehalten, der Rücken wie bei einem Katzenbuckel rund gemacht und dabei entspannt. Durch das Aufstützen der Arme wird das Gewicht auf die Schultern verlagert und der Brustkorb entlastet. Durch eine ruhige und gleichmäßige Atmung kann sich die verkrampfte Muskulatur der Bronchien entspannen.

Nichtmedikamentöse Asthma-Therapie: Die Torwartstellung

Sollte bei akuter Luftnot kein Stuhl vorhanden sein, kann die Torwartstellung beim Auftreten von Asthma-Symptomen Abhilfe schaffen. Für diese Position stellt sich der Patienten aufrecht hin, wobei die Knie leicht gebeugt bleiben. Die Hände werden auf den Oberschenkeln aufgestützt und eine nach vorne geneigte Haltung eingenommen. Nun kann mit Hilfe der Lippenbremse ruhig ein- und ausgeatmet werden. 

Nichtmedikamentöse Asthma-Behandlung: Der Paschasitz

Auch der Paschasitz kann die Atmung bei Asthma erleichtern: Dazu setzt sich der Patient aufrecht auf einen Stuhl und die Beine werden schulterbreit aufgestellt. Anschließend wird der Körper an den Stuhl gelehnt und die Arme auf den Stuhllehnen abgelegt. Nun wird durch die Nase ein- und mit der Lippenbremse wieder ausgeatmet.

Atemübungen können im Rahmen einer Atemschulung oder Atemtherapie mit Unterstützung eines Physiotherapeuten erlernt werden.

Nichtmedikamentöse Asthma-Behandlung: Raucherentwöhnung  

Patienten, die von Asthma betroffen sind, sollten unbedingt mit dem Rauchen aufhören. Rauchstopp ist ein wichtiger Baustein der nichtmedikamentösen Asthma-Therapie. Denn: Der physiologische Alterungsprozess der Lungenfunktion verläuft bei Rauchern doppelt so schnell wie bei Nichtrauchern. Darüber hinaus reizt Zigarettenrauch die Lunge zusätzlich, was Entzündungen in den Bronchien verstärken kann. Fakten zu Tabakkonsum bei Asthma:

  • Rauchen kann bei Asthmatikern einen gefährlichen Asthmaanfall auslösen
  • Jede nicht gerauchte Zigarette beugt Asthmaanfällen in der Zukunft vor, selbst bei langjährigen Rauchern. Schon nach wenigen Wochen bessert sich die Lungenfunktion deutlich
  • Giftstoffe im Tabakrauch, wie Schwermetalle und Pestizide, greifen das Lungengewebe an und schädigen es nachhaltig. Rauchen ist zusätzlicher Stress für die angeschlagene Lunge und fördert die Entzündungsbereitschaft der Bronchien
  • Rauchen schwächt die körpereigenen Abwehrkräfte und fördert Atemwegsinfekte, die Asthma-Symptome verschlimmern können (Exazerbation)
  • Auch Passivrauchen kann sich auf den Schweregrad einer Asthma-Erkrankung auswirken
  • Eine Zigarette verursacht etwa zwei Liter Rauch, den auch Mitmenschen einatmen. Kindern, die Tabakrauch ausgesetzt sind, haben ein hohes Risiko im Laufe ihres Lebens an Asthma zu erkranken
  • Wer raucht, braucht meist mehr und schwerere Medikamente, um die Asthma-Beschwerden in den Griff zu bekommen. Damit steigt auch das Risiko für Nebenwirkungen

Nichtmedikamentöse Therapie des Allergischen Asthmas: Vermeidung von Allergenen  

Wer an allergischem Asthma leidet, kann Beschwerden verbeugen, indem er Allergene im Alltag meidet. Die Allergenkarenz oder zumindest ein reduzierter Allergenkontakt ist die Basis für eine erfolgreiche Asthma-Therapie. Es gibt viele Auslöser für allergisches Asthma und bei jedem Asthmatiker sind die Auslöser verschieden. In einem Asthma-Tagebuch können Patienten notieren, welche Allergene Asthma-Symptome hervorrufen und diese anschließend mit einem Arzt besprechen. Dieser wird nach der Anamnese einen Allergietest zur Identifizierung der auslösenden Allergene durchführen.

Viele Asthmatiker reagieren sowohl auf allergene als auch auf nicht-allergene Auslöser („Trigger“). Allergene Trigger können sein:

  • Pollen (saisonales Asthma): ein Pollenflugkalender kann Aufschluss darüber geben, wann die Pollenbelastung am stärksten ist
  • Tierhaare: können allergisches Asthma hervorrufen. Bei Kindern kann das Asthma sogar verschwinden, wenn die Tiere nicht mehr in der Wohnung sind
  • Bestimmte Medikamente
  • Duftstoffe (etwa in Kosmetika, Reinigungs- und Waschmitteln) können zu Kontaktallergien führen und müssen deshalb vollständig deklariert werden
  • Hausstaubmilben: leben in Matratzen, Teppichen und Polstermöbeln. Allergiker reagieren auf die Ausscheidungen der winzigen Tierchen. Überzüge (vor allem im Bett), gute Luftzirkulation, Verzicht auf Staubfänger und regelmäßiges heißes Waschen können helfen
  • Schimmelpilze: Allergiker reagieren auf die Sporen
  • Nahrungsmittel: Atembeschwerden können z.B. Lebensmittelfarbstoffe (Tartrazin), Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker (Glutamat) und Sulfite ausgelöst werden

Nicht-allergene Trigger, die auch bei anderen Asthmaformen einen Asthmaanfall oder eine Symptomverschlimmerung hervorrufen können, sind: kalte und feuchtkalte Luft (Nebel) oder sehr trockene Luft (Heizungsluft), körperliche und seelische Belastung, Infekte und Zigarettenrauch

Nichtmedikamentöse Asthma-Therapie: Seelische Entspannung  

Studien belegen, dass Stress die Asthma-Symptome verstärken kann. Methoden, die dem seelischen Wohlbefinden und der Entspannung dienen, können die Asthma-Therapie entsprechend unterstützen. Sie lassen sich in körperliche und mentale Techniken unterteilen.

Körperliche Techniken können neben erlernten Atemtechniken auch Alltagsaktivitäten wie Spaziergänge, wohltuender Sport (z.B. Rad fahren, Joggen, Saunagänge) oder eine Runde Entspannung auf der Couch sein. Weitere körperliche Entspannungstechniken sind Yoga, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen (Muskelrelaxation), Tai Chi oder Qi Gong. Zu den mentalen Entspannungstechniken zählen Autogenes Training, Meditation, Übungen zur Körperwahrnehmung, Mentales Training und Achtsamkeitsübungen.

Nichtmedikamentöse Asthma-Therapie: Kontrolle des Körpergewichts bei Übergewicht

Auch das Körpergewicht spielt bei der nichtmedikamentösen Asthma-Therapie eine Rolle. So verweist die Deutsche Lungenstiftung in Langenhagen darauf, dass sich bei adipösen Patienten das Fett nicht nur im Bauchraum, sondern auch in den Wänden der Bronchien anlagert. Das verengt die Atemwege, behindert die Atmung und steigert das Entzündungsrisiko in der Lunge. Übergewichtige Menschen erkranken deshalb häufiger an Asthma und zeigen auch stärkere Asthma-Symptome. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie ausreichend Bewegung sollte deshalb immer Bestandteil der Asthma-Therapie sein.

Nichtmedikamentöse Asthma-Therapie: Komplementärmedizinische Behandlungsansätze

Experten der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP ) unter der Leitung von Prof. Dr. med. Michael Pfeifer, und der Deutschen Atemwegsliga verweisen außerdem auf alternative Therapieansätze bei der Behandlung von Asthma, zu denen es jedoch wenige aussagekräftige Effektivitätsstudien gibt. Die Wirksamkeit solcher Methoden und die Frage nach möglichen Nebenwirkungen ist nicht abschließend geklärt.

Die meisten Studien zu alternativen Therapieansätzen untersuchen die Wirkung von Akkupunktur, wobei Metaanlaysen methodische Probleme aufzeigen. Deshalb wird Akkupunktur als Therapiemethode in den Richtlinien nicht empfohlen. Ähnlich verhält es sich mit der Datenlage zur Behandlung durch Homöopathie. Studienergebnisse zur Wirksamkeit Traditioneller Chinesischer Medizin (Kräutertherapie) gehen hingegen sehr auseinander. Einige Studien zeigen positive Einflüsse auf Asthma, eine generelle Empfehlung dieser Therapieansätze wird jedoch nicht gegeben.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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