Nahaufnahme von den Händen einer Frau, die eingecremt werden (Symbolbild)
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Künstliche und natürliche Duftstoffe stecken in vielen Kosmetik-Produkten. Wegen ihres allergieauslösenden Potenzials sind sie jedoch umstritten (Symbolbild).

Duftstoffe als Kontaktallergene

Umstrittene Duftstoffe in Kosmetik: Wie gefährlich sind Lilial, Linalool und Limonene?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Natürliche und synthetische Duftstoffe in Kosmetik können Hautreizungen und Kontaktallergien auslösen. Welche Duftstoffe deklariert werden müssen und woran Allergiker duftstofffreie Kosmetik erkennen.

Dessau-Roßlau – Duftstoffe begegnen uns im Alltag überall. Es kann sich um natürliche Düfte handeln, etwa von Pflanzen, oder um synthetisch hergestellte Duftstoffe. Einige empfinden wir als angenehm, andere als störend. Duftstoffe stecken beispielsweise in Kerzen und Reinigungsmitteln oder kommen als Raumbeduftung zum Einsatz. Einige schmieren wir uns sogar als Inhaltsstoff von Kosmetik auf die Haut. Doch welche gesundheitlichen Auswirkungen können Duftstoffe haben und was sollten Verbraucher bei der Anwendung im Alltag beachten?

Umstrittene Duftstoffe in Kosmetik: Unverträglichkeitsreaktionen und Kontaktallergien

Duftstoffe können über die Haut oder die Atemwege in den Organismus gelangen und dort Unverträglichkeitsreaktionen und Kontaktallergien auslösen. Sie zählen nach Angaben des Allergieinformationsdienstes des Helmholtz Zentrum München zusammen mit Nickel zu den häufigsten Kontaktallergenen. Eine Duftstoffallergie entwickelt sich, wenn die Haut immer wieder einem Duftstoffallergen ausgesetzt ist. Hat sich die Allergie einmal ausgebildet, bleibt sie ein Leben lang bestehen.

Die ersten Anzeichen einer Kontaktallergie sind meist Rötungen, Bläschenbildung und Juckreiz an den Hautstellen, die mit dem Duftstoff in Kontakt gekommen sind. Im Unterschied zu Hautreizungen, treten kontaktallergische Hautsymptome meist zeitverzögert, also zwischen 12 und 72 Stunden nach dem Allergenkontakt auf. In seltenen Fällen kann es dabei auch zu sogenannte Streuherden oder großflächigen, nässenden Ausschlägen kommen. Eine Studie des Umweltbundesamtes ergab zudem, dass Duftstoffe in sehr seltenen Fällen (in hohen Konzentrationen) auch durch Einatmen allergische Symptome wie etwa Atemnot und Hustenreiz auslösen können.

Umstrittene Duftstoffe in Kosmetik: Welche Duftstoffe werden als Hautallergene eingestuft?

Auf Basis durchgeführter Human- und Tierstudien stuft der wissenschaftliche Ausschuss „Verbrauchersicherheit“ der Europäischen Kommission insgesamt 54 einzelne Duftstoffe und 28 Naturextrakte (ätherische Öle) als anerkannte Kontaktallergene für den Menschen ein. Zudem identifiziert er 26 Einzelstoffe als „wahrscheinliche Kontaktallergene“ und 35 weitere Einzelstoffe und 13 Natursubstanzen als „mögliche Kontaktallergene“. (Nadelhölzer, Kampfer und Menthol: In vielen Erkältungsbädern stecken Allergieauslöser)

Unter den Duftstoffallergenen sind nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in der EU folgende Substanzen als Inhaltsstoff in Kosmetik deklarationspflichtig:

  • AMYL CINNAMAL
  • BENZYL ALCOHOL
  • CINNAMYL ALCOHOL
  • CITRAL
  • EUGENOL
  • HYDROXYCITRONELLAL
  • ISOEUGENOL
  • AMYLCINNAMYL ALCOHOL
  • BENZYL SALICYLATE
  • CINNAMAL
  • COUMARIN
  • GERANIOL
  • HYDROXYISOHEXYL 3-CYCLOHEXENE CARBOXALDEHYDE
  • ANISE ALCOHOL
  • BENZYL CINNAMATE
  • FARNESOL
  • BUTYLPHENYL METHYLPROPIONAL (LILIAL)
  • LINALOOL
  • BENZYL BENZOATE
  • CITRONELLOL
  • HEXYL CINNAMAL
  • LIMONENE
  • METHYL 2-OCTYNOATE
  • ALPHA-ISOMETHYL IONONE
  • EVERNIA PRUNASTRI EXTRACT
  • EVERNIA FURFURACEA EXTRACT

Die Duftstoffe müssen aber nur auf der Verpackung angegeben werden, wenn ihr Gehalt bei Produkten, die abgewaschen werden (z.B. Duschgel und Shampoo), höher als 0,01 Prozent und bei Produkten, die auf der Haut verbleiben (z.B. Cremes, Parfüm, Deo), höher als 0,001 Prozent ist. (Konservierungs- und Duftstoffe in Nachtcreme: Jedes vierte Produkt fällt im Öko-Test durch)

Umstrittene Duftstoffe in Kosmetik: Hochpotente Allergieauslöser mit hohem Sensibilisierungspotential 

Allergieauslösende Duftstoffe lassen sich je nach Sensibilisierungspotential in drei Gruppen einteilen: In hochpotente, potente und wenig potente Allergieauslöser.

Zu den hochpotenten Duftstoffallergenen zählen nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB)  Evernia Prunastri Extract (Eichenmossextrakt), Evernia Furfuracea Extract (Baummoosextrakt), Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexene Carboxaldehyde (Lyral) und Isoeugenol (Ylang-Ylang, Muskatnussöl).

Potente Duftstoffallergene mit mittlerem Sensibilisierungspotential sind Cinnamal (Zimtaldehyd), Cinnamyl Alcohol (Zimtalkohol), Citral (Zitronenöl, Lemongras), Farnesol und Hydroxycitronellal.

Ein geringes Sensibilisierungspotential weisen dagegen die wenig potenten Duftstoffallergene Alpha-Isomethyl Ionone, Amyl Cinnamal, Amylcinnamyl Alcohol, Anise Alcohol, Benzyl Alcohol, Benzyl Benzoate, Benzyl Cinnamate, Benzyl Salicylate, Butylphenyl Methylpropional (Lilial), Citronellol, Coumarin, Eugenol, Geraniol, Hexyl Cinnamal, Limonene, Linalool und Methyl 2-Octynoate auf.

Umstrittene Duftstoffe in Kosmetik: Wovon ist das Sensibilisierungspotenzial abhängig?

Ein Duftstoff wird laut wissenschaftlichem EU-Ausschuss zu einem Kontaktallergen, wenn eine bestimmte Menge des Stoffes durch die Haut in den Körper gelangt und dort an bestimmte Hautproteine bindet. Diese setzen wiederum eine bestimmte Immunreaktion in Gang, die zu den bekannten Allergie-Symptomen führt.

In einigen Fällen kann auch eine chemische Umwandlung des Duftstoffs durch äußere Einflüsse dazu führen, dass er sich an Hautproteine bindet – etwa der Einfluss von Sauerstoff, Sonnenlicht oder das Reagieren mit bestimmten Hautenzymen (Bioaktivierung). Auf diese Weise kann aus eigentlich schwach allergisierenden Duftstoffen wie Limonen, Linalool, Geraniol, Eichenmoos, Perubalsam, Moschus oder Sandelholzöl ein starker Allergieauslöser werden.

Umstrittene Duftstoffe in Kosmetik: Leben mit Duftstoffallergie

Wer allergisch auf bestimmte Duftstoffe reagiert oder eine empfindliche Haut hat, sollte die Kontaktallergene im Alltag meiden. Auch wenn es mühsam ist – dazu ist es sinnvoll, die Kosmetik-Verpackungen sorgfältig auf mögliche allergisierende Inhaltsstoffe zu prüfen. Alternativ bieten Allergiker-freundliche Siegel, wie das DAAB-Logo des Deutschen Allergie- und Asthmabundes, das ECARF-Siegel der Europäischen Stiftung für Allergieforschung oder das DHA-Siegel der Deutschen Haut- und Allergiehilfe Orientierung.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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