Eine Frau sitzt vor einem Teller mit Brötchen und greift sich an den Bauch (Symboldbild).
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Bei IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien treten die Symptomen meist schon wenige Minuten nach dem Verzehr auf (Symbolbild).

Vorsicht bei Weizen und Kuhmilch

Nahrungsmittelallergien: Wie lange dauert eine allergische Reaktion auf Lebensmitttel?

  • Anna Katharina Küsters
    vonAnna Katharina Küsters
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Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte Eiweiße in Lebensmitteln. Betroffene sollten bei Verdacht einen Arzt aufsuchen, um mögliche Auslöser zu identifizieren und schweren Reaktionen vorzubeugen.

  • Beschwerden nach dem Essen müssen keine Nahrungsmittelallergie sein. Oft steckt eine Unverträglichkeit dahinter.
  • Die Diagnose ist bei einer Nahrungsmittelallergie besonders wichtig, um künftig Allergene meiden zu können.
  • Manchmal werden Allergieauslöser bei einer Nahrungsmittelallergie auch in Maßen vertragen.

Mönchengladbach – Nach dem Essen eines Apfels kribbelt es im Mund, nach einem Glas Kuhmilch schmerzt der Bauch oder nach ein paar Erdnüssen schwillt die Lippe an. Solche Reaktionen können auf eine Nahrungsmittelallergie hindeuten. Rund vier Prozent der Menschen weltweit sind von dieser Krankheit betroffen. Eine Nahrungsmittelallergie tritt häufig in Kombination mit Neurodermitis oder Heuschnupfen bei Pollenflug auf. Sie unterscheidet sich klar von Intoleranzen bzw. Unverträglichkeiten wie etwa der Laktoseintoleranz oder der Histaminintoleranz. Um Beschwerden zu lindern oder bestenfalls zu vermeiden, sollten Allergene genau identifiziert und künftig gemieden werden.

Nahrungsmittelallergie: Das steckt hinter der Nahrungsmittelallergie

Ist ein Mensch von einer Nahrungsmittelallergie betroffen, reagiert sein Immunsystem beim Verzehr bestimmter allergenhaltiger Nahrungsmittel überempfindlich auf diese eigentlich harmlosen Eiweiße. Beim ersten Kontakt mit dem Allergen kommt es zunächst zu einer Sensibilisierung, bei der der Körper sogenannte Immunglobulin-E-Antikörper gegen dieses bildet. Beim erneuten Kontakt mit dem entsprechenden Nahrungsmittel reagieren die Antikörper auf den „körperfremden" Stoff und leiten eine allergische Entzündungsreaktion ein, um den „Eindringling“ zu loszuwerden. Wie der Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) in Mönchengladbach verweist, reagieren Antikörper meist auf bestimmte Teil des Eiweißes beziehungsweise Proteins, nicht aber auf das gesamte Lebensmittel. Die allergische Entzündungsreaktion kann zu verschiedenen körperlichen Symptomen führen: So verstärken sich beispielsweise bei Neurodermitis-Patienten mit Nahrungsmittelallergien die entzündlichen Ekzeme.

Nahrungsmittelallergie: Der Unterschied zur Nahrungsmittelunverträglichkeit

Patienten sollten beachten, dass körperliche Symptome nach dem Essen nicht zwangsläufig auf eine Nahrungsmittelallergie zurückzuführen sind. Häufig ist die Ursache der Beschwerden keine Allergie, sondern eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Im Gegensatz zur Nahrungsmittelallergie, bei der das Immunsystem beteiligt ist, ist die Ursache einer Nahrungsmittelunverträglichkeit meist ein Enzymdefekt. Entsprechend werden auch keine Antikörper gegen Allergene gebildet. In einigen Fällen können auch bestimmte Zusatzstoffe im Essen allergieähnliche Symptome auslösen. Ein ausführlicher Test ist für die Diagnose und eine anschließende Therapie unerlässlich.

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#Anaphylaxie. "Kann Spuren von xxx enthalten." Hier ist ein Brot mit "einer Spur von..." zu sehen. Etwas, was da eigentlich nicht rein gehört. In diesem Fall sieht es nach einem Getreidekorn aus. Wäre diese Spur ein Stückchen Nuss und L. würde es essen, müssten wir (wahrscheinlich) ihr #Notfallset anwenden und den #Notarzt rufen. Gerade beim #Bäcker ist die Gefahr einer #Kreuzkontamination groß. Darum backen wir selber oder kaufen sicheres, abgepacktes Brot. Ich hatte übrigens vor Jahren auch mal eine Spur im Joghurt. Ein Klecks Fruchtjoghurt im Naturjoghurt. Das Foto ist von der lieben Yvonne, danke dafür! @nutallergymom #nussallergie #kannspurenvonnüssenenthalten #anaphylaktischerschock #anaphylaktischereaktion #allergischereaktion #allergie #nahrungsmittelallergie #bedürfnisorientierteelternschaft #bedürfnisorientiert #attachmentparenting #bindungsorientiert #familylife #mom #nutallergy #mutter #mama #lebenmitkind #lebenmitkindern #allergie #nixklusion #allergiker #bindungsorientierteelternschaft #nutallergy #lebenmitanaphylaxie #lebenmitallergie #foodallergymom

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Nahrungsmittelallergie: Primäre und sekundäre Nahrungsmittelallergie

Ärzte unterscheiden zwischen einer primären und einer sekundären Nahrungsmittelallergie. Kinder sind meist von einer primären Nahrungsmittelallergie betroffen: Hierbei kommt es zu Allergie-Symptomen aufgrund einer allergischen Reaktion auf Eiweiße, die Bestandteil von verzehrte Nahrungsmitteln sind. Eine frühe Sensibilisierung mit der Bildung von IgE-Antikörpern findet hier vermutlich über den Verdauungstrakt statt. Bei einer primären Nahrungsmittelallergie treten häufig mittelschwere bis schwere Symptome auf. In einigen Fällen kommt es auch zu einer Anaphylaxie oder einem anaphaylaktischen Schock. Zusammen mit Medikamentenallergien und Insektengiftallergien zählen primäre Nahrungsmittelallergien zu den häufigsten Anaphylaxie-Auslösern.

Eine sekundäre Nahrungsmittelallergie (auch „(pollen)assoziierte Nahrungsmittelallergie“) tritt meistens in Kombination mit Heuschnupfen bei Pollenflug auf. Das Immunsystem ist bei dieser Form der Nahrungsmittelallergie eigentlich auf Inhalations-Allergene in der Luft sensibilisiert. Schätzungen zufolge sind etwa 60 Prozent der Nahrungsmittelallergien sekündäre Nahrungsmittelallergien. Da Allergene in manchen Nahrungsmitteln denen in Pollen sehr ähneln, entsteht eine Art Verwechslung. Das Immunsystem leitet dann beim Verzehr bestimmter Nahrungsmittel einen Abwehrmechanismus ein.

Allgemein lässt sich festhalten, dass die Prävalenz der Nahrungsmittelallergien regional sehr unterschiedlich ist. In einigen Ländern ist sie im Laufe der vergangenen Jahre nachweislich angestiegen.

Nahrungsmittelallergie: Allergieauslösende Nahrungsmittel bei primären Nahrungsmittelallergien

Laut dem Allergo Journal International kommt es bei der primären Nahrungsmittelallergie häufig zu Reaktionen gegen:

Milcheiweiß


Hühnerei


Soja


Weizen


Erdnuss


Baumnüsse

Bei Babys und Kindern ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass allergische Reaktionen auf diese Nahrungsmittel im Laufe des Lebens wieder verschwinden. Sie leiden meist nur vorübergehend an einer Nahrungsmittelallergie. So sind beispielsweise bei einer Kuhmilchallergie 60 bis 80 Prozent der betroffenen Kinder bis zu ihrem sechsten Lebensjahr wieder beschwerdefrei. Meist leiden die Kinder zudem an Neurodermitis.

Ähnlich sieht es bei einer Hühnereiweißallergie aus. Hinzu kommt, dass viele Kinder Milch und Eier in gebackener Form, beispielsweise in Kuchen, trotz Allergie gut vertragen. Beim Arzt kann dies unter Aufsicht mit niedriger Dosierung durch einen Provokationstest geprüft werden. Eine Erdnussallergie oder Nussallergie hält meist wesentlich länger an, teilweise sogar ein Leben lang. Eine regelmäßige Überprüfung der Allergie ist gerade bei Kindern wichtig, da entsprechende Diäten immer auch mit einer Einschränkung verbunden sind. Zudem sollten sie immer von einem Arzt oder Ernährungsberater begleitet werden, um einer Mangelernährung und damit verbundenen Entwicklungsverzögerungen vorzubeugen.

Nahrungsmittelallergie: Allergieauslösende Nahrungsmittel beim sekundären Typen

Anders sieht es bei Erwachsenen aus, die von einer sekundären Nahrungsmittelallergie betroffen sind. Sie reagieren häufig auf folgende Nahrungsmittel:

  • Weizen
  • Fisch
  • Apfel und andere Steinobstsorten und Hartschalenobst
  • Gemüse, vor allem Sellerie und Möhren aber auch Paprika
  • Krusten- und Schalentiere wie etwa Shrimps

Bei einer sekundären Nahrungsmittelallergie ist die Ursache eigentlich eine Pollenallergie. Aufgrund der ähnlichen Beschaffenheit der Allergene, kann der Körper beispielsweise bei einer Birkenpollenallergie auch auf Apfel, Kiwi, Pfirsich, Haselnuss, Karotte, Kirsche, Nektarine, Sellerie und Soja reagieren. Diese Form der Allergie nennt sich Kreuzallergie. Roggen und Mais lösen seltener allergische Reaktionen aus. Ebenfalls selten ist die sogenannte Fleischallergie, auch Alpha-Gal-Syndrom genannt. Der menschliche Körper reagiert dabei auf die Zuckerstruktur Alpha-Gal, die in Zellen von Säugetieren vorkommt. Dabei kann es bis zu sechs Stunden dauern, bis Patientinnen und Patienten Symptome wie Atemnot verspüren. Auch beim Genuss von Alkohol können allergieähnliche Symptome auftreten, bei Rotwein sind diese beispielsweise aber durch eine Histaminintoleranz bedingt.

Nahrungsmittelallergie: Bei folgenden Symptomen sollten Sie handeln

Eine Nahrungsmittelallergie kann sich an verschiedenen Organsystemen zeigen: Sind der Kreislaufs oder mehrere Organsysteme gleichzeitig betroffen, kann es im schlimmsten Fall sogar zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Möglich sind aber auch Schwindelgefühle oder Benommenheit.

Häufig auftretende Symptome sind ausgeprägte Ekzeme auf der Haut, vor allem bei Neurodermitis-Patienten. Rote Quaddeln oder starker Juckreiz (Nesselsucht) sind ebenfalls typische Beschwerden. Der Juckreiz kann auch im Bereich der Augen auftreten- Häufig sind diese zudem gerötet oder tränen vermehrt. Auch in der Nase kann es zu Juckreiz, Nasenfluss, entzündeten Nasennebenhöhlen und Niesreiz kommen. Im Bereich des Halses können starker Reizhusten sowie Kratzen, Heiserkeit oder Reflux auftreten. Auch Schweratmigkeit, Atemnot oder allergisches Asthma sind ein Anzeichen für eine allergische Reaktion. Bei starken Reaktionen kann es zu Erbrechen, Übelkeit, Magenschmerzen und Magen-Darm-Problemen wie Durchfällen und Verstopfung kommen. Die Beschwerden ähneln häufig denen einer Laktoseintoleranz oder Histaminintoleranz.

Bei Nahrungsmittelallergien, die auf eine Reaktion gegen Immunglobulin E Allergene zurückzuführen sind, treten diese Symptome sehr schnell auf. Teilweise beträgt die Reaktionszeit nur wenige Minuten, bis entsprechende Symptome auftreten.

Nahrungsmittelallergie: So stellt der Arzt seine Diagnose

Für eine verlässliche und richtige Diagnose sind laut Deutschem Allergie- und Asthmabund (DAAB) vier Säulen der Allergie-Diagnostik wichtig. Diese sind:

Sollte der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie bestehen, ist es sinnvoll, sein Essverhalten zu beobachten. Dafür sollten Betroffene jeden Tag genau notieren, was sie wann gegessen haben und wie ihr Körper auf das Essen reagiert hat. Mit diesem Befund kann im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt dann eine Hauttestung, ein sogenannter Pricktest, durchgeführt werden. Dabei sticht eine Allergologin oder ein Allergologe vorsichtig in die obere Schicht der Haut und führt dieser verschiedene allergene Stoffe zu. Entsteht Juckreiz oder bilden sich rote Quaddeln an den Einstichstellen, ist eine Allergie gegen diese Stoffe sehr wahrscheinlich.

Zur Kontrolle oder Ergänzung des Testergebnisses, können anschließend Blutuntersuchungen folgen. Diese können Antikörper im Blutserum nachweisen. Bei einer Laktoseintoleranz, einer Histaminintoleranz oder Neurodermitis sind beispielsweise keine Antikörper im Blut vorhanden. Ist der Auslöser identifiziert, können Betroffene ihre Ernährung umstellen und durch eine entsprechende Diät problematische Lebensmittel meiden. Die sogenannte Allergenkarenz ist die Basis einer erfolgreichen Nahrungsmittelallergie-Therapie. Mithilfe eines Provokationstests, bei dem die allergenen Stoffe eingeatmet oder eingenommen werden, kann dann nochmals die Reaktion des Körpers überprüft werden.

Nahrungsmittelallergie: Behandlung durch Allergenkarenz und Medikamente

Der naheliegendste Schritt bei einer Nahrungsmittelallergie ist der Verzicht auf problematische Lebensmittel. Das Weglassen von Speisen kann jedoch zu anderen Problemen führen, auch wenn die Symptome zunächst abnehmen. Um eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Nährstoffen zu gewährleisten, sollte immer ein geschulter Ernährungsberater oder Arzt die Therapie begleiten.

Lässt sich der Allergen-Kontakt nicht vermeiden oder bestehen schwere, lebensbedrohliche Allergien (z.B. Erdnussallergie) sollten Betroffene immer ein Allergie-Notfallset bei sich tragen. Es enthält Notfallmedikamente, wie den Adrenalin-Autoinjektor, die schwere Symptome bei einer Anaphylaxie schnell lindern, bis ein Arzt eintrifft.

Medikamente wie Antihistaminika und Cortison helfen bei leichten bis mittelschweren allergischen Reaktionen, zum Beispiel bei Heuschnupfen während des Pollenflugs oder Nesselsucht. Sie werden von der behandelnden Ärztin oder dem Arzt nach Bedarf verordnet. Bei asthmatischen Anfällen hilft ein Asthmaspray. Neben der medikamentösen Behandlung ist die regelmäßige ärztliche Kontrolle das A und O bei Nahrungsmittelallergien, um den Krankheitsverlauf zu überprüfen.

Die Behandlung ausschließlich mit Mitteln der Naturheilkunde wie etwa Homöopathie zu vollziehen, empfehlen Ärztinnen und Ärzte auf Basis durchgeführter Studien zur Wirksamkeit nicht.

Nahrungsmittelallergie: Den Allergien präventiv entgegengehen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben über Jahrzehnte mögliche Faktoren erforscht, die die Entstehung einer Nahrungsmittelallergie begünstigen. Tipps zur Allergieprävention:

  • Falls möglich: die ersten vier Monate das Baby voll stillen
  • Mütter sollten während der Schwangerschaft und Stillzeit nur dringend erforderlichen Diäten halten
  • Nicht rauchen
  • Viel Gemüse, Früchte und mediterrane Kost zu sich nehmen
  • Stress vermeiden
  • Impfen

Alle diese Schritte können das Risiko einer Nahrungsmittelallergie nachweislich verringern. Sie beeinflussen jedoch nicht genetische Veranlagung für Allergien („Atopie“). So haben Kinder, deren Eltern beide an Allergien leiden, ein höheres Risiko selbst zum Allergiker zu werden. Kinder, deren Eltern keine allergischen Erkrankungen haben, entwickeln während ihres Lebens seltener Allergien.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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