Auf dem Bild sind grüne Hanfpflanzen mit länglichen Blättern zu sehen. (Symbolbild)
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Allergische Reaktionen auf den Konsum von Cannabis sind nachgewiesen. (Symbolbild)

Asthma und Kreuzallergien

Cannabis-Allergie: Hanf-Pflanzen und ihre Samen können allergische Reaktioen auslösen

  • Anna Katharina Küsters
    vonAnna Katharina Küsters
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Nicht nur Konsumenten können von einer Cannabis-Allergie betroffen sein. Auch beim bloßen Berühren oder passiven Rauchen kann es zu allergischen Reaktionen auf die Pflanze kommen.

  • Eine Cannabis-Allergie gibt es, gesicherte Zahlen, wie viele Menschen davon betroffen sind aber noch nicht.

  • Die Symptome sind meist ähnlich wie bei Heuschnupfen, teilweise führt die Allergie auch zu Asthma.

  • Meist entstehen bei einer Allergie gegen Cannabis auch Kreuzallergien. Behandeln lässt sich die Allergie nur bedingt.

Berlin – Besitz, Handel und Anbau von Cannabis sind in Deutschland laut dem Betäubungsmittelgesetz verboten. Der Konsum hingegen nicht. Viele Jugendliche und Erwachsene konsumieren deshalb regelmäßig Cannabis. Eine Begleiterscheinung: In den vergangenen Jahren konnten immer häufiger allergische Reaktion oder allergieähnliche Symptome nach dem Cannabis-Konsum beobachtet werden. Wie viele Menschen tatsächlich von einer Cannabis-Allergie betroffen sind, können Wissenschaftler jedoch nur schätzen.

Cannabis-Allergie: Steigende Zahl Betroffener

Mal gilt Cannabis als Heilpflanze, deren Konsum entzündungshemmend und entspannend wirkt. Mal stehen besonders die gesundheitlichen Schäden im Vordergrund der öffentlichen Debatte. Unabhängig davon, wie die Einstellung gegenüber der Droge ist, sind die geschätzten Konsumentenzahlen beeindruckend: In einem Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Berlin gehen Expertinnen und Experten von rund 600.000 missbräuchlichen oder abhängigen erwachsenen Konsumenten in Deutschland aus. Zudem stieg der Konsum unter Jugendlichen von 2,8 Prozent (2011) auf 6,4 Prozent (2014).

Darüber hinaus verweisen die Expertinnen und Experten auf eine Reihe von gesundheitlichen Auswirkungen des Konsums. So kann es neben psychischen und neurologische Nebenwirkungen, auch zu allergischen Reaktionen kommen. Beispielsweise kommt es durch den regelmäßigen Konsum häufig zu einer chronischen Bronchitis. Zudem können allergische Reaktionen auf Cannabis Asthma hervorrufen. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte Proteine (Allergene) der Cannabis-Pflanze. Dabei kommt es zunächst zu einer Sensibilisierung: Das Immunsystem stuft die Allergene als körperfremd ein und bildet Antikörper. Beim wiederholten Kontakt kommt es dann zur allergischen Entzündungsreaktion. Aus diesem Grund können Cannabis-Allergien auch noch nach jahrelangem Konsum auftreten.

Cannabis-Allergie: Symptome, die auf eine allergische Reaktion hinweisen können

Die Symptome bei einer Cannabis-Allergie können sehr unterschiedlich sein. Laut der American Academy of Allergy Asthma & Immunology hängt die Reaktion zu großen Teilen davon ab, wie Betroffene mit dem Allergen in Kontakt gekommen sind. Wer die Pflanze beispielsweise nur berührt, kann nach dem Kontakt unter einer allergischen Reaktion der Haut wie Ausschlag leiden. Nesselsucht und Pusteln sind ebenfalls möglich. Menschen, die Cannabis passiv einatmen oder es rauchen, können mit einer verstopften oder laufenden Nase, Niesanfällen und angeschwollenen oder roten, juckenden Augen reagieren. Bei häufigem Konsum kann es zu Asthma und Atemnot kommen. In seltenen Fällen wurden auch anaphylaktische Schocks gemeldet. 

Problematisch ist, dass die Reaktionen auch nach dem Konsum von Hanfsamen auftreten können. Hanfsamen befinden sich unter anderem in Lebensmitteln wie Öl, Schokoriegeln oder Brotaufstrichen. Dabei handelt es sich zwar um geringe Mengen, Menschen mit Allergien sollten beim Verzehr trotzdem vorsichtig sein. 

Cannabis-Allergie: Kreuzallergien sind nicht selten

Einige Studien zeigen Fälle, in denen Menschen mit einer Cannabis-Allergie auch auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch reagieren. Der Grund: bestimmte in Cannabis vorkommende Allergene sind auch in Lebensmitteln zu finden. Es handelt sich also um eine Kreuzallergie. So schildert der Wissenschaftler Thad L. Ocampo in der Studie „Cannabis sativa: the unconventional ,weed’ allergen“ etwa den Fall eines 28-jährigen Cannabis-Konsumenten. Dieser zeigte heftige allergische Reaktionen beim regelmäßigen Konsumieren von Cannabis. Neben seiner Cannabis-Allergie zeigte der Mann auch allergische Reaktionen auf Äpfel, Feigen, Pfeffer, Mandeln und Auberginen. Häufig allergische Reaktionen bei Cannabis-Allergie sind:

  • Allergische Reaktionen auf Tomaten
  • Allergische Reaktionen auf Pfirsiche
  • Allergische Reaktionen aus Haselnüsse

Auch allergische Reaktionen auf die Pollen der Cannabis-Pflanze konnten schon beobachtet werden.

Cannabis-Allergie: Diese Therapien können helfen

Die Wirksamkeit von Behandlungsmethoden bei einer Cannabis-Allergie ist wissenschaftlich bisher nicht belegt. Schon die Diagnose gestaltet sich schwierig, da es keine standardisierten Verfahren gibt. Bei sogenannten Pricktests bekommen Patientinnen und Patienten Inhaltsstoffe der Cannabis-Pflanze in flüssiger Form auf die Haut aufgetragen, die dann mit einer kleinen Nadel angestochen wird. Die Ärztin oder der Arzt schauen dann, ob der Körper auf die Stoffe mit rotem Ausschlag oder Juckreiz reagiert. Ein Selbsttest ist nicht möglich. 

Eine Hyposensibilisierung bei einer Cannabis-Allergie ist bisher nicht Standard und wird nur selten durchgeführt. Eine Heilung im klassischen Sinne ist also nicht möglich. Betroffenen bleibt meist nur die Möglichkeit, Cannabis und entsprechende Lebensmittel zu meiden (Allergenkarenz). Zudem fordern Wissenschaftler weitere Studien und Forschungen zum Thema Cannabis und Allergie, um über die gesundheitlichen Wirkungen und den Einsatz der Pflanze besser und fundierter beraten und entscheiden zu können. 

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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