Ein Sprinter startet aus dem Startblock (Symbolbild).
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Seit Jahren stehen Asthmasprays unter Verdacht die Leistungsfähigkeit von Sportlern zu steigern (Symbolbild).

Asthma-Medikamente im Leistungssport

Doping mit Asthmaspray: Wie Medikamente die Leistung von Sportlern steigern

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Schon seit Jahren vermuten Wissenschaftler, dass Asthmaspray die Leistungsfähigkeit von Sportlern erhöht. Noch ist nur wenig über die Wirkung der Arzneimittel bekannt. Doch das ist vor allem im Profisport ein Problem.

Sogndal (Norwegen) – Obwohl der Einsatz von Asthma-Medikamenten im Leistungssport seit Jahren bekannt ist, fehlen bisher ausreichend Beweise für die Wirkung von Asthmasprays bei Athleten. Denn nicht nur Asthmatiker scheinen von den bronchienerweiternden Effekten bestimmter Asthma-Medikamente zu profitieren, auch die Leistungsfähigkeit gesunder Hobby- und Profisportler wird durch sogenannte ß2-Agonisten positiv beeinflusst – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Übersichtsarbeit aus Norwegen. Veröffentlicht wurde die Studie im englischen Fachjournal „British Journal of Sports Medicine“.

Asthmaspray in der Behandlung von Asthma bronchiale

Asthma, auch Asthma bronchiale genannt, ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden rund 340 Millionen Menschen an den Folgen von Asthma, etwa 250.000 Menschen sterben jährlich an der Krankheit. Damit gehört Asthma zu den häufigsten Erkrankungen weltweit.

Obwohl Asthma nicht heilbar ist, lässt sich die Krankheit in der Regel gut behandeln. Verschiedene Medikamente stehen Betroffenen dabei zur Verfügung. Sogenannte Beta-2-Sympathomimetika, auch ß2-Agonisten genannt, lindern die Beschwerden und kommen vor allem in der akuten Therapie in Form von Asthmasprays zum Einsatz. Diese Arzneimittel wirken entspannend auf die Atemwege, indem sie die Bronchien erweitern und die Sauerstoffaufnahme erleichtern. Doch steigern Asthmasprays auch die Leistung von gesunden Sportlern?

Doping oder Therapie? Studie zu Asthmasprays

Ob Asthma-Medikamente sich auf die Leistungsfähigkeit von Profi- und Freizeitsportlern auswirken, haben Forscher der Western Norway University of Applied Science in Sogndal und der Norwegian School of Sport Sciences in Oslo untersucht. Im Rahmen der Forschungsarbeit werteten die Experten die Ergebnisse von 34 Studien aus. Dabei untersuchten sie die Daten von insgesamt 472 Teilnehmern, darunter Freizeit- und Profisportlern mit und ohne Asthma.

Besonderen Fokus legten die Wissenschaftler dabei auf die anaerobe Trainingsleistung der Athleten. Beim Training im anaeroben Bereich benötigt der Körper innerhalb kürzester Zeit ein hohes Maß an Energie. Dabei wandelt der Organismus vor allem Kohlenhydrate durch Milchsäuregärung in Energie für die Muskelarbeit um. Zu den typischen Sportarten gehören vor allem schnelle, intensive Disziplinen mit hoher Belastungsintensität wie Sprints oder Gewichtheben.

Doping mit Asthmaspray: Leistungssteigernde Effekte bei Sportlern

Die Ergebnisse zeigen, dass Asthma-Medikamente im Vergleich zu einem Placebo nicht nur die Sprint-Performance von Sportlern, sondern auch die Kraft der Athleten, wie sie beim Gewichtheben gebraucht wird, steigern. Nutzten Nicht-Asthmatiker die ß2-Agonisten im anaeroben Bereich, konnten sie ihre Leistung um fünf Prozent steigern. Die Sprint-Leistung wurde durch die Medikamente um drei Prozent verbessert, die Kraft-Leistung sogar um sechs Prozent. Laut den Autoren ist dies „eine Verbesserung, die das Ergebnis der meisten sportlichen Wettkämpfe verändern würde.“

Anders als vorherige Studien zeigen die Ergebnisse jedoch auch, dass die leistungssteigernde Wirkung der Medikamente nicht nur von der Dosis, sondern auch vom Verabreichungsweg abhängt. Wurden die Medikamente in Form von Tabletten oder eines Syrups eingenommen, konnten die Sportler ihre Leistung deutlicher steigern, als wenn sie die Inhaltsstoffe inhalierten.

Asthmaspray: Medizinische Ausnahmegenehmigung für Leistungssportler

Bisher ist es im Profisport nicht verboten, Asthmasprays zu verwenden – jedoch mit einigen Ausnahmen. Denn leiden Leistungssportler an Asthma, ist es ihnen nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt, ausgewählte Asthma-Medikamente einzunehmen. Laut der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) sind jedoch alle ß2-Agonisten mit Ausnahme geringer Dosen der Wirkstoffe Salbutamol, Formoterol und Salmeterol im Profisport verboten.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie bestätigen: Verbotene Substanzen haben tatsächlich eine Wirkung auf die anaerobe Leistung von Sportlern. Bei den erlaubten Wirkstoffgruppen fanden die Experten zwar keine signifikante Leistungssteigerung nach Einnahme der Medikamente, es bestand jedoch eine leicht positive Tendenz, die nach mehreren Wochen der Behandlung umso stärker ausfiel. „Das bedeutet, dass es immer noch unsicher ist, ob erlaubte Dosen die anaerobe Leistung verbessern“, schreiben die Forscher. Ob die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) offiziell zugelassenen Asthma-Medikamente jedoch die gleiche Wirkung haben, wie die verbotenen, ist laut den Wissenschaftlern bisher nicht klar.

Leisstungssteigernde Effekte: Asthmasprays bei Sportlern höchst umstritten

Schon länger vermuten Wissenschaftler einen leistungssteigernden Effekt bestimmter Asthma-Medikamente. Daher ist die Verwendung von Asthmasprays vor allem unter Profisportlern höchst umstritten. Grund dafür: In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass „Asthmatiker“ im Leistungssport ihre Konkurrenten deutlich übertrafen. Und auch frühere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Asthma-Medikamenten mit dem sportlichen Erfolg zusammenhängt. So holten bei den Olympischen Spielen 2002 fünf Prozent der Sportler, die angaben Asthma zu haben, rund fünf Prozent der Medaillen.

Obwohl die aktuelle Studie keine eindeutigen Beweise für die leistungssteigernde Wirkung der Asthma-Medikamente liefert, zeigt sie jedoch, wo die Probleme bei der Verwendung der Medikamente bei Leistungssportlern liegen. Laut den Autoren sollte daher „der Gebrauch von ß2-Agonisten bei Athleten reguliert und limitiert werden auf diejenigen mit einer Asthma-Diagnose, die durch objektive Test festgestellt wurde.“

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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