Ein Kleinkind schaut auf ein Tablet und atmet durch einen Inhalator (Symbolbild).
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Der Kontakt mit Chemikalien kann die Atemwege von Kleinkindern reizen und Asthma auslösen (Symbolbild).

Atemnot beim Kind

Asthma beim Kind: Symptome, Auslöser, Behandlung - was Eltern wissen müssen

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Asthma ist die dritthäufigste chronische Erkrankung bei Kindern. Eltern sollten die Symptome frühzeitig erkennen und wissen, wie sie sich im Notfall zu verhalten haben. Lesen Sie hier alles zu Symptomen, Auslösern und Behandlungsmöglichkeiten.

  • Asthma bei Kindern: Je nach Art des Asthmas kommen verschiedene Auslöser in Frage
  • Für Kinder mit einer Asthma-Erkrankung gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten
  • Verhaltenstipps bei einem Asthmaanfall: Was Eltern für den Notfall wissen müssen

Berlin Asthma bronchiale ist bei Kindern nach Neurodermitis und Heuschnupfen die dritthäufigste chronische Erkrankung. Die „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland etwa vier Prozent der Kinder betroffen sind, wobei Jungen häufiger an Asthma leiden als Mädchen. Andere Studien kommen zu einem Ergebnis von zehn Prozent. Für Eltern ist die Nachricht, dass das eigene Kind an Asthma erkrankt ist, zunächst oft ein Schock. Durch eine frühe Diagnose, eine konsequente Therapie und eine engmaschige Betreuung durch einen Arzt, lässt sich die Krankheit aber gut behandeln.

Asthma beim Kind – was bedeutet das?  

Grundsätzlich kann Asthma bei Kindern als eine Überempfindlichkeit der Atemwege (Bronchialsystem) beschrieben werden. Bei Asthma bronchiale zeigen die Bronchien des Kindes eine dauerhaft Entzündungsbereitschaft, was zu einer Überempfindlichkeit gegenüber äußeren eigentlich harmlosen Reizen führt. Kommt es zum Kontakt mit eine Auslöser, reagiert der Körper mit einer heftigen Abwehrreaktion in Form einer Entzündung. Durch die Entzündung schwillt die Schleimhaut der Bronchien an und produziert übermäßig viel zähen Schleim, der sich nur schwer abhusten lässt. Dadurch verengen sich die Atemwege und das Ausatmen fällt schwer. Bei einem Asthmaanfall verkrampft sich zusätzlich die Muskulatur der Bronchien, was Kurzatmigkeit und Atemnot verursacht. Da Atemnot die natürliche Angst zu ersticken auslöst, wird die Atmung schneller und flacher, was die Symptome meist noch verstärkt.

Asthma beim Kind: Das sind die Symptome und so erfolgt die Diagnose

Bei Kindern mit Asthma treten Beschwerden meist phasenweise auf. Je öfter Symptome der Krankheit oder Asthmaanfälle auftreten, desto höher ist der Schweregrad der Erkrankung. Symptome, die auf Asthma hindeuten können, sind:

  • Erschwertes Atmen und Atemnot, oft begleitet von einem hörbaren Pfeifen (Giemen)
  • Engegefühl in der Brust
  • Durch die Atemnot ausgelöste Unruhe, Panik und Angst
  • Trockener Reizhusten: Da die Lunge zwischen den Anfällen gereizt ist, kann dieser auch nachts auftreten
  • Durch Sauerstoffmangel ausgelöste Blaufärbung der Lippen

Die Symptome treten bei Kinder mit Asthma häufig bei körperlicher Belastung wie Spielen, Toben oder Lachen auf. Kleinkinder leiden oft an einer durch Viren ausgelösten Erkältung oder einer Entzündung der Atemwege (Bronchitis), die ähnliche Symptome hervorrufen kann und damit nur schwer von einer beginnenden Asthma-Erkrankung zu unterscheiden ist. Ein ausführliches Arztgespräch (Anamnese), ein Lungenfunktionstest und ein Allergietest bringen Klarheit. 

Asthma bei Babys und Kleinkindern: Das sind die Symptome

Da Babys und Kleinkinder mit Asthma im Gegensatz zu älteren Kindern ihre Beschwerden nicht äußern können, sind Ärzte bei der Asthma-Diagnose auf die Beobachtungen (z.B. mit Hilfe eines Symptomtagebuchs) der Eltern angewiesen. Zudem gibt es einige Besonderheiten: so können die Atemwege von Kleinkindern auch aufgrund eines Infektes entzündet sein, ohne dass schon eine Überempfindlichkeit oder eine Entzündung der Bronchien bestehen muss (intermittierendes Asthma). Neben den klassischen Symptomen können bei Babys und Kleinkindern folgende Anzeichen auf Asthma hindeuten: 

  • Stöhnende Atmung
  • Bebende Nasenflügel beim Atmen
  • Einziehungen der Haut zwischen den Rippen

Asthma beim Kind: Das sind die Auslöser

Bei Kindern wird, je nach Auslöser des Asthmas, zwischen zwei verschiedene Asthma-Formen unterschieden: Nicht-allergisches Asthma (intrinsisches Asthma) und allergisches Asthma (extrinsisches Asthma). Intrinsisches Asthma wird häufig durch einen Infekt ausgelöst, während beim extrinsischen Asthma eine Allergie die Ursache ist. Bei Kindern ist besonders das allergische Asthma verbreitet.

Bei allergischem Asthma nehmen bestimmte Antikörper (Eiweißstoffe) des Körpers eigentlich ungefährliche Stoffe aus der Umwelt, sogenannte Allergene, als Gefahr wahr. Um die Fremdstoffe loszuwerden, kommt es in den Bronchien zu einer Entzündungsreaktion. Auslöser für allergisches Asthma sind:

Beim nicht-allergischen Asthma werden die Symptome dagegen durch unspezifische Reize ausgelöst. Auslöser für nicht-allergisches Asthma sind:

  • Nicht-allergene Reizstoffe: Zigarettenrauch, Farben und Lacke, Abgase, ätherische Öle, Sprays, Koch- und Bratdünste, starke Duftstoffe
  • Kalte Luft
  • Anstrengung: körperliche Belastung und psychische Belastung wie Stress, Aufregung oder starke Emotionen
  • Infekte durch Viren, Bakterien und andere Erreger

Asthma beim Kind: Behandlung und Unterstützung durch die Eltern

Eltern können einiges tun, um ihrem Kind das Leben mit Asthma zu erleichtern. Gerade Kinder sind anfangs oft unsicher im Umgang mit der Krankheit und haben Angst vor wiederkehrenden Asthmaanfällen. Eltern sollten ihrem Kind die Asthma-Erkrankung erklären und besprechen, was es zu beachten hat. Die Akzeptanz der Krankheit und die Unterstützung der Eltern sind sowohl für die Kinder als auch für die erfolgreiche Asthma-Therapie sehr wichtig.

Ziel der Behandlung ist es, dass Kinder mit Asthma keine oder möglichst wenig Beschwerden hat und so normal wie möglich aufwachsen kann. Bei allergischem Asthma sollten deshalb an erster Stelle Auslöser gemieden („Allergenkarenz“) werden. Dazu sollte das Kind unbedingt in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen. Außerdem sollten Eltern und Bezugspersonen dem Kind helfen, nötige Medikamente richtig einzunehmen und für den Notfall gut vorbereitet sein, um selbst Ruhe zu bewahren. Bei der Vorbereitung von Arztbesuchen kann ein Symptom-Tagebuch helfen. In Asthma-Schulungen können Eltern und Kinder den richtigen Umgang mit der Erkrankung lernen.

Asthma beim Kind: Welche Medikamente werden bei der Therapie eingesetzt?

Welche Medikamente für die Behandlung der Asthma-Erkrankung des Kindes geeignet sind, hängt von den Beschwerden und dem Schweregrad der Entzündung ab und wird von einem Arzt mittels eines Asthma-Stufenplans festgelegt. Grundsätzlich lassen sich Asthma-Medikamente in zwei Gruppen einteilen:

  • Dauermedikamente (Controller): Enthalten meist Cortison und sollen die Entzündung in den Bronchien mindern und so künftigen Asthmaanfällen vorbeugen. Sie werden in der Regel täglich eingenommen, auch wenn keine Beschwerden bestehen

  • Bedarfsmedikamente (Reliever): Helfen dem Kind bei einem akuten Asthmaanfall, indem sie die Bronchien schnell erweitern und die Beschwerden lindern. Sie werden nur im Bedarfsfall eingesetzt, können aber bei körperlicher Belastung auch präventiv verwendet werden

Asthma beim Kind: Können Kinder mit Asthma am Sport-Unterricht in der Schule teilnehmen?

Während man früher irrtümlicherweise davon ausging, dass Kinder mit Asthma Sport meiden sollen, wird er heute von Ärzten ausdrücklich empfohlen. Studien belegen sogar, dass Asthma-Beschwerden durch Sport abnehmen können. So stärken Sport und körperliche Aktivität das Herz-Kreislauf-System, schaffen seelischen Ausgleich, fördern das soziale Miteinander und die körperliche Belastbarkeit. Zudem begünstigen sie den Schleimtransport in der Lunge.

Wichtig ist aber, dass sich Kinder mit Asthma vor dem Sport aufwärmt, die Belastung langsam gesteigert und nach der Anstrengung langsam wieder heruntergefahren wird. Bei ersten Anzeichen für Atembeschwerden sollte das Kind außerdem eine Pause einlegen und Notfallmedikamente immer griffbereit haben. In manchen Fällen kann es hilfreich sein, vor dem Sport Bedarfsmedikamente einzunehmen. Welche Medikamente geeignet sind, muss mit einem Arzt abgestimmt werden.

Prinzipiell eignen sich für Kinder mit Asthma Ausdauersportarten wie Schwimmen, Laufen und Radfahren. Gezieltes Kraftraining kann außerdem die Atemmuskulatur stärken und die Körperhaltung verbessern. Abrupte Wechsel zwischen Belastung und Ruhe und Überanstrengungen sollten hingegen vermieden werden. Bei Sport im Freien sollte zudem darauf geachtet werden, dass sehr kalte und sehr trockene Luft die Atemwege reizen können.

Asthma beim Kind: Verhaltenstipps für den Notfall  

Da ein Asthmaanfall großen Stress für ein Kind bedeutet und die natürliche Angst zu ersticken auslösen kann, ist es sehr wichtig, Ruhe zu bewahren. Die Angst und Nervosität der Eltern überträgt sich auf das Kind. Eltern sollten dem Kind signalisieren, dass sie für es da sind und ihm helfen. Je ruhiger das Kind wird, desto ruhiger, voluminöser und effektiver wird auch seine Atmung. Verhaltensregeln für den Notfall:

  • Position: Das Kind aufrecht hinsetzen. Am besten stellt sich ein Elternteil hinter das Kind und spricht ruhig mit ihm. Die Arme des Kindes sollten auf den Knien oder einem Kissen aufstützen
  • Dem Kind etwas zu trinken anbieten
  • Medikamente: Dem Kind die für den Notfall vorgesehenen Medikamente geben
  • Notarzt: Den Notarzt rufen, wenn die Medikamente nicht anschlagen, sich der Zustand des Kindes verschlechtert, die Atmung des Kindes abflacht oder sich verschnellert, das Kind blau anläuft oder teilnahmslos wirkt

Um im Notfall ruhig und besonnen reagieren zu können, ist es sinnvoll, einen Notfallplan zu entwickeln. So wissen Eltern von Kindern mit Asthma genau was sie zu tun haben, fühlen sich sicherer und können im Ernstfall eher Ruhe bewahren. 

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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