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Mein Kind hat eine Allergie: Was gibt es bei den Schutzimpfungen zu beachten?

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Von: Jasmina Deshmeh

Eine medizinische Fachkraft klebt ein Pflaster auf den Oberarm eine blonden Jungen. In seinen Händen hält er ein Stofftier (Symbolbild).
Impfungen zählen zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen in der Medizin – auch bei Allergien. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten (Symbolbild). © imago images / Westend61

Viele Eltern sind besorgt, dass ihr allergisches Kind Impfungen nicht gut verträgt. Große Fachgesellschaften geben jedoch einheitliche Empfehlungen zum Impfen von Kindern mit Allergien. Was Eltern wissen müssen.

Aachen – Impfungen gelten als wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Dabei bezieht sich die Schutzwirkung nicht nur auf die geimpfte Person selbst, auch das Umfeld profitiert, indem die geimpfte Person Infektionskrankheiten nicht weiter verbreiten kann. Eltern von Kindern mit Allergien oder einem erhöhten Allergierisiko sind oft besorgt, dass ihr Kind Schutzimpfungen nicht gut vertragen könnte. Moderne Impfstoffe sind in der Regel aber gut verträglich und lösen nur in extrem seltenen Fällen unerwünschte Wirkungen aus, klärt die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) in ihrem Positionspapier auf. In Deutschland besteht zwar keine Impfpflicht. Die GPA empfiehlt Eltern aber, allergische Kinder mit allen von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen impfen zu lassen, sofern keine Kontraindikation besteht.

Impfungen bei Allergien: Können Impfungen allergische Erkrankungen auslösen?

Immer wieder stellen sich Eltern die Frage, ob Standardimpfungen die Entwicklung allergischer Erkrankungen im Kindesalter fördern. Umfangreiche Untersuchungen zeigen jedoch: Schutzimpfungen erhöhen die Allergierate nicht! Antikörper (Immunglobulin E) werden häufig gegen Impfantigene gebildet und sind normaler Bestandteil der immunologischen Antwort auf die Impfung. Antikörper gegen Umweltallergene wie Pollen oder Nahrungsmittel werden durch die Standardimpfungen hingegen nicht gefördert. Für bestimmte Impfungen wie Masern-Mumps-Röteln gibt es nach Angaben der GPA sogar Hinweise, dass die Allergierate bei geimpften Kindern geringer ist.

Die Empfehlungen der GPA decken sich mit der Nationalen Versorgungsleitlinie für Asthma bronchiale, die für Kinder mit hohem Asthmarisiko keine Einschränkungen in Bezug auf die STIKO-Empfehlungen vorsieht. Auch die S3-Leitlinie zur Allergieprävention der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) empfiehlt eine Durchimpfung allergischer Kinder.

Impfungen bei Allergien: Gibt es Ausnahmen, wann allergische Kinder nicht geimpft werden sollen?

Die ständige Impfkommission empfiehlt als allgemeine Vorsichtsmaßnahme, Kinder und Jugendliche mit schweren akuten Erkrankungen erst nach der Genesung zu impfen. Dies gilt laut GPA auch für eine zeitweise Verschlimmerung (Exazerbation) allergischer Erkrankungen. Die Ausnahme bilden postexpositionelle Impfungen (nach der Ansteckung), zum Beispiel bei Tollwut. Wird beim Kind eine subkutane spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) durchgeführt, empfiehlt die GPA die Impfung in der Erhaltungsphase und in der Mitte zwischen zwei Allergen-Verabreichungen durchzuführen. Bei einer sublingualen Immuntherapie (Allergengabe unter der Zunge) ist der zeitlicher Abstand zur Impfung dagegen nicht relevant.

Impfungen bei Allergien: Was gilt für Kinder mit einer Allergie auf Impfstoffbestandteile?

Die Ausnahme bilden Kinder, die nachweislich stark gegen einen der Inhaltsstoffe des Impfstoffs allergisch sind. Dies kann zum Beispiel Kinder mit schweren Hühnereiweißallergien betreffen, da in bestimmten Impfstoffen (Masern-Mumps-Röteln, Tollwut, FSME) winzige Spuren von Hühnereiweiß enthalten sein können.

Die GPA weist aber darauf hin, dass eine Hühnereiweißallergie in der Regel nicht als Kontraindikation für diese Impfungen aufgeführt wird. Lediglich bei Kindern mit sehr schweren Formen der Hühnereiweißallergie (Auftreten eines anaphylaktischen Schocks bei Kontakt mit geringsten Mengen Hühnereiweiß) sollte die Impfung unter besonderen Schutzmaßnahmen und anschließender Beobachtung in der Klinik durchgeführt werden.

Auch Gelantine-Allergien, Latexallergien und Allergien gegen bestimmte Hefepilze können ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Impfreaktionen darstellen und bedürfen einer individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung. Wenn möglich, sollten hier Impfstoffe ohne den entsprechenden Hilfsstoff verwendet werden.

Impfungen bei Allergien: Welche Impfreaktionen gibt es?

Jährlich werden Millionen von Impfdosen verabreicht, die meisten von ihnen werden gut vertragen. Dennoch kann es zu Nebenwirkungen kommen. Die häufigsten Impfreaktionen sind nach Angaben des Robert Koch Instituts lokale Schwellungen, Rötungen und Schmerzen im Bereich der Injektionsstelle sowie Allgemeinreaktionen wie Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Unwohlsein. Schwere allergische Reaktionen sind dagegen sehr selten.

Leiden Kinder an Neurodermitis (atopische Dermatitis) kann es, wie bei jeder Infektion, durch die Impfung zu einer vorübergehenden Verschlechterung des Hautzustandes kommen. Sollten unerwünschte Impfreaktionen auftreten, sollten Eltern sofort mit ihrem Kind zum Arzt gehen.*

Impfungen bei Allergien: Gibt es besonders wichtige Impfungen für Allergiker?

Die GPA empfiehlt Eltern von Kindern mit überempfindlichem Bronchialsystem und/oder Asthma bronchiale vor allem folgende Impfungen:

Hintergrund ist, dass diese Erkrankungen die Bronchien stark belasten können und die Lunge zusätzlich schädigen. Kinder, die an schwerer Neurodermitis leiden, sollten gegen Windpocken geimpft werden, da die Krankheit bei Neurodermitis einen besonders schweren Verlauf nehmen kann. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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