Nahaufnahme von einem Hornissenkopf (Symbolbild)
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Entgegen vieler Mythen ist der Stich einer Hornisse nicht gefährlicher als Wespen- und Bienenstiche (Symbolbild)

Hummel- und Hornissenallergie

Allergie gegen Hummel- und Hornissengift: Symptome und Behandlung bei allergischen Reaktionen

Viele Menschen fürchten sich vor Hummel- und Hornissenstichen. In der Regel sind die Hautflügler aber friedlicher als Wespen und Bienen und Stiche bei richtigem Verhalten selten. Wer allergisch auf Insektengift reagiert, sollte aber für den Notfall gewappnet sein.

  • Neben Bienen und Wespen gehören Hummeln und Hornissen zu den potenziell für Menschen gefährlichen Insekten

  • Das sind Ursache und Symptome einer Hummel- und Hornissengiftallergie

  • So erfolgen Diagnose und Behandlung einer Hummel- und Hornissengiftallergie

Berlin – Insekten sind für das Ökosystem essentiell, da sie durch die Verbreitung von Pollen an der Bestäubung vieler Pflanzenarten beteiligt sind. Allerdings können Hautflügler wie Hummeln und Hornissen (sogenannte Hymenoptera) bei einer Insektengiftallergie für den Menschen gefährlich werden. Fühlen sie sich bedroht, können sie sich mit einem schmerzhaften Stich verteidigen. Bei dem Stich setzen sie Gift aus einer Drüse hinter dem Stachel frei, welches bei sensibilisierten Menschen eine allergische Reaktion und in schweren Fällen sogar eine Anaphylaxie, bis hin zu einem allergischen Schock auslösen kann.

Allergie auf Hummelgift: Wie groß ist das Risiko?

Hummelgiftallergien sind verglichen zu Wespengift- und Bienengiftallergien zwar selten, können für Allergiker aber schwerwiegende Folgen haben. Die plumpen Hummeln sind im Allgemeinen friedfertige Gesellen, die nur sehr selten zustechen. Da sie weniger kälteempfindlich sind als andere Hautflügler, sind sie oft schon im Frühling zu beobachten. Wie Honigbienen ernähren sich Hummeln von Pollen und Nektar, weshalb das Risiko eines Stichs beim Barfußlaufen über Wiesen und Grasflächen am größten ist. Bei Hummeln verfügen nur die weiblichen Tiere über einen Stachel, der nach einem Stich nicht in der Haut stecken bleibt. Der Stich ist weniger schmerzhaft als bei Bienen, da vergleichsweise wenig Gift in die Haut gespritzt wird, und wird in der Regel durch ein typisches Warnverhalten angekündigt. Dabei hebt die Hummel eines oder mehrere Beine und dreht sich auf den Rücken. 

Allergie auf Hornissengift: Wie gefährlich sind Hornissenstiche?

Wie bei den Hummeln besitzen auch bei Hornissen nur die weiblichen Tiere einen Stacheln. Bei Männchen (Drohnen) fehlt dieses Wehrinstrument. Durch die hohe Konzentration von Acetylcholin im Gift und die tiefe Stichwunde, wird ein Hornissenstich als deutlich schmerzhafter empfunden als ein Wespen- oder Bienenstich. Entgegen zahlreicher Mythen ist Hornissengift aber nicht toxischer, als das von Bienen und Wespen und Hornissengiftallergien sind eher selten. Laut dem Natuschutzbund Deutschland (NABU) in Berlin sind Hornissen beim Einhalten bestimmter Verhaltensregeln scheuer als Honigbienen und friedlicher als Wespen und ergreifen bei Bedrohung eher die Flucht. Entsprechend selten kommt es zu Stichen beim Menschen. 

Allergie auf Hummel- und Hornissengift: Ursache und Symptome

Die Ursache einer Allergie gegen Hummel- oder Hornissengift ist meist ein vorangegangener Stich und eine anschließende Sensibilisierung des Immunsystems auf die im Gift enthaltenen Allergene. Bis heute wurden zwei Allergene aus dem Gift von Hummeln und Hornisse identifiziert. Eine solche Sensibilisierung ist relativ häufig. So sind etwa 50 % der Kinder und 25 % der Erwachsenen auf Insektengifte sensibilisiert. Bei einem weiteren Stich kommt es allerdings nur in sehr seltenen Fällen zu einer allergischen Reaktion.

Kommt es zu einem Stich durch eine Hummel oder Hornisse, treten normalerweise lokale Reaktionen ohne Immunantwort auf. Dabei kommt es zu schmerzhaften Rötungen der Haut und Schwellungen um die Einstichstelle herum, die ohne Behandlung innerhalb weniger Stunden wieder abschwellen. Es kann auch zu Juckreiz kommen, der oft mehrere Tage anhält.

Bei schweren lokalen allergischen Reaktionen bilden sich hingegen Schwellungen mit einem Durchmesser von mehr als 10 Zentimetern, die auch nach 24 Stunden nicht abklingen. Die Symptome können bis zu einer Woche anhalten und werden teilweise von Beschwerden wie Frösteln, Krankheitsgefühl oder einer Entzündung der Lymphbahnen (Lymphangitis) begleitet.

Gefährlich wird es, wenn Symptome an anderen Körperstellen als der Einstichstelle auftreten. Kommt es zu schweren systemischen Soforttyp-Reaktionen (Anaphylaxie), sind neben der Haut mindestens zwei Organsysteme betroffen. Symptome, die auf eine Anaphylaxie hinweisen können, sind:

  • Herz-Kreislaufprobleme: Schwindel, Herzrasen

  • Magen- und Darmbeschwerden: Übelkeit

  • Atemnot

Allergie auf Hummel- und Hornissengift: Diagnose

Die Diagnose einer Insektengiftallergie ist im Allgemeinen schwierig. So ist zum einen ein hoher Anteil der Bevölkerung auf Insektengifte sensibilisiert, zeigt bei Kontakt mit den Giften aber keine allergischen Reaktionen. Zum anderen weisen die Allergene der unterschiedlichen Insektengifte starke Ähnlichkeiten zueinander auf, sodass es häufig zu Kreuzallergien, etwa bei einer Hornissen- und Bienengiftallergie, kommt.

In einer umfassenden Anamnese befragt der Arzt den Patienten zunächst zu früheren Insektenstichen und Reaktionen sowie erblichen Vorbelastungen für Allergien. Ein Hauttest und/oder Bluttest kann mögliche Sensibilisierungen aufzeigen. Meist wird ein sogenannter Intrakutantest angewendet. Dieser Hauttest wird vier Wochen nach dem Hummel- oder Hornissenstich durchgeführt, um sicherzustellen, dass sich die für die allergische Reaktion verantwortlichen IgE-Antikörper gebildet haben und eine Allergiebereitschaft erkennbar ist. Durch diesen Test lässt sich zwar keine Allergie feststellen, er liefert aber wichtige Informationen zum allergischen Geschehen im Körper. Da Hauttests schwere Reaktionen auslösen können, werden sie meist stationär und unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt.

Allergie auf Hummel- und Hornissengift: Behandlung und Prävention

Treten nach einem Stich um die Einstichstelle leichte Veränderungen der Haut auf, können Cremes oder Gele mit entzündungshemmenden Cortison Linderung verschaffen. Zudem sollte die Stelle gekühlt und Kratzen möglichst vermieden werden, da sich die Einstichstelle entzünden kann.

Bei stärkeren Symptomen, die auf eine starke allergische Reaktion hindeuten, sollte unverzüglich der Notarzt verständigt werden. Ist eine Allergie aufgrund früherer Stiche bekannt, sollten Betroffene in den Sommermonaten stets ein Allergie-Notfallset mit sich führen. Die Medikamente des Notfallsets, wie der Adrenalin-Injektor, können die Reaktion des Körpers lindern, bis ein Notarzt eintrifft.

Da eine starke allergische Reaktion auf das Gift von Hornissen und Hummeln gefährlich werden kann, empfehlen viele Ärzte Betroffenen die Durchführung einer allergenspezifischen Immuntherapie. Bei dieser Art der Hyposensibilisierung werden gezielte Injektionen mit steigenden Giftdosen verabreicht, wodurch sich der Körper an das Allergen gewöhnen und über die Zeit eine höhere Toleranz entwickeln kann.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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