Es ist eine Schale Erdnüsse zu sehen (Symbolbild).
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Erdnüsse sind anders als viele denken keine Nüsse, sondern gehören zu den Hülsenfrüchten (Symbolbild).

Immuntherapie mit Erdnussproteinen

Erdnussallergie: Neue Therapie für Betroffene nun auch in Europa zugelassen

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Die Erdnussallergie gehört zu den gefährlichsten Nahrungsmittelallergien überhaupt. Schon Spuren der Hülsenfrüchte können zu heftigen allergischen Symptomen, bis hin zu einem allergischen Schock, führen. Ein neues Medikament macht Betroffenen nun Hoffnung.

Mönchengladbach – Schon kleinste Spuren können bei Betroffenen mit einer Erdnussallergie zu einem allergischen Notfall führen. Im schlimmsten Fall kann dieser sogar tödlich enden*. So gehen die meisten nahrungsmittelbedingten allergischen Todesfälle in den USA auf eine Erdnussallergie zurück. Anders als viele andere Nahrungsmittelallergien bleibt eine Allergie gegen Erdnüsse zudem häufig ein Leben lang bestehen. Eine neu zugelassene Therapie macht Betroffenen nun Hoffnung. Mithilfe einer sogenannten Immunisierung lassen sich allergische Beschwerden bei Kindern und Erwachsenen langfristig verringern.

Allergie gegen Erdnüsse: Neue Therapie gegen allergische Reaktionen nun auch in Europa zugelassen

„Palforzia“, auch als AR101 bekannt, ist das erste prophylaktische Mittel zur Vorbeugung eines durch Erdnüsse ausgelösten allergischen Schocks. Bei dem Medikament handelt es sich um ein Proteinpulver, das aus Erdnüssen hergestellt wird. Es enthält also einen gewissen Anteil an Erdnuss-Allergenen. Zur optimalen Dosierung befindet sich das Pulver in speziellen Kapseln, deren Inhalt auf dem Essen verteilt wird.

Nehmen Patienten das Pulver regelmäßig in sehr niedrigen Mengen ein, gewöhnt sich der Körper nach und nach an die Erdnuss-Allergene. Das körpereigene Abwehrsystem reagiert in Folge dessen immer weniger auf die vermeintlichen Eindringlinge und die Symptome schwächen ab.

Allergie gegen Erdnüsse: Europäische Zulassung bereits seit 2020

Bereits im vergangenen Jahr hat die US-Arzneimittelbehörde FDA die sogenannte spezifische Immuntherapie zugelassen. Kurze Zeit später erteilte auch die Europäische Union ihre Erlaubnis. Nun soll die spezielle Hyposensibilisierung ab Mai auch in Deutschland auf den Markt kommen, wie die Europäische Allergiestiftung (ECARF) mitteilte. Doch warum wurde das Mittel in Europa erst viel später als in den USA zugelassen?

Laut Kirsten Beyer, Leiterin des kinderallergologischen Studienzentrums und Professorin an der Charité Universitätsmedizin Berlin, liegt das vor allem daran, dass zunächst zu wenig Daten zu europäischen Patienten bei der Entwicklung berücksichtigt wurden. Nun ist auch der zweite Teil der ARTEMIS-Studie (AR101 Trial in Europe Measuring Oral Immunotherapy Success) in Europa abgeschlossen.

Allergie gegen Erdnüsse: Risiko einer allergischen Reaktion bleibt bestehen

Doch auch wer das Mittel einnimmt, darf Erdnüsse keinesfalls unbedacht essen. Denn auch wenn die Reaktion durch die Behandlung gehemmt wird, lässt sich die Allergie nicht heilen. „In Verbindung mit Expositionsmeidung stellt Palforzia eine FDA-zugelassene Therapieoption dar, die das Risiko für allergische Reaktionen bei Kindern mit Erdnussallergie reduzieren kann“, erklärte Dr. Peter Marks von der FDA in einer Mitteilung der Behörde. Patienten sollten daher auch weiterhin einen Adrenalin-Pen zur Sicherheit immer dabei haben.

Die Kosten werden Patienten in Zukunft noch selbst tragen müssen. „Eine EU-Zulassung bedeutet noch lange keine Kostenübernahme durch die Krankenkassen“, sagte Kirsten Beyer gegenüber dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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