Fettreiche Fischarten wie Lachs bieten einen weitaus höheren Anteil an langkettigen Omega-3-Fettsäuren als fettarme Arten (Symbolbild).
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Speisen mit Fisch und Meeresfrüchten können allergische Symptome auslösen (Symbolbild).

Allergie auf Meeresfrüchte und Fisch

Fisch- und Meeresfrüchteallergie: Ursachen, Symptome und Behandlung

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Fisch- und Meeresfrüchteallergie: Mit ausreichend Hintergrundwissen zur Therapie und Symptomatik ist trotz Intoleranz eine ausgewogene Ernährung möglich.

  • Der Verzehr von Fisch und anderen Meerestieren kann Allergiebeschwerden hervorrufen.
  • Betroffene können im schlimmsten Fall einen anaphylaktischen Schock erleiden.
  • Mit einem Allergietest lässt sich eine zuverlässige Diagnose stellen.

Bonn – Bei einer Fisch- und Meeresfrüchteallergie handelt es sich um eine Nahrungsmittelallergie, die sowohl im Säuglings- als auch im Erwachsenenalter erstmalig auftreten kann. Wenngleich die Allergie eher selten auftritt, zeichnet sich doch eine wachsende Inzidenzrate ab. Knapp ein Prozent der deutschen Bevölkerung leidet mittlerweile an einer Fischallergie.

Beim Verdacht auf eine Fisch- und Meeresfrüchteallergie kann laut der Stiftung für Allergieforschung (European Centre for Allergy Research Foundation, ECARF), unter der Leitung von Torsten Zuberbier (58) mittels Blut- und Allergietest in der Regel schnell und zuverlässig eine Diagnose gestellt werden. Die Therapie besteht in erster Linie aus einer allergenfreien Ernährung und kann in manchen Fällen mit Nahrungsergänzungsmitteln abgerundet werden. Auch bei Kosmetikartikel müssen Betroffene bestimmte Inhaltsstoffe meiden.

Fisch- und Meeresfrüchteallergie: Ursachen und Auslöser

Fisch wird aufgrund seines hohen Gehalts an Proteinen und ungesättigten Fettsäuren von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGE), dessen Vorsitz Johann Ockenga innehat, als wichtige Energiequelle empfohlen. Gerade der hohe Proteingehalt ist allerdings die Ursache für Fisch- und Meeresfrüchteallergien. Vor allem Parvalbumin Gad c 1, ein Protein, konnte inzwischen als Hauptallergen identifiziert werden. Knapp 70 Prozent der Betroffenen reagieren bei Kontakt mit Gad c 1 allergisch. Parvalbumine kommen besonders in weißem Muskelgewebe gehäuft vor und sind in rotem Fleisch kaum nachweisbar. Da die artenspezifischen Parvalbumine überaus hitzeresistent sind, bleiben sie beim Kochen, Garen und Braten erhalten, weswegen auch verarbeitete Produkte eine allergische Reaktion auslösen können.

Beim Erstkontakt mit dem Allergen wird zunächst das spezifische Immunsystem des Körpers sensibilisiert. Bei erneutem Kontakt mit Fisch und Meeresfrüchten kommt es dann schließlich zur allergischen Symptomatik. Bei einer Typ-I Allergie verursacht der Genuss nun die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren – besonders häufig Mastzellen. Entsprechend reagiert der Körper abwehrend auf das prinzipiell ungefährliche Parvalbumin und die typischen Symptome einer Fisch- und Meeresfrüchteallergie kommen je nach Schweregrad zum Tragen.

Fisch- und Meeresfrüchteallergie? Diese Produkte sind tabu:

  • Schalen- und Krustentiere wie Garnelen, Hummer, Krabben und Krebse
  • Süß- und Salzwasserfische
  • mit Fischen gefütterte Tiere (zum Beispiel Hühner und deren Eier)
  • fischölhaltige Kosmetikprodukte

Fisch- und Meeresfrüchteallergie: Typische Beschwerden

Orale Allergiesymptome sind bei der Fisch- und Meeresfrüchteallergie besonders häufig. Dazu gehören in erster Linie ein unangenehmes, pelziges Gefühl auf der Zunge, Juckreiz im Rachen sowie Schwellungen im Mund- und Rachenbereich, Magenkrämpfe und Erbrechen. Bei einer sehr ausgeprägten Allergie kann schon der Hautkontakt zu Neurodermitisschüben, Schwellungen, Rötungen und Juckreiz führen. Im schlimmsten Fall erleben Betroffene einen anaphylaktischen Schock mit Bewusstseinsstörungen und lebensbedrohlichen Kreislaufkomplikationen. Auch eine ausgeprägte Schwellung im Rachen muss umgehend behandelt werden, da sie ansonsten schnell tödlich verlaufen kann.

Fisch- und Meeresfrüchteallergie: Diagnose und Therapie

Bei Verdacht auf eine Fisch- oder Meeresfrüchteallergie klärt der Arzt zunächst mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) mögliche Ursachen ab. Auch ein Hauttest kann den Verdacht absichern. Im Zweifelsfall kann ein Blut- und Provokationstest schnell Klarheit schaffen, denn IgE-Antikörper (Immunglobuline E), die für die allergische Reaktion verantwortlichen Antikörper, sind schon während der Sensibilisierungsphase im Blut nachweisbar. Der Provokationstest kann beim Hausarzt, Dermatologen oder Allergologen durchgeführt werden. Hierzu wird das verdächtigte Allergen meist oral verabreicht, um die Symptome gezielt auszulösen.

Fisch- und Meeresfrüchteallergie: Behandlung

Bei der Behandlung einer Fisch- und Meeresfrüchteallergie geht es in erster Linie um die Vorbeugung der allergischen Symptome. Besonders effektiv ist eine vegetarische oder vegane Diät. Zahlreiche Rezeptbücher bieten eine Vielzahl an geschmackvollen Alternativen, die noch dazu reich an Nährstoffen sind. Entsprechend können Gerichte mit Fisch und anderen Meerestieren gänzlich aus dem Ernährungsplan gestrichen werden.

Betroffene einer Fisch- und Meeresfrüchteallergie sollten zudem jene Lebensmittel meiden, die mit Fisch und Meeresfrüchten gefüttert wurden. So sind Hühner und deren Eier häufig mit Reststoffen belastet, welche ebenfalls die Allergie hervorrufen können. Kommt es doch einmal zu einem anaphylaktischen Schock, hilft ein Allergie-Notfallset bestehend aus Adrenalinautoinjektor, Cortison (meist als Tabletten) und einem Antihistaminikum. Eine Hyposensibilisierung bei Fisch- und Meeresfrüchteallergien ist bisher nicht möglich.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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