Essbare Insekten liegen zusammen mit Teelöffeln voller Gewürze auf einem Teller (Symbolbild)
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Heuschrecken, Mehlwürmer und Zophobas - Essbare Insekten des Anbieters Yummy-Food-Shop aus Neumünster (Symbolbild).

Mangelnde Kennzeichnung

Hausstaub-, Krebs- und Weichtierallergie: Verbraucherschützer warnen vor Lebensmitteln aus Insekten

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Mehlwurmriegel, Heuschrecken-Pasta und Insektenburger klingen zwar hip, Verbraucher sollten diese Produkte aber mit Vorsicht genießen. Vor allem bei einer bestehenden Allergie, zeigt ein Marktcheck.

München/Berlin – Sie sind als Zutat in Nudeln, Eiweißriegeln und würzigen Snacks zu finden: Lebensmittel mit Insekten wie Heuschrecken und Mehlwürmern sind zunehmend Teils des Sortiment vieler Supermärkte. Insektenhaltige Lebensmittel zählen zu den neuartigen Nahrungsmitteln, deren dauerhafte Zulassung in der Europäischen Union noch offen ist. Doch wie gesund sind Insekten wirklich und sollte man sich die Produkte einfach so in den Mund schieben? Ein Untersuchung der Verbraucherzentralen kommt zu einem kritischen Ergebnis: Oft fehlen Nährwert-Angaben und Kennzeichnungen auf der Verpackung. Zudem ist oft unklar, ob die Lebensmittel auch für Allergiker geeignet sind.

Insektenhaltige Lebensmittel: Was steckt drin, in den neuartigen Nahrungsmitteln?

Was genau steckt in insektenhaltigen Lebensmitteln und sind die Inhaltsstoffe für Verbraucher transparent? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben die Verbraucherzentralen in einem Marktcheck 32 insektenhaltige Lebensmittel aus dem stationären Handel auf Nährwerte, Kennzeichnung und Werbeaussagen untersucht.

Dabei fiel auf:

  • Oft fehlt die Kennzeichnung relevanter Allergene
  • Meist ist unklar, ob die Produkte bei der Herstellung erhitzt oder mit einem anderen Verfahren zur Keimabtötung behandelt wurden
  • Teilweise werden die Produkte mit unzulässigen nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben beworben
  • Einige Produkte enthalten sehr viel Zucker und Salz
  • Alle Produkte sind sehr teuer

Insektenhaltige Lebensmittel: Allergiker müssen vorsichtig sein

Vorsicht ist beim Verzehr von Insekten vor allem bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben und Krebs- und Weichtierallergien geboten, rät Jutta Saumweber von der Verbraucherzentrale Bayern. Denn hier drohen Kreuzreaktionen mit potenziell schweren Symptomen, warnt die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF). Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Bisher ist eine Allergenkennzeichnung auf den Produkten nicht verpflichtend.

Nur ein Teil der überprüften Lebensmittel enthielt zum Beispiel Warnhinweise für Hausstaubmilbenallergiker (72 Prozent) und Weichtierallergiker (50 Prozent). Hinweise auf mögliche allergische Reaktion bei bestehender Schalen- und Krustentierallergie waren dagegen auf allen im Marktcheck untersuchten Lebensmitteln zu finden.

Auf der Verpackung einiger Snack-Produkte waren zudem Gluten und Soja als Allergene gekennzeichnet, was vermutlich auf die Fütterung der Insekten zurückgeht, da bei den Tierchen der Darm meist mitverzehrt wird.

Insektenhaltige Lebensmittel: Erhitzt oder nicht?

Nicht unbedenklich sind Insektensnacks, denn in ihnen können krankmachende Mikroorganismen stecken. Um diese abzutöten, ist es wichtig, Speiseinsekten bei der Verarbeitung zu erhitzen oder mit Hochdruck zu behandeln. Das senke die Keimzahl, so die Verbraucherschützer. Die EU arbeitet hier noch an gesetzlichen Vorgaben.

Ein solcher Hinweis war aber nur bei 3 der 16 untersuchten Snack-Produkten zu finden. Bei 60 Prozent war unklar, ob die Insekten bei der Herstellung erhitzt oder anderweitig behandelt wurden. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Verbraucher insektenhaltige Lebensmittel deshalb vor dem Verzehr nochmal erhitzen.

Und auch die Werbeversprechen einiger Hersteller sehen die Verbraucherschützer kritisch: Auf 12 der überprüften Produkte fanden sie unzulässige Angaben. So wurden etwa Produkte als “reich an Protein“ bezeichnet, obwohl der dafür gesetzlich vorgeschriebene Mindestgehalt an Eiweiß nicht gegeben war. Auch die Produkte als „vitamin- und mineralstoffreich“ zu bewerben, den tatsächlichen Gehalt dann aber nicht in der Nährwerttabelle aufzuführen, sei nicht erlaubt, so die Verbraucherschützer.

Insektenhaltige Lebensmittel: Wenig Insekten, viel Zucker, zu teuer

Schlussendlich kritisieren die Verbraucherzentralen, dass viele der Lebensmittel nur einen sehr geringen Insektenanteil haben, dafür aber viele süßende Zutaten oder viel Salz enthalten. Ein durchschnittlicher Preis von mehr als 43 Euro pro 100 Gramm ist in diesem Zusammenhang eher zu hinterfragen. Verbraucher sollten sich deshalb gut überlegen, ob sie Insekten wirklich in ihren Speiseplan integrieren möchten. (mit Material von dpa)

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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