Eine Frau schneidet Karotten auf einem Schneidebrett. Im Bild liegen außerdem Paprika und eine Aubergine (Symbolbild).
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Wer allergisch auf Beifußpollen reagiert, verträgt häufig auch keine rohen Möhren und Paprika. Das Gemüse zu erhitzen erhöht die Verträglichkeit (Symbolbild).

Kreuzreaktionen

Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie: Diese Allergene werden beim Erhitzen zerstört

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Bei Pollenallergikern kann es zu Kreuzreaktionen auf bestimmte Obst- und Gemüsesorten kommen. Die Nahrungsmittel zu erhitzen kann helfen, allergen wirkende Stoffe in den Lebensmitteln zu zerstören und sie verträglicher zu machen.

Berlin – Nahrungsmittelallergien sind relativ häufig: Etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung ist betroffen. Unter den Erwachsenen ist nach Angaben des Charité in Berlin vor allem die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie verbreitet. Dabei reagieren Betroffene aufgrund einer bestehenden Pollenallergie auf bestimmte Stoffe in Lebensmitteln, die den Pollen-Allergenen ähneln. Es kommt praktisch zu einer Verwechslung des Immunsystems, man spricht von einer Kreuzallergie. Die gute Nachricht: Die meisten dieser Nahrungsmittelallergene sind hitzelabil, das bedeutet, sie führen nur im rohen Zustand zu allergischen Symptomen.

Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie: Orales Allergiesyndrom durch Kreuzallergie

Allergiker, die von Heuschnupfen betroffen sind und bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen, haben wahrscheinlich eine Kreuzallergie entwickelt. Grund dafür sind bestimmte allergen wirkende Eiweiße im Gemüse und Obst, die Pollen-Allergenen, etwa von Gräsern, Getreide, Bäumen oder Kräutern ähneln. Neben Heuschnupfen-Symptomen, leiden sie deshalb nach dem Verzehr dieser Lebensmittel auch an den typischen Beschwerden einer Nahrungsmittelallergie, etwa dem oralen Allergiesyndrom. Es zeigt sich durch Symptome wie:

  • Kribbeln an Zunge und Hals
  • Juckreiz im Bereich des Gaumens
  • bei schweren Reaktionen: Schwellungen an Lippe, Zunge und Hals sowie Atemwegsbeschwerden/Luftnot

Meist klingen die Symptome nach wenigen Minuten wieder ab. In sehr schweren Fällen droht jedoch ein anaphylaktischer Schock und damit Lebensgefahr. Sind schwere Allergien bekannt, ist es deshalb wichtig, immer das Allergie-Notfallset bei sich zu führen.

Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie: Diese Allergene werden durch Erhitzen unschädlich gemacht

Am häufigsten kommt es zu Kreuzreaktionen, auch sekundäre Nahrungsmittelallergie genannt, bei Birkenpollenallergien, Beifußpollenallergien und Gräser- bzw. Getreidepollenallergien.

Die klassischen Kreuzallergene zu Birkenpollen sind nach Angaben des Allergiezentrums der Charité:

  • Stein- und Kernobst, wie Apfel, Birne, Kirschen, Pflaumen und Nektarinen
  • Nüsse, wie Hasel-, Para- und Walnuss
  • Gemüse wie Sellerie und Möhren
  • Verschiedene Gewürze

Zu den klassischen Kreuzallergenen zu Beifußpollen zählen:

  • Sellerie, Möhren, Paprika
  • Verschiedene Kräuter und Gewürze, zum Beispiel Anis, Fenchel und Pfeffer sowie Knoblauch

Bekannte Kreuzallergene zu Gräser- und Getreidepollen sind:

  • Soja
  • Verschiedene Getreidemehle
  • Erdnüsse

Ein Großteil, dieser pflanzlichen Nahrungsmittelallergene ist hitzelabil, das bedeutet sie lösen nur im rohen Zustand allergische Beschwerden aus. Werden sie hingegen erhitzt, sind sie meist gut verträglich. Das liegt daran, dass sich beim starken Erhitzen durch Backen, Braten oder Kochen die Struktur der Allergene ändert. Aus diesem Grund ist, anders als bei primären Nahrungsmittelallergien, eine vollständige Allergenkarenz in Form von strengen Auslassdiäten bei Kreuzallergien meist nicht nötig. Davon ausgenommen sind Sellerie, Kräuter und bestimmte Gewürze, die trotz Kochen bzw. Backen Probleme bereiten können.

Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie: Verträglichkeit individuell austesten

Neben Erhitzen kann auch die Jahreszeit für der Verträglichkeit eine Rolle spielen. So reagieren zum Beispiel Apfelallergiker laut Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München häufig nur während der Pollensaison auf den Verzehr roher Äpfel mit allergischen Beschwerden.

Wie gut Betroffene bestimmte Nahrungsmittelallergene im erhitzten Zustand vertragen, muss immer individuell und unter ärztlicher Aufsicht getestet werden. Sind Lebensmittel auch nach dem Erhitzen nicht bekömmlich, hilft lediglich eine Eliminationsdiät, die Allergiker immer mit einem geschulten Ernährungsberater abstimmen sollten, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. In einigen Fällen kann bei Kreuzallergien auch eine spezifische Immuntherapie gegen die bestehende Pollenallergie helfen,* bestimmte Lebensmittel wieder zu vertragen. In der Regel wird sie der Arzt jedoch nur empfehlen, wenn auch die Pollenallergie erhebliche Beschwerden bereitet.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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