Frontalaufnahme eines Huhns, das in die Kamera blickt (Symbolbild).
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Hühnerfleisch kann primäre Nahrungsmittelallergien auslösen. Forscher haben nun herausgefunden, welches Allergen dafür verantwortlich ist (Symbolbild).

Seltene Nahrungsmittelallergie

Hühnerfleisch-Allergie: Forscher entdecken wichtigen Allergie-Auslöser

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Allergien gegen Hühnerfleisch sind selten, können aber starke Beschwerden auslösen. Forschern ist es nun gelungen, den Allergie-Auslöser im Hühnerfleisch zu charakterisieren.

Madrid/Wien – Allergien gegen Hühnerfleisch sind seltene, aber möglich und können schwere Symptomen auslösen. Welche Moleküle im Geflügel die allergischen Reaktionen hervorrufen, war lange unbekannt. Nun ist es Forschern aus Wien und Madrid offenbar gelungen, das verantwortliche Allergen für die Nahrungsmittelallergie zu identifizieren.

Hühnerfleisch-Allergie: Durch welche Symptome äußert sich die Allergie?

Nur wenige Menschen reagieren allergisch auf Hühnerfleisch. Dabei muss zwischen der primären und der sekundären Allergie auf Geflügelfleisch unterschieden werden. Bei der primären Hühnerfleisch-Allergie kommt es zur Sensibilisierung und zur Bildung von spezifischen Antikörpern beim Verzehr des Fleisches, also beim Kontakt des Allergie-Auslösers mit den Schleimhäuten und dem Verdauungstrakt. Bei der sekundären Hühnerfleisch-Allergie kommt es durch Kontakt mit Allergenen des Huhns, zum Beispiel im Kot oder den Federn, oder den Verzehr von Hühnereiern zur Sensibilisierung und später beim Verzehr von Hühnerfleisch zu allergischen Symptomen. Es handelt sich dabei dann nicht um eine Hühnerfleisch-Allergie sondern um eine Kreuzreaktion auf Moleküle im Fleisch, die den Hühner-Allergenen ähneln. (Allergisch auf Schweinefleisch: Dahinter kann eine Katzenhaarallergie stecken)

Bei einer primären Hühnerfleisch-Allergie handelt es sich um eine Allergie des Soforttyps, das heißt erste Symptome zeigen sich wenige Minuten bis Stunden nach dem Allergenkontakt. Nach Angaben des Allergieinformationsdienstes des Helmholtz Zentrum München treten zunächst meist Beschwerden im Bereich der Mundhöhle oder des Rachens auf, die auch als orales Allergiesyndrom bezeichnet werden. Betroffene klagen dann über:

  • Juckreiz
  • Schwellungen
  • Brennen/Kribbeln

Darüber hinaus kann es auch zu Beschwerden des Magen-Darm-Traktes wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Hautausschlägen kommen. Meist treten sie in Verbindung mit Symptomen anderer Organsysteme auf. Häufig reagieren Betroffenen auch allergisch auf den Verzehr anderer Geflügelsorten. In schweren Fällen kann bereits das Berühren des Hühnerfleisches oder das Einatmen von Dämpfen beim Kochen allergische Reaktionen auslösen. (Gesunde Verdauung: Fünf spannende Fakten über den Darm)

Hühnerfleisch-Allergie: Hauptallergen stammt aus Skelettmuskel

Bisher war nur das Molekül bekannt, welches die sekundäre Hühnerfleisch-Allergie auslöst (Gal d 5), der Allergieauslöser für primäre Hühnerfleisch-Allergien war der Wissenschaft unbekannt. Nun konnten erstmals Forscher des Floridsdorfer Allergiezentrums in Wien und von der Allergieabteilung des Universitätsklinikums La Paz in Madrid in einer Studie den Auslöser für primäre Hühnerfleisch-Allergien identifizieren.

Dazu untersuchten die Wissenschaftler das Blut von 33 Patienten, die allergisch auf Hühnerfleisch reagierten, elf von ihnen litten an einer sekundären, zwölf an einer primären Hühnerfleisch-Allergie. Anschließend stellten die Forscher Proteinextrakte aus rohem, gekochtem und gegrilltem Hühner-, Puten-, Gänse- und Entenmuskelgewebe her, mit denen sie die Blutproben versetzten. Im nächsten Schritt prüften sie, auf welche Proteine die Antikörper in den Proben reagierten. Durch weitere Untersuchungen gelang es ihnen schließlich, ein Molekül zu isolieren, das bei primären Hühnerfleisch-Allergien zu einer Antikörperbindung führt, welches sie als „Gallus domesticus 7 (Gal d 7)“ (Gallus domesticus = lat. für Huhn) bezeichneten.

Damit haben die Wissenschaftler ein wichtiges Allergen gefunden, welches in künstlich hergestellter Form die Diagnostik der primären Hühnerfleisch-Allergie deutlich vereinfachen könnte. Auch eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) könnte in Zukunft möglich sein, schlussfolgern die Forscher.

Hühnerfleisch-Allergie: Kreuzreaktionen beim Verzehr anderer Geflügelsorten möglich

Gal d 7 ist aber nicht nur ein Hauptallergen für Patienten, die gegen Hühnerfleisch sensibilisiert sind. Die Forscher weisen darauf hin, dass Gal d 7-kreuzreaktive Allergene auch bei anderen Geflügelarten nachgewiesen werden konnten. Damit könnte Gald d 7 auch als diagnostisches Markerallergen für andere Geflügelfleischallergien zum Einsatz kommen.

Die Forscher konnten zudem das Allergen in allen Muskelpartien von Hühnern nachweisen (Brust, Beinen und Flügeln). Damit steht fest: Allergiker müssen nicht nur auf das Fleisch, sondern auf alle Teile des Huhns verzichten. Darüber hinaus zeigten die Untersuchungen, dass sowohl Hitze als auch die Verdauung Gal d 7 kaum zerstören. Es kann also auch durch den Verzehr von gekochtem Geflügelfleisch zu einer Sensibilisierung kommen. (Allergie gegen Fisch: Studie zeigt, Kollagen wird als wichtiges Allergen oft übersehen)

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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