Ein Kleinkind mit Geburtstagshut isst Kuchen von einem Teller (Symbolbild).
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Nüsse und Erdnüsse stecken in vielen Lebensmitteln. Ist ein Kind von einer Nussallergie betroffen, müssen Eltern potenzielle Gefahrenquellen kennen (Symbolbild).

Alltag mit Allergien

Kinder mit Erdnuss- und Baumnussallergie: Wichtige Grundregeln erleichtern den Alltag

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Bei Nussallergien reichen oft schon kleinste Mengen des Allergens aus, um schwere Reaktionen auszulösen. Um lebensgefährlichen Situationen vorzubeugen, sollten Eltern von allergischen Kindern im Alltag klare Regeln einführen.

Büdingen – Der Alltag eines Kindes mit Erdnuss- oder Baumnussallergie erfordert Planung, Organisation und Kommunikation. Für Eltern, Kinder und andere Betreuungspersonen ist es wichtig, mögliche „Gefahrenquellen“ zu kennen und zu meiden. Das betrifft normale Aktivitäten wie Treffen mit Freunden, Kindergarten- und Schulalltag genauso wie Kindergeburtstage, Schulausflüge und Urlaub. Nicht immer stoßen Eltern von anaphylaxiegefährdeten Kindern dabei auf Verständnis. Eine gute Kommunikation und klare Verhaltensregeln sind wichtig, damit allergische Kinder einen möglichst unbeschwerten Alltag genießen können.

Kinder mit Erdnuss- und Baumnussallergie: Klare Verhaltensregeln vermitteln

Allergien gehören bei Kindern und Jugendlichen zu den häufigsten Erkrankungen. Vor allem primäre Nahrungsmittelallergien sind in dieser Gruppe deutlich häufiger, als bei Erwachsenen. Sie beruhen auf einer Sensibilisierung gegen bestimmte Eiweißbestandteile in Nahrungsmitteln. Vor allem Erdnussallergiker müssen aufpassen, da sie meist schon auf kleinste Spuren des Allergens mit heftigen Symptomen reagieren. Das Problem: Nüsse und Erdnüsse sind in vielen Nahrungsmitteln enthalten – oft auch dort, wo man sie nicht erwarten würde. Wissen ist deshalb eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen, um schweren allergischen Reaktionen beim Kind (Anaphylaxien) vorzubeugen. Eltern sollten sich dazu in Ernährungsberatungen und Anaphylaxieschulungen beraten lassen und dem Kind klare Verhaltensregeln vermitteln. Das Nuss/Ananaphylaxie Netzwerk (NAN) e.V. hat die wichtigsten Regeln zusammengetragen:

  • Eltern müssen die Zutatenliste von Lebensmitteln immer genau lesen. Kinder sollten Lebensmittel nur verzehren, wenn sie die Freigabe der Eltern haben
  • Kindern, die bereits lesen können, die Zutatenliste genau erklären
  • Kinder müssen das Allergie-Notfallset immer bei sich tragen
  • Vor jedem Essen die Hände gründlich waschen
  • Besteck, Teller, Flaschen, Becher und Strohhalme nicht mit anderen teilen
  • Keine Küsse auf den Mund geben, wenn nicht sicher ist, dass das Gegenüber keine Nüsse/Erdnüsse gegessen hat
  • Bei Gefahr durch Nuss-Produkte: Erwachsene Personen bitten, die Gefahrenquelle zu beseitigen
  • „Nein“ sagen lernen, auch wenn das (erwachsene) Gegenüber versichert, dass ein Lebensmittel keine Nüsse enthält

Kinder mit Erdnuss- und Baumnussallergie: Notfallset immer dabei haben

Besonders wichtig ist, dass Kinder mit schweren Nuss- oder Erdnussallergien immer ein Allergie-Notfallset bei sich tragen. Das gilt auch, wenn sie das Haus nur für kurze Zeit verlassen und nicht planen, außer Haus zu essen. Bei Kita-Kindern müssen die Betreuungskräfte das Notfallset bei sich führen und stets griffbereit haben. Das Notfallset besteht aus einem Cortisonpräparat, einem Antihistaminikum und einem Adrenalin-Autoinjektor, mit dem auch Laien im Notfall das Hormon Adrenalin verabreichen können. Die Medikamente stabilisieren Kreislauf und Blutdruck und wirken abschwellend, bis ärztliche Hilfe eintrifft.

Kinder mit Erdnuss- und Baumnussallergie: Umfeld informieren, eigene Süßigkeiten dabei haben

Eltern, Betreuungspersonen und Lehrer sollten alle Eltern im Umfeld über die Nuss- bzw. Erdnussallergie des Kindes informieren und bitten, keine nusshaltigen Süßigkeiten zu verteilen. Um beim Kind das Gefühl des „Ausgeschlossenseins“ und weiteren Frust zu verhindern, ist es sinnvoll, eigene Süßigkeiten dabei zu haben bzw. im Kindergarten/Klassenzimmer/Kinderhort zu deponieren. (Nussallergie: Vorsicht, diese Lebensmitteln können Spuren von Nüssen enthalten)

Kinder mit Erdnuss- und Baumnussallergie: Verabredungen, Kindergeburtstage, Ausflüge

Auch für Verabredungen, Kindergeburtstage und Ausflüge gilt: Alle Eltern und Betreuungspersonen immer ausführlich über die Nuss- bzw. Erdnussallergie informieren und dem Kind gegebenenfalls eigenes Essen und eigene Süßigkeiten mitgeben. Es ist außerdem wichtig, eine der anwesenden Personen über mögliche Anaphylaxie-Anzeichen sowie die Anwendung des Notfallsets zu informieren, das natürlich auch bei solchen Veranstaltungen nicht fehlen darf. Mit einer Haftungsausschlusserklärung können Eltern Betreuungspersonen bestätigen, dass sie die Medikamente im Notfall verabreichen dürfen und für die Behandlung nicht haften. Das gilt auch für Babysitter.

Falls Betreuungspersonen die Anwendung ablehnen, sollten Eltern selbst vor Ort bleiben. Ab einem gewissen Alter kann auch das Kind selbst die Anwendung der Notfall-Medikamente lernen. (Allergien in Kita und Schule: Was Eltern unbedingt beachten sollten)

In Kino- und Theatersälen sollten Kinder mit schweren Allergien möglichst am Rand sitzen und Armelehnen und Sitze durch Abwischen von möglichen Nussresten befreit werden.

Kinder mit Erdnuss- und Baumnussallergie: Halloween, Adventszeit und Weihnachten

Halloween, Adventszeit und Weihnachten stellen für allergische Kinder und ihre Eltern eine besondere Herausforderung dar. Denn in dieser Zeit werden besonders viele Süßigkeiten verteilt, die zudem noch besonders häufig Nüsse oder Spuren von Nüssen enthalten. Die Mitglieder des NAN empfehlen dazu folgende Regel: Jede Süßigkeit, die nicht gegessen werden darf, können Kinder später bei den Eltern gegen eine erlaubte Süßigkeit eintauschen. Das spart Ärger und Frust und ermöglicht Kindern mit Baumnuss- oder Erdnussallergie trotzdem von Haus zu Haus zu ziehen und Süßigkeiten zu sammeln.

Kinder mit Erdnuss- und Baumnussallergie: Essen gehen

Möchten Eltern mit allergischen Kindern essen gehen, sollten sie sich in Restaurants und Eisdielen immer genau über die Zutaten der angebotenen Speisen informieren. Selbst wenn ein Gericht keine Baumnüsse oder Erdnüsse enthält, kann es bei der Zubereitung oder Lagerung zu Kreuzkontaminationen kommen. Besonders Gaststätten mit afrikanischer, südostasiatischer, chinesischer, mexikanischer oder indischer Küche sind weniger geeignet, da dort häufig Nüsse als Zutat zum Einsatz kommen. (Schwere Nahrungsmittelallergien: So senken Sie das Risiko für Kreuzkontamination in der Küche)

Kinder mit Erdnuss- und Baumnussallergie: Im Urlaub

Müssen Eltern von Kindern mit schweren Nuss- und Erdnussallergien ständig auf der Hut vor potenziellen Gefahrenquellen sein, kann der Urlaub schnell in Stress ausarten. Eine sorgfältige Vorbereitung und das Einholen aller wichtigen Informationen ist deshalb besonders wichtig: Wie ist die medizinische Versorgung vor Ort? Wie ist die Allergenkennzeichnung im Ausland? Wie lautet die Notfallnummer?

Beim Aufenthalt in Ferienwohnungen oder auf dem Campingplatz können betroffene Familien ihr Essen selbst zubereiten und sichergehen, dass keine Allergene darin enthalten sind. Im Inland können Eltern beim Einkaufen zudem auf bekannte Produkte zurückgreifen. Alternativ bietet es sich an, eigene Lebensmittel in den Urlaub mitzunehmen.

Bei geplanten Hotelaufenthalten sollten Eltern die Unterkunft vorab kontaktieren und in Erfahrung bringen, ob sich die Küche auf die Bedürfnisse von Allergikern einstellen kann oder ob alternativ eigenes Essen mitgebracht und verzehrt werden darf. Wichtig ist es auch, auf mögliche Kreuzkontaminationen hinzuweisen. Einige Hotels werben mit „allergikerfreundlichen“ Zertifizierungen. Eltern sollten aber genau recherchieren, ob es sich dabei nicht (wie in vielen Fällen) nur um Hausstaub-, Tierhaar- und Pollenallergiker-freundliche Hotels handelt.

Auch über mögliche Gefahren beim Flug/Zugfahrten müssen sich Eltern vorab informieren. Für die Mitnahme des Adrenalin-Autoinjektors im Passagierraum brauchen Allergiker in der Regel eine ärztliche Bescheinigung.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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