Spekulatius, Lebkuchen und anderes Gebäck ist in einer roten und in einer grünen Blechdose arrangiert (Symbolbild).
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Endlich wieder Plätzchenzeit! Doch Allergiker müssen bei manchen Zutaten vorsichtig sein (Symbolbild).

Allergien zur Weihnachtszeit

Allergische Reaktionen auf weihnachtliche Gewürze: Nie wieder Weihnachtsplätzchen?

  • vonChristine Pander
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Weihnachtszeit ist Plätzchenzeit! Doch Allergikern könnte die Zeit der Naschereien nicht bekommen, denn allergische Reaktionen auf bestimmte Gewürze und andere Zutaten sind möglich.

Mönchengladbach – Anis, Zimt, Kardamom, Koriander: all das sind beliebte Zutaten der Weihnachtsbäckerei. Doch Vorsicht –Menschen, die unter Heuschnupfen leiden, sollten sich beim Verzehr der Gewürze zurückhalten. Denn Anis, Zimt und Plätzchen mit Haselnuss enthalten unter Umständen Stoffe, die allergieauslösenden Proteinen in Pollen ähneln. Selbst im Winter kann es so zu einer allergischen Reaktion kommen, die eigentlich auf den Heuschnupfen zurückzuführen ist. Experten nennen das eine Kreuzallergie.

Allergische Reaktionen auf Gewürze: Warum Kreuzallergien auftreten können

Wer im Frühjahr und Sommer auf unterschiedliche Pollen von Gänsefuß, Spitzwegerich, Beifuß oder Sauerampfer reagiert, ist gut beraten, wenn er auch auf Weihnachtsgewürze, wie sie beispielsweise in Lebkuchen enthalten sind, verzichtet. Darunter fallen:

  • Nelken
  • Koriander
  • Anis
  • Zimt

Denn die Allergene mancher Pollen ähneln den Gewürz-Proteinen teilweise so stark, dass der Körper sie nicht unterscheiden kann. Dann reagiert das Immunsystem auf die Doppelgänger.*

Allergiker, die auf Baumpollen reagieren, müssen zudem mit allergischen Reaktionen rechnen, wenn sie Nüsse oder Plätzchen mit Nussanteil verzehren. Nüsse gelten in der Weihnachtsbäckerei sogar als stärkste Allergieauslöser, neben Erdnüssen sind das zum Beispiel Paranüsse und Walnüsse. Schon kleine Mengen (Spuren) können ausreichen, um Haut- oder Schleimhautreaktionen bei Allergikern hervorzurufen.

Allergische Reaktionen auf Gewürze: Wann eine Ernährungsberatung sinnvoll ist

Nuss ist aber nicht gleich Nuss: „Es ist ein Unterschied, ob ich Mandeln mit Haut oder ohne Haut verarbeite“, sagt Sonja Lämmel, Sprecherin des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB). Demnach gibt es Allergiker, die die weißen, geschälten Mandeln sehr gut vertragen. Andere dürfen keine Mandeln essen, vertragen aber Macadamianüsse. „Das ist alles ganz individuell und nur im Rahmen einer allergologischen Ernährungstherapie sinnvoll herauszufinden“, sagt die Ökotrophologin. Allergenarm, also wenig allergieauslösend, sind zum Beispiel Kokosnuss und Pinienkerne.

Kommt es zu einer allergischen Reaktion, deutet sich das oft durch ein Kribbeln auf der Zunge oder den Lippen an. Bei Menschen, die stark allergisch reagieren und zu Anaphylaxien neigen, kann der Blutdruck stark abfallen und der Herzschlag erhöht sich möglicherweise. Sie sollten als Notfall ins Krankenhaus gebracht werden. Da betroffene Allergiker aber meist um ihr Leiden wissen, sollten sie alles daran setzten, allergieauslösende Stoffe zu meiden.

Allergische Reaktionen auf Gewürze: Orientierung auf verpackten Lebensmitteln gibt die Inhaltsliste

Erleichtert wird ihnen die „Allergenkarenz“ dadurch, das auf abgepackten Lebensmitteln aus dem Supermarkt allergene Substanzen auf der Inhaltsliste angegeben sein müssen. Auch bei unverpackter Ware (z. B. an Bedienungstheken) ist eine Information über Allergene mittlerweile verpflichtend. Die EU-weite Kennzeichnungsvorschrift gilt für die 14 Hauptallergieauslöser, darunter unter anderem Schalenfrüchte und Nüsse.

Gewürze zählen allerdings nicht dazu: Nur wenn eine Gewürzmischung über 2 Prozent von einem Lebensmittels beträgt, müssen die Einzelgewürze aufgelistet werden.

Für alle Naschkatzen hat Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund dennoch gute Nachrichten: „Fakt ist, dass nur selten und nur wenige Gewürze bei unseren Allergikern eine Rolle spielen können“. Bei den Pollenallergikern ergeben sich der Ökotrophologin zufolge immer wieder falsch positive Ergebnisse bei Haut- und Bluttestungen in Bezug auf Gewürze. „Da hier nur wenig Aufklärung stattfindet, werden diese verdächtigen Allergieauslöser meist allumfassend gemieden. Dies muss aber nicht sein – gerade durch das Backen wird die Allergenität zerstört und die Gewürze werden häufig gut vertragen“, so die Expertin.

*Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren nicht beantwortet werden.

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