Birkenpollen und Äpfel

Kreuzallergien: Wenn das Immunsystem auf Doppelgänger reagiert

  • Laura Knops
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Wer unter Heuschnupfen leidet, der reagiert möglicherweise auch auf bestimmte Lebensmittel. Kreuzallergien machen vor allem Pollenallergikern häufig das Leben schwer.

  • Manche Menschen reagieren nicht nur auf Pollen allergisch, sondern auch auf bestimmte Lebensmittel.
  • Bei einer Kreuzallergie lösen Proteine in Lebensmitteln, die den ursprünglichen Allergenen gleichen, ebenfalls allergische Beschwerden aus.
  • Ist die Kreuzallergie nicht bekannt, kann das für die Betroffenen schnell gefährlich werden.

Mönchengladbach – Gräser und Tomaten, Latex und Bananen, Birke und Apfel: Häufig reagieren Allergiker nicht nur auf einen Auslöser allergisch. Vertragen Heuschnupfen-Geplagte auch bestimmte Lebensmittel nicht, handelt es sich meist um eine sogenannte Kreuzallergie. So können auch bestimmte Lebensmittel und Inhaltsstoffe bei Menschen mit Pollenallergie unangenehme allergische Beschwerden auslösen. Doch nicht immer wird die Kreuzallergie sofort erkannt.

Kreuzallergie: Immunsystem reagiert auf Doppelgänger

„Die Ursache liegt darin, dass in beiden Allergenquellen identische oder ähnliche Strukturen vorhanden sind und das Immunsystem plötzlich Ähnlichkeiten erkennt“, sagt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). Es reagiert also auf einen Doppelgänger. „In der Literatur wird die Kreuzreaktivität meist bei Pollensensibilisierungen und Nahrungsmittelallergien besprochen“, erklärt der Dermatologe Prof. Birger Kränke. Hier reagiert dann das Immunsystem nicht nur auf die dem Allergiker bekannten Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare, sondern eben auch auf bestimmte Lebensmittel.

„Manche Allergiker begeben sich sogar in Gefahr“, sagt Kränke. Denn selbst wenn ein mit seiner Pollenallergie vertrauter Patient die für ihn typischen saisonalen Beschwerden kennt, heißt das nicht, dass er etwa auch das Auftreten allergischer Symptome nach dem Konsum von bestimmten Nahrungsmitteln richtig einordnen kann. Denn im schlimmsten Fall kann der Kontakt zu dem unbekannten Allergieauslöser in einem lebensbedrohlichen allergischen Schock enden, so Kränke, der die Allergieambulanz am Universitätsklinikum Graz leitet. Aus dem Grund sind Kreuzreaktionen ein wichtiges Thema im Alltag allergischer Patienten.

Kreuzallergien: Birkenpollenallergiker reagieren häufig auch auf Äpfel

„Wer an Heuschnupfen leidet - in den Industrieländern sind das mittlerweile mindestens 15 Prozent der Erwachsenen sowie bis zu 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen -, reagiert oft bis zu 50 Prozent auch allergisch auf bestimmte Nahrungsmittel“, sagt Kränke. Lämmel ergänzt, dass die Anzahl der Menschen mit Pollenallergie, die gleichzeitig an einer pollenassoziierten Lebensmittelallergie leiden, in den vergangenen Jahren zugenommen habe.

Inzwischen haben sich bestimmte Kreuzallergie-Syndrome etabliert. Liegt etwa eine Allergie gegen Birkenpollen vor, besteht das Risiko, auch auf Apfel, Haselnuss oder Soja allergisch zu reagieren. Das zahlenmäßig bedeutsamste ist jedoch das Birkenpollen-Nuss-Kernobst-Syndrom: Ist das Immunsystem also auf Birkenpollenstrukturen sensibilisiert, kann es auch auf Apfel, Pfirsich, Nektarine, Kirsche, Zwetschge, Hasel- und Walnuss und Soja reagieren. Ebenfalls verbreitet sind das Sellerie-Karotten-Beifuß-Gewürz-Syndrom und das Hausstaubmilben-Krustazeen-Mollusken-Syndrom - hierbei kann der Verzehr von Garnelen oder Muscheln für Hausstauballergiker zu Problemen führen.

Zu den häufigsten Kreuzreaktionen gehören laut der Europäischen Allergiestiftung (ECARF):

  • Baumpollen (beispielsweise Birken oder Hasel): Apfel, Pfirsich, Pflaume, Nektarine, Kiwi, Kirsche, Birne, Mandel, Nüsse, Sellerie, Soja, Kartoffeln, Litschi
  • Ambrosia: Melone, Banane, Tomaten, Gurke
  • Beifuß: Möhren, Sellerie, Kümmel, Petersilie, Koriander, Anis, Fenchelsamen, Mango, Weintrauben, Litschi, Sonnenblumenkerne
  • Latex: Banane, Avocado, Kartoffel, Tomate, Kiwi, Ananas, Kastanie, Sellerie, Feige

Im Vergleich treten folgende Kreuzallergien eher selten auf:

  • Hausstaubmilben: Schalentiere wie Garnelen, Krabben, Hummer
  • Eschenpollen / Olivenpollen: Ananas, Meerrettich
  • Gummibaum: Feige
  • Vogelfedern / Kot: Ei, Geflügel, Innereien
  • Tierhaare: Kuhmilch, Fleisch und Innereien

Kreuzallergie: Symptome und Vorbeugung

Die Symptome einer Kreuzreaktion zeigen sich meist zuerst an den Körperstellen, die direkt mit dem Kreuzallergen in Berührung kommen: „Kribbeln im Mund, Kratzen im Hals oder ein pelziges Gefühl auf der Zunge sind die häufigsten“, erklärt Lämmel. Fließschnupfen, juckende Augen oder Hustenreiz sind ebenfalls möglich. Selten kann es laut dem Dermatologen Birger Kränke zu einer massiven Ausweitung der Reaktion kommen, so dass auch weitere Organe wie die Lunge (Asthma), Haut (Nesselausschlag, Flush) oder der ganze Körper (anaphylaktischer Schock) reagieren können.

Vermeiden lassen sich Kreuzreaktionen nur, wenn Kreuzallergien untersucht und diagnostiziert wurden. Der Mediziner Kränke rät allen Betroffenen, bei bestimmten Allergien ein Notfallset mit Antihistaminikum, Kortikosteroid und eventuell einen Adrenalin-Autoinjektor bei sich zu haben. „Die effektivste Maßnahme ist aber, die allergieauslösenden Substanzen zu meiden“, erklärt Kränke.

Kreuzallergien: Allergene vermeiden durch eine Ernährungsumstellung

DAAB-Expertin Lämmel empfiehlt Betroffenen zunächst ihre Ernährung unter die Lupe zu nehmen. Eine Ernährungstherapie, bei der individuell erarbeitete Meidungsempfehlungen ausgesprochen werden, kann Allergikern helfen die Allergieauslöser zu identifizieren und zu vermeiden. Denn häufig zeigen sich in einem Allergietest „stumme Sensibilisierungen“: Das heißt, der Test ist wegen der Kreuzreaktion zwar positiv, aber der Verzehr des Nahrungsmittels führt zu keiner allergischen Reaktion, erklärt Lämmel. Gerade bei einer vermuteten pollenassoziierten Kreuzreaktion erlaubt erst die Auswertung verschiedener Tests oder ein Blutergebnis und vor allem das Ernährungs- und Symptomprotokoll ein verlässliches Urteil. (Mit Material von Angelika Mayr/dpa)

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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