Eine Frau fasst sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Hals, wo die Speiseröhre liegt (Symbolbild).
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Menschen, die an einer eosinophilen Ösophagitis leiden, haben oft starke Schluckbeschwerden (Symbolbild).

„Allergie der Speiseröhre“

Eosinophile Ösophagitis: Welche Therapie hilft und welche Lebensmittel Sie meiden sollten

  • Anna Katharina Küsters
    vonAnna Katharina Küsters
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Menschen mit einer eosinophilen Ösophagitis essen oft sehr langsam, da sie Probleme beim Schlucken haben. Ihre Speiseröhre ist chronisch entzündet, eine endgültige Heilung gibt es nicht.

  • Immer mehr Kinder und junge Männer erkranken an der chronischen Speiseröhrenentzündung.
  • Schluckbeschwerden und Bauchkrämpfe können Symptome für die allergieartige Entzündung der Speiseröhre sein.
  • Heilbar ist eine eosinophilen Ösophagitis nicht. Therapien lindern können die Beschwerden aber erheblich lindern.

Berlin – In den Industrienationen ist mittlerweile einer von 3000 Menschen von eosinophiler Ösophagitis betroffen. Eine Krankheit, bei der starke Schluckbeschwerden auftreten, und die verschiedene Ursachen haben kann. Sie wird auch EOE abgekürzt, was für das englische „Eosinophilic Esophagitis“ steht. Wichtig ist, dass die Krankheit keine Reflux-Ösophagitis ist, bei der starkes Sodbrennen auftritt. 

Eosinophile Ösophagitis: Die Entzündung der Speiseröhre

Eosinophile Ösophagitis ist eine chronische, allergieartige Entzündung der Speiseröhre. Sie trägt auch die Namen „Allergie der Speiseröhre“ oder „Asthma der Speiseröhre“. Erst seit etwa 30 Jahren ist sie als eigenes Krankheitsbild bekannt und wird in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger diagnostiziert. Besonders betroffen sind Männer zwischen ihrem 20. und 50. Lebensjahr. Auch Kindern leiden immer öfter darunter. 

Die eosinophile Ösophagitis ist eine immunvermittelte Krankheit. Das bedeutet, dass der Körper eine gestörte Toleranz (Überempfindlichkeit) gegenüber körpereigenen Stoffen entwickelt und beginnt, Antikörper gegen diese zu bilden. Bei einer eosinophilen Ösophagitis lagern sich laut der Gesellschaft für Pädiatrische und Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) in Berlin Abwehrzellen in der Schleimhaut der Speiseröhre ab, die zu einer Subgruppe weißer Blutkörperchen gehören und eosinophile Granulozyten heißen. Dort führen sie zu chronischen Entzündungen. Aufgrund der Entzündung bildet sich Narbengewebe in der Speiseröhre, wodurch ihre Elastizität verloren geht und Patientinnen und Patienten Nahrung schlechter zu sich nehmen können. 

Eosinophile Ösophagitis: Eine Krankheit, die Rätsel aufgibt

Die Ursache einer Eosinophile Ösophagitis ist noch nicht vollständig geklärt. Neben einer genetischen Veranlagung spielen offenbar auch Umwelteinflüsse und eine immunologische Prädisposition eine Rolle. Viele Patienten mit eosinophiler Ösophagitis leiden auch an Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Asthma. Da die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung spielt, wird die eosinophile Ösophagitis manchmal auch als spezielle Form der Nahrungsmittelallergie bezeichnet. Zudem stellten Ärztinnen und Ärzte in einigen Familien ein vermehrtes Auftreten fest. Eine Veränderung des Chromosoms 5q22 soll dafür verantwortlich sein: Die unspezifische Genmutation erhöht das Risiko, an einer eosinophilen Ösophagitis zu erkranken. Ebenfalls stehen Allergene in der Luft und bei allergischen Atemwegserkrankungen auch eine orale Hyposensibilisierung im Verdacht, die Krankheit auszulösen.

Eosinophile Ösophagitis: Schluckbeschwerden als Symptom

Aufgrund der eingeschränkten Elastizität der Speiseröhre bei einer eosinophile Ösophagitis krampft diese beim Schlucken und verengt sich. So gelangt Essen schlechter in den Magen, Nahrung bleibt stecken, was auch unter dem Namen „Steakhaus-Syndrom“ bekannt ist. Bei Betroffenen können in der Folge Übelkeit oder Schmerzen hinter dem Brustbein auftreten. Würgen und Erbrechen sind ebenfalls keine Seltenheit. Meist essen Betroffene sehr langsam, um die Nahrung besser kauen und zerkleinern zu können und so zu verhindern, dass sie stecken bleibt. Bei Kindern kann es dadurch auch zu einer Mangelernährung und Wachstumsproblemen kommen, da sie nicht mehr genug essen. Sodbrennen als Symptom einer eosinophile Ösophagitis ist dagegen eher selten. Besonders bei Kindern kann es auch zu Refluxbeschwerden kommen.

Eosinophile Ösophagitis: Eine Magenspiegelung verschafft Klarheit

Bei Verdacht auf eine eosinophile Ösophagitis führen Expertinnen und Experten nach einer ausführlichen Anamnese eine Magenspiegelung durch. Bei dieser Endoskopie werden an mehreren Stellen Gewebeproben der Speiseröhre entnommen. Im Labor untersuchen Fachkräfte diese Gewebeproben auf Veränderungen. Eosinophile Granulozyten, die Entzündungszellen in der Speiseröhre, sind in diesem Gewebe dann in großer Zahl nachweisbar. Dieser Schritt ist wichtig, da bei der Magenspiegelung nicht zwangsläufig eine Veränderung des Speiseröhren-Gewebes erkennbar sein muss. Laut der Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin sind weitere Hinweise auf eine eosinophile Ösophagitis:

  • Rötliche Längsfurchen in der Speiseröhre
  • Weissliche Auflagerungen
  • Ringe
  • Stenosen (Verengung der Speiseröhre)

Eosinophile Ösophagitis: Zwei Therapieansätze

Vollständig heilbar ist die eosinophile Ösophagitis bisher nicht. Die Beschwerden können bei der richtigen Therapie aber deutlich abnehmen und die Lebensqualität wieder spürbar steigen. Zurzeit gibt es zwei Wege, die Krankheit zu behandeln: über eine spezielle Nahrungsmittel-Diät oder mit Hilfe von Medikamenten. 

Bei der sogenannten Eliminationsdiät, auch hypoallergene Diät genannt, verzichtet die Patientin oder der Patient auf Nahrungsmittel, in denen Inhaltsstoffe der sechs Hauptallergengruppen enthalten sind. Diese sind Kuhmilch, Weizen, Soja, Eier, Nüsse und Fisch/Meeresfrüchte. Diese sogenannte 6-FED – 6 Food Elimination Diet – ist in knapp zwei Dritteln der Fällen sehr erfolgreich. Nach längerem Verzicht dürfen Patientinnen und Patienten langsam wieder eine Gruppe nach der anderen in den Speiseplan integrieren und testen, wie es ihnen damit ergeht. Um einem Nährstoffmangel vorzubeugen, sollte ein Arzt oder Ernährungsberater die Diät begleiten.

Zeigt diese Therapie keinen Erfolg, kann eine medikamentöse Behandlung die Symptome lindern. Zum einen kommen Magensäureblocker zum Einsatz, zum anderen kann eine gezielte Verabreichung von Steroiden in Form von Cortisonpräparaten die Entzündung lindern. Bei einer starken Verengung der Speiseröhre kann eine Ärztin oder ein Arzt auch eine Dilatation durchführen, bei der die Speiseröhre geweitet wird.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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