Nahaufnahme der Hände einer Frau, die sich die Nägel der rechten Hand mit rotem Nagellack lackiert (Symbolbild).
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Nagellack sieht hübsch aus, doch er kann auch Kontaktallergien auslösen (Symbolbild).

Kontaktallergene

Allergieauslöser in Kosmetik: Sind allergische Reaktionen auf Nagellack möglich?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Lackierte Nägel sehen schön aus, doch Nagellack enthält Inhaltsstoffe, die Kontaktallergien auslösen können. Eine sorgfältige Auswahl des Kosmetikprodukts und die richtige Anwendung können das Risiko reduzieren.

Berlin – Wer schöne und gepflegte Nägel haben will, greift gerne zu Nagellack. Doch in vielen konventionellen Produkten stecken gesundheitsgefährdende Stoffe, wie in der Vergangenheit unter anderem Untersuchungen von Öko-Test gezeigt haben. Einige von ihnen gelten als potenziell krebserregend und fruchtbarkeitsschädigend, andere können Kontaktallergien auslösen. Problematisch sind sie zum einen, weil der Nagel durchlässig für Schadstoffe ist. Zum anderen können sie als Dämpfe in die Raumluft gelangen und eingeatmet werden. Besser ist es deshalb, auf Naturkosmetik auszuweichen und Nagellack nicht täglich, sondern nur zu besonderen Anlässen zu tragen.

Allergieauslöser im Alltag: Kann Nagellack allergische Reaktionen auslösen?

Häufig enthalten Nagellacke sogenannte Nitrosamine, die nach Einschätzung der Tester von Öko-Test über Nitrozellulose, einer geruchs- und farblosen Masse im Lack, in die Kosmetik gelangen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stuft sie als gentoxische Kanzerogene, also krebserregend ein. Aus diesem Grund sind Nitrosamine in Kosmetika laut EU-Kosmetikverordnung eigentlich verboten. Ausnahmen bilden geringe Mengen („Spuren“) der Substanzen, wenn diese „technisch unvermeidbar“ sind und für die menschliche Gesundheit nicht gefährden. Wer Nitrosamine meiden will, sollte auf schadstoffarmen Nagellack aus dem Naturkosmetik-Sortiment zurückgreifen. Die Produkte sind im Schnitt allerdings deutlich teurer als herkömmliche Kosmetik. (Allergien auf Naturkosmetik: Warum natürlich nicht unbedingt verträglicher ist)

Neben Nitrosaminen stecken häufig weitere ungesunde Stoffe in Nagellack, wie bedenkliche UV-Filter ( Benzophenon-1, Octocrylen), Weichmacher (Acetyltributylcitrat oder Dibutylphthala) und Lösungsmittel (z.B. Styrol oder Toluol). Eine hormonelle Wirkung der UV-Filter konnte nach Angaben von Öko-Test bereits in Tierstudien nachgewiesen werden. Die Auswirkungen von Acetyltributylcitrat auf die menschliche Gesundheit sind noch nicht ausreichend erforscht. Styrol kann Atemwege, Haut, Augen und Schleimhäute reizen und durch Einatmen beim Menschen verschiedene Beschwerden wie Müdigkeit, Übelkeit und Kopfschmerzen hervorrufen.

Allergieauslöser im Alltag: Nagellack kann Kontaktallergien auslösen

Bestimmte Inhaltsstoffe in handelsüblichem Nagellack können zudem Allergien auslösen, darunter phosphororganische Verbindung wie Triphenylphosphat und Acrylate sowie Toluolsulfonamid-Formaldehydharz. Die Kontaktallergie zeigt sich meist durch Ekzeme an Körperpartien, die im Laufe des Tages häufig mit lackierten Nägeln in Kontakt kommen (Gesicht, Hals, Nacken). Häufig sind auch die Augenlider von einem sogenannten „Lidekzem“ betroffen, Fingerekzeme sind dagegen eher selten. Dies führt häufig dazu, dass Nagellack als Allergieauslöser lange unerkannt bleibt.

Nach Angaben des Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München nehmen kontaktallergische Reaktionen auf Acrylate in Nagellack in vielen europäischen Ländern zu. Acrylate kommen auch als Kleber zum Befestigen und Aushärten künstlicher Nägel zum Einsatz. Besonders häufig betroffen sind Angestellte von Nagelstudios, die oft mit den Substanzen in Berührung kommen. Aber auch Anwenderinnen, die häufig oder gelegentlich Nagellack verwenden, können eine Kontaktallergie gegen Nagellack entwickeln. (Berufsbedingte Allergien: Was Betroffene zu Berufskrankheiten wissen müssen)

Allergieauslöser im Alltag: Sollte ich auf Nagellack besser verzichten?

Nagellack ist und bleibt ein Fremdstoff für den Körper und kommt nie ganz ohne Chemie aus. Wer nicht ganz auf Nagellack verzichten möchte, kann aber auf verträglichere Naturkosmetik-Produkte ausweichen. Darüber hinaus kann die richtige Anwendung mögliche Risiken für die Gesundheit deutlich reduzieren:

  • Vermeiden Sie es, Lackdämpfe einzuatmen. Tragen Sie Nagellack nur in gut durchlüfteten Räumen auf
  • Besonders in bunten Nagellacken stecken häufig Spuren von Nitrosaminen. Besser ist es, auf Klarlack oder Naturkosmetik mit „Free“-Formeln (3-Free-, 4-Free- oder 5-Free-Lacke) zurückzugreifen
  • Nagellack und Nagellackentferner trocknen die Nägel stark aus. Gönnen Sie ihnen regelmäßig eine Pause und pflegen Sie die Nägel mit Nagelöl, Nagelbalsam oder Olivenöl
  • Verwenden Sie nur acetonfreien Nagellackentferner
  • Tragen Sie Nagellack möglichst nur zu besonderen Anlässen auf
  • Wer von einer Kontaktallergie betroffen ist, sollte die Inhaltsstoffe des Nagellacks mit seinem Allergiepass vergleichen bevor er ein Produkt aufträgt

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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