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Allergieauslöser in Kosmetik: Diese Substanzen sind potenzielle Kontaktallergene

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Von: Jasmina Deshmeh

Eine junge Frau mit dunklen Haaren nimmt ein Kosmetikprodukt in der Drogerie genauer unter die Lupe (Symbolbild).
Inhaltsstoffe prüfen lohnt sich: In Kosmetik können Substanzen stecken, die Kontaktallergien auslösen können. Die häufigsten sind Duft- und Konservierungsstoffe (Symbolbild). © imago images / CTK/CandyBox

Hautcreme, Zahnpasta, Schminke und Parfum: Viele Menschen nutzen täglich eine Vielzahl an Kosmetikartikeln. Doch nicht alles, was wir an unsere Haut lassen, ist auch verträglich. Einige Kosmetik-Inhaltsstoffe können die Haut reizen und sogar Allergien auslösen.

Mönchengladbach – Nach der Anwendung von Kosmetik ist die Haut gerötet, juckt oder zeigt sogar Bläschen und Schuppungen? Dann könnte eine Kontaktallergie dahinterstecken. Bei einer kontaktallergischen Reaktion reagiert das Immunsystem überempfindlich auf den Hautkontakt mit bestimmten Substanzen aus der Umwelt, die eigentlich harmlos sind. Die häufigsten Kontaktallergene sind neben Nickel Duftstoffe und Konservierungsstoffe. Aber auch andere Substanzen in Kosmetik können Kontaktallergien hervorrufen.

Kontaktallergene in Kosmetik: So entsteht eine Kontaktallergie

Einer Kontaktallergie geht nach Angaben des Allergieinformationsdienstes immer eine Sensibilisierung gegen den Allergieauslöser voraus. Kommt es danach erneut zum Kontakt mit der Haut, leitet der Körper eine Abwehrreaktion (Entzündung) ein und es treten erstmals allergische Beschwerden auf. Eine Kontaktallergie zu erkennen ist nicht immer leicht. Zum einen treten die Symptome meist mit einer Verzögerung von 12 bis 17 Stunden nach dem Allergen-Kontakt auf, zum anderen können die Symptome auch auf eine Hautirritation durch chemische oder physikalische Reize zurückzuführen sein. Bekannte Beispiele sind etwa die Windeldermatitis oder verschiedene Formen der Nesselsucht, wie die Kälte-Urtikaria oder die Schwitzurtikaria. Hat sich eine Kontaktallergie einmal entwickelt, bleibt sie in der Regel ein Leben lang bestehen. Die einzige Möglichkeit, Beschwerden vorzubeugen, ist dann die Allergenkarenz, also das konsequente Meiden des Allergieauslösers.

Kontaktallergene in Kosmetik: Duftstoffe

Duftstoffe sind in unserem Alltag nahezu überall zu finden, entweder in Form von natürlichen pflanzlichen Düften oder synthetisch hergestellte Duftstoffen, etwa in Parfum, Duftkerzen, bei der Raumbeduftung oder gar in Lebensmitteln. Auch in vielen Kosmetik-Produkten sind Duftstoffe zu finden.* Sowohl pflanzliche als auch synthetische Duftstoffe gelten als häufigster Auslöser von Kontaktallergien auf Kosmetik, weshalb die 26 Duftstoffe mit dem größten allergenen Potenzial auch auf der Verpackung deklariert werden müssen. Zu ihnen zählen nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabunds (DAAB):

Duftstoffe mit einem mittleren Sensibilisierungspotenzial sind Cinnamal (Zimtaldehyd), Cinnamyl Alcohol (Zimtalkohol), Citral (Zitronenöl, Lemongras), Farnesol und Hydroxycitronellal. Duftstoffe mit einem geringen Sensibilisierungspotenzial sind Butylphenyl Methylpropional (Lilial), Limonene und Linalool.

Laut wissenschaftlichem EU-Ausschuss  „Verbrauchersicherheit“ kann ein Duftstoff auf zwei Wegen zum Kontaktallergen werden: Entweder bindet er an bestimmte Hautproteine, die wiederum eine Immunreaktionen in Gang setzen, die die Allergiesymptome auslöst. Oder es kommt durch äußere Einflüsse wie Sonnenlicht oder Sauerstoff zu eine chemischen Umwandlung der Substanz, die sich anschließend mit bestimmten Hautproteinen verbindet. Auch mit bestimmten Hautenzymen können die Duftstoffe reagieren (sogenannte Bioaktivierung). Durch die chemische Umwandlung kann es passieren, dass auch schwach allergen wirkende Duftstoffe zu starken Allergieauslösern werden.

Duftstoffe sind übrigens nicht nur in Kosmetika wie Cremes oder Parfum zu finden, sie können sich laut Allergieinformationsdienst auch in Zahnpasta verbergen, etwa wenn diese einen charakteristischen Minzgeruch hat (Kontaktallergen L-Carvone). Allergiesymptome zeigen sich dann an der Mundschleimhaut.

Kontaktallergene in Kosmetik: Konservierungsstoffe

Konservierungsmittel in Kosmetik sind ein schwieriges Thema: Einerseits ist ihr Einsatz nachvollziehbar, vor allem wenn das Produkt direkt mit der Haut in Kontakt kommt, wie Lippenstift oder Concealer. Schließlich möchte sich niemand Hautirritationen durch Kosmetik zuziehen, die mit Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen kontaminiert ist. Besonders anfällig sind auch Produkte auf Wasserbasis, wie Lotionen, Apres-Produkte und Feuchtigkeitscremes. Auch Sauerstoff und Sonneneinstrahlung können die Haltbarkeit reduzieren.

Leider haben einige Konservierungsmittel aber den Nachteil, dass sie die Haut reizen und Allergien auslösen können. Zu den potenziell allergieauslösenden Konservierungsmitteln gehören nach Angaben des DAAB beispielsweise Formaldehyd, Methyldibromoglutaronitril MDBGN und Methylisothiazolinonen (MCI/MI-Gemisch). Kontaktallergiker können sie anhand der Inhaltsliste erkennen.

Der Einsatz bestimmter Konservierungsstoffe in Kosmetika ist nach EU-Recht nur eingeschränkt erlaubt oder inzwischen sogar ganz verboten. Einige Kosmetik-Hersteller sind deswegen auf alternative Konservierungsmittel wie ätherische Öle oder Alkohol umgestiegen. Doch Vorsicht, wer gegen Duftstoffe allergisch ist, dem können auch ätherische Öle Probleme bereiten. Besser sind konservierungsmittelfreie Kosmetika in hygienischen Tiegeln und Tuben. Verbraucher sollten sie kühl und dunkel lagern und schnell aufbrauchen. Kosmetika, die ihre Farbe oder ihren Geruch verändert hat, sollte in den Müll wandern.

Kontaktallergene in Kosmetik: Kunststoffe

Kunststoffe, genauer gesagt, Acrylate, kommen zum Beispiel als Bestandteile von Nagellack oder als Mittel zum Befestigen und Aushärten künstlicher Fingernägel zum Einsatz. Kontaktallergien auf Acrylate kommen laut Allergieinformationsdienst deshalb hauptsächlich als Berufskrankheit bei Angestellten von Nagelstudios vor. Aber auch Frauen, die regelmäßig künstliche Nägel tragen, können eine Acrylat-Allergie entwickeln. Betroffene leiden dann unter Bläschenbildung und Juckreiz an den Händen. Wer allergisch auf Acrylate reagiert, muss aber nicht unbedingt auf Kunstnägel verzichten: Es gibt auch acrylatfreie Gele auf dem Markt, wie der Ärtzeverband Deutscher Allergologen (AeDA) verweist.

Kontaktallergene in Kosmetik: Pflanzliche und tierische Inhaltsstoffe

Dass natürlich nicht immer verträglich bedeuten muss, zeigen einige Pflanzenauszüge und tierische Inhaltsstoffe in Kosmetik, die ebenfalls Kontaktallergien auslösen können. Dazu zählen neben ätherischen Ölen, wie Teebaumöl, Bergamottöl, Eukalyptusöl oder Zitronenöl, auch Naturheilmittel wir Arnika, Perubalsam, Propolis und Schafgarbe.

Zu den bekannten allergieauslösenden Naturstoffen zählen auch Wollwachsalkohole oder Lanolin. Wollwachs ähnelt dem Lipidfilm der menschlichen Haut und wird nach der Schur der Schafe aus Rohwolle gewonnen. Aufgrund seiner Fähigkeit, Wasser zu binden, wird es oft in Pflegeprodukten für trockene Haut eingesetzt, zum Beispiel im Windelbereich. Aus diesem Grund sind in einigen Fällen schon Säuglinge von Wollwachs-Allergien betroffen.

Kontaktallergene in Kosmetik: Daran erkennen Verbraucher verträgliche Produkte

Wer zu Allergien neigt oder eine empfindliche Haut hat, sollte sich nicht auf Werbeversprechen wie „sensitiv“ oder Naturkosmetik vertrauen. Zum einen handelt es sich hierbei nicht um rechtlich geschützte Begriffe, zum anderen können auch natürliche Inhaltsstoffe allergisierend wirken. Allergiker, Asthmatiker und Neurodermitiker sollten sich besser an speziellen Allergie-Siegel orientieren – etwa dem DAAB-Logo des Deutschen Allergie- und Asthmabundes, dem ECARF-Siegel der Europäischen Stiftung für Allergieforschung oder dem DHA-Siegel der Deutschen Haut- und Allergiehilfe. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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