Eine Frau schaut sich Kleidung in einem Geschäft an (Symbolbild).
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Verschiedene Öko-Siegel zeichnen schadstoffarme Kleidung aus (Symbolbild).

Es drohen Kontaktallergien

Textilien ohne Schadstoffe: Die wichtigsten Siegel für giftfreie Kleidung

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Die meisten Textilien enthalten bedenkliche Schadstoffe. Gelangen die Chemikalien auf die Haut, können sie langfristig der Gesundheit schaden. Worauf Verbraucher beim Kauf neuer Kleidung achten sollten.

Mönchengladbach – Farbe, Pestizide und Weichmacher: In neuer Kleidung und Textilien stecken häufig giftige Schadstoffe, die Hautreizungen und Allergien auslösen können. Klamotten ohne gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe zu finden, ist nicht einfach. Bisher müssen Hersteller nur die Art der verwendeten Fasern deklarieren. Informationen zu Farbmitteln oder anderen Chemikalien sind noch nicht vorgesehen. Viele Inhaltsstoffe sind zudem laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) weder auf ihre Umweltrelevanz noch auf ihre gesundheitlichen Auswirkungen geprüft. Spezielle Güte-Siegel können Verbrauchern jedoch bei der Wahl helfen - und sie so vor den krankmachenden Giftstoffen schützen.

1. Kleidung ohne Schadstoffen: GOTS-Siegel

Bereits 2002 wurde das Siegel von Bio-Baumwollproduzenten, Vertretern der Textilindustrie und verschiedenen Nichtregierungsorganisationen entwickelt. Textilien, die dem Global Organic Textile Standard (GOTS) entsprechen, bestehen zu mindestens 70 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern. Die restlichen 30 Prozent dürfen aus Recyclingfasern wie recyceltem Polyester beigemischt werden. GOTS regelt zudem die gesamte Produktionskette und prüft auch soziale Standards.

Das GOTS-Siegel ist nicht nur das bekannteste Siegel, sondern auch das am häufigsten vergebene. Eine Garantie für schadstofffreie Kleidung ist das GOTS-Siegel jedoch nicht: Rückstände von Chemikalien und Farbstoffe können in den geprüften Textilien trotzdem enthalten sein. (Schadstoffe in Textilien: Darum muss man Kleidung vor dem ersten Tragen waschen)

2. Kleidung ohne Schadstoffen: Bluesign-Siegel

Bereits 2000 gründeten Schweizer Textil-und Chemieexperten das Bluesign-Siegel. Seitdem überwachen Wissenschaftler und Nachhaltigkeitsexperten die Entwicklung der Standards. Das Bluesign-Siegel legt Richtlinien für den Gebrauch von Chemikalien fest. Ausgezeichnet wird ausschließlich Kleidung, deren gesamter Herstellungsprozess möglichst umweltschonend ist. Das ist besonders für Allergiker von Bedeutung, denn das Bluesign-Siegel reguliert zahlreiche bedenkliche Chemikalien.

Obwohl die Entwickler des Bluesign-Siegel sich zum Ziel gesetzt haben, Umwelteinflüsse der Textilindustrie zu verringern, sind die festgelegten Standards laut Greenpeace eher unzureichend. So gibt es bisher keine Grenzwerte oder Abwassertests, um die Umweltbelastung zu überprüfen.

3. Kleidung ohne Schadstoffen: IVN Best Siegel

Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) gehört zu den strengsten Prüfern der Kleidungsbranche. Um das Siegel zu erhalten, dürfen Hersteller in der gesamten Lieferkette - vom Anbau der Fasern bis zum fertigen Kleidungsstück - keines der wichtigsten Chemikalien verwenden. Auch für den Anbau und die Verarbeitung der Fasern gelten beim IVN-Siegel strenge Sozialstandards.

Die gleichen strengen Kriterien gelten ebenfalls für IVN-geprüfte Lederwaren. So darf bei der Produktion nur Naturleder verwendet werden, dass als Nebenprodukt aus der Fleischgewinnung stammt. Verboten sind Verfahren wie die Chromgerbung sowie nicht pflanzliche Farbstoffe mit Schwermetallen. Hersteller müssen zudem dafür sorgen, dass das bei der Herstellung verwendete Wasser gründlich gereinigt wird. (Allergie-Risiko durch Chromat: Gerbstoffe in Leder können Kontaktekzeme auslösen)

4. Kleidung ohne Schadstoffen: Made in Green Siegel

Laut der Umweltorganisation Greenpeace gehört das Made in Green-Siegel zu den anspruchsvollsten Siegeln auf dem deutschen Markt. Fabriken, in denen Made in Green-produzierte Kleidung hergestellt wird, müssen sich daher an strikte Regeln halten. Welche Anforderungen Anwärter erfüllen müssen, ist im umfassenden Nachhaltigkeits-Programm „Sustainable Textile Production“ (STeP) zusammengefasst. Dabei decken die Standards sowohl den Gebrauch von Chemikalien, das Umwelt- und Qualitätsmanagement und die Arbeitssicherheit ab. Auch für Baby-Kleidung gelten strengste Richtlinien. Zudem werden die Textilien mithilfe des Oeko-Tex Standards 100 schadstoffgeprüft. Einziger Nachteil: Made in Green-geprüfte Kleidung darf auch aus Recycling- und Mischgewebe hergestellt werden, das schränkt die Kreislauffähigkeit ein.

5. Kleidung ohne Schadstoffen: Der Blaue Engel

Auch das Umweltbundesamt hat ein eigenes Siegel entwickelt. Leider bisher ohne einen Lizenznehmer - und das, obwohl es durchaus für die Industrie umsetzbar wäre. So können Hersteller alle Textilien, auch Outdoor- und Funktionsware, mit dem Blauen Engel zertifizieren lassen. Auch die im Vergleich eher niedrigen Chemikalien-Grenzwerte machen es den Herstellern nicht allzu schwer. Der Blaue Engel kennzeichnet zudem Textilien, die unter Einhaltung hoher Umweltstandards produziert werden. Das Siegel stellt darüber hinaus Anforderungen an den gesamten Produktionsprozess und deckt sowohl Natur- als auch Kunstfasertextilien ab.

6. Kleidung ohne Schadstoffe: EU-Ecolabel

Das EU-Ecolabel ist wie der Name schon sagt, das offizielle Umweltzeichen der Europäischen Union (EU). Entwickelt wird es gemeinsam von Vertretern der EU-Mitgliedstaaten, Umwelt-, Verbraucher- und Industrieverbänden, Gewerkschaften, Handel, kleineren und mittleren Unternehmen. Das EU-Ecolabel hat zum Ziel, auf umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen hinzuweisen. Auch Hersteller von Textilien müssen daher umweltfreundliche Prozesse entlang des gesamten Produktionsweges nachweisen. Zudem begrenzt das Label gesundheitsschädliche Substanzen in den Textilien. Häufig sind die Grenzwerte jedoch deutlich schwächer, verglichen mit anderen Textilstandards. (Leggins-Syndrom: Schwarze Leggings, Strumpfhosen und Socken können eine Textildermatitis auslösen)

7. Kleidung ohne Schadstoffe: Oeko-Tex Standard Siegel 100

Das Oeko-Text Standard Siegel 100 gehört in Deutschland zu den am weitesten verbreiteten Siegeln. Besonders Allergiker profitieren von den hohen Standards des Siegels. So prüft das Oeko-Tex Standard Siegel 1000 nur die Schadstoffrückstände im Endprodukt. Chemikalien in der Produktionskette werden nicht beachtet. Für Herstellung und Umweltschutz gibt es keine Auflagen. Das Siegel dient daher in erster Linie dem Verbraucherschutz.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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