Rote Lippen formen einen Kussmund (Symbolbild).
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Wer unter einer starken Lebensmittelallergie leidet, muss sich auch vor einem Kuss in acht nehmen (Symbolbild).

Allergisch gegen Küsse

Nahrungsmittelallergie: Schon Küsse können allergische Reaktion auslösen

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Was passiert wenn der Partner plötzlich allergisch reagiert? Erfahren Sie hier, warum für manche Menschen schon ein Kuss lebensbedrohlich sein kann und welche Auswirkungen eine Lebensmittelallergie auf die Beziehung hat.

  • Wer auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch reagiert, der muss diese meist strikt meiden.
  • Doch allergische Reaktionen sind auch möglich, wenn Betroffene nicht direkt mit den Allergenen in Kontakt kommen.
  • Auch über einen Kuss können die Allergene übertragen werden.

Berlin – „Liebe geht durch den Magen“ - heißt ein bekanntes deutsches Sprichwort. Doch leidet der oder die Liebste an einer Lebensmittelallergie, kann das romantische Dinner schnell zum Desaster werden. Denn schon kleinste Spuren eines Nahrungsmittels können bei manchen Menschen eine allergische Reaktion auslösen, die schnell lebensbedrohlich werden kann.

Ein Rendezvous, das nach dem ersten Kuss in der Notaufnahme endet, will keiner. Wer eine Nahrungsmitteallergie hat, muss deshalb extrem aufpassen, was er verspeist. Doch was müssen Betroffene mit Nahrungsmittelallergie beachten? Und welchen Einfluss haben Lebensmittelallergien auf das Beziehungsleben?

Nahrungsmittelallergie: Weit verbreitete Allergie

Betroffen sind laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) rund ein bis fünf Prozent der Erwachsenen und etwa fünf bis zehn Prozent der Kinder in Deutschland. Zu den häufigsten Auslösern zählen dabei Nüsse und Erdnüsse. So reagieren rund 1,4 Prozent der Europäer allergisch auf Nüsse, wie das European Centre for Allergy Research (ECARF) berichtet.

Typische Allergie-Auslöser sind:

  • Kuhmilch
  • Hühnerei
  • Soja
  • Erdnüsse und Baumnüsse
  • Fisch und Meeresfrüchte

Bei einer Lebensmittelallergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich unbedenkliche Eiweißverbindungen in einem Nahrungsmittel. Stuft der Körper die Proteine fälschlicherweise als gefährlich ein, kommt es zu einer Abwehrreaktion. Wie stark die allergische Reaktion ausgeprägt ist – und ob sie im schlimmsten Fall lebensgefährlich sein kann – ist jedoch von Mensch zu Mensch verschieden.

Nahrungsmittelallergie: Allergene bleiben im Speichel

Quaddeln, Rötungen, Nesselsucht und Atembeschwerden – Wer auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch reagiert, der sollte diese so gut es geht meiden. Doch allergische Reaktionen sind auch möglich, wenn Betroffene durch eine andere Person mit dem Allergen in Kontakt kommen. Über einen Kuss können die Allergieauslöser auf die Schleimhäute von Betroffenen gelangen. In diesem Fall hat der Partner meist etwas gegessen oder eingenommen, worauf er allergisch ist.

Auch mehrere Stunden nach dem Essen befinden sich die Nahrungsmittelallergene noch im Speichel. Beim Küssen werden diese dann ungewollt übertragen. Dabei reicht ein Kuss auf die Wange in manchen Fällen schon aus, um die heftigen Beschwerden auszulösen. Im schlimmsten Fall kann es zu einer anaphylaktischen Reaktion, auch Anaphylaxie genannt, kommen.

Lebensmittelallergie: Hohes Allergiepotenzial

Während andere Nahrungsmittel wie Haselnüsse oder Milch erst ab einer bestimmten Menge allergische Reaktionen auslösen, können bei einer Erdnussallergie schon kleine Mengen des Allergens lebensbedrohlich werden. Denn Erdnüsse haben ein besonders hohes Allergiepotenzial. So sind laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) Erdnüsse für die meisten durch Lebensmittelallergien ausgelösten Todesfälle verantwortlich.

Eine allergische Reaktion auf Erdnüsse tritt meist innerhalb weniger Minuten nach Kontakt mit dem Allergen auf. Beschwerden, die zu einer anaphylaktischen Reaktion führen können sind:

  • Atembeschwerden
  • Schwellungen im Mund- und Rachenraum, sowie Hals
  • Blutdruckabfall
  • Erhöhter Puls
  • Schwindel und Übelkeit

Lebensmittelallergie in der Partnerschaft: Ernährung individuell abstimmen

Die wichtigste Maßnahme, um eine Lebensmittelallergie vorzubeugen, ist das Meiden des Allergie-Auslösers. Das heißt: Strenger Verzicht aller Nahrungsmittel, in denen das Allergen vorkommt. Ob sich der Partner ebenfalls an die Ernährungsumstellung hält, hängt ganz von der Schwere der Symptome, der Art der Nahrungsmittelallergie und der Beziehung ab. Leiden Betroffene nur unter leichten Beschwerden, ist ein gemeinsamer Verzicht meist nicht nötig. In diesem Fall reicht es meist schon, die Lebensmittel getrennt aufzubewahren und beim Kochen die Kochuntensilien wie Messer und Schneidebrett ausreichend zu säubern.

Anders sieht es bei einer sehr starken Allergie aus. Leidet der Partner unter einer Lebensmittelallergie in einem lebensbedrohlichen Stärkegrad, bleibt meist nichts anderes übrig, als mögliche Allergene aus dem Haushalt vollständig zu verbannen. Menschen, die unter einer schweren Erdnussallergie leiden, reagieren schon auf sehr kleine Mengen des Allergens. Bereits das Aufreißen einer Tüte Erdnussflips kann bei Betroffenen über die Atemwege eine anaphylaktische Reaktion auslösen. Auch über den Speichel kann das Allergen übertragen werden. Hat der nicht-betroffene Partner gerade ein Lebensmittel verzehrt, das beim anderen Partner einen anaphylaktischen Schock auslösen kann, ist es ratsam sich erstmal nicht zu küssen.

Lebensmittelallergie in der Partnerschaft: Das müssen Sie beachten

Wichtig ist, dass Allergiker ihr eigenes Allergierisiko kennen. Zudem sollten laut der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) Betroffene und ihre Partner ein paar Regeln befolgen, um Zärtlichkeiten trotz Nahrungsmittelallergie genießen zu können:

  • Kommunikation ist besonders wichtig: Allergiker sollten bereits zu Beginn der Beziehung offen über ihre Allergie sprechen und den Partner darüber in Kenntnis setzen, welche Nahrungsmittel problematisch sind.
  • Lebensmittel meiden: Leidet der Liebste unter einer Nahrungsmittelallergie, müssen Partner nicht komplett auf bestimmten Lebensmittel verzichten. Doch mindestens 24 Stunden bevor man den Freund oder die Freundin trifft, sollten laut ECARF betreffende Lebensmittel gemieden werden. Doch Vorsicht! Zähneputzen allein reicht oft nicht, um die Übertragung der Allergene zu verhindern.
  • Abstimmen der Ernährung: Um eine einseitige Ernährung zu vermeiden, sollten Patienten ihre Diät individuell abstimmen. Eine Ernährungsberatung kann dabei helfen. Zudem lassen sich viele Allergene in Obst und Gemüse beispielsweise durch Kochen und Backen unschädlich machen. Grund dafür ist, dass die Allergieauslöser in manchen Lebensmitteln nicht hitzeresistent sind und durch das Verarbeiten ihre allergene Wirkung verlieren.
  • Notfallset nicht vergessen: Wer unter einer schweren Allergie leidet, sollte zudem immer ein Notfallset mit sich führen, um bei einem anaphylaktischen Schock schnelle Hilfe zur Hand zu haben.
  • Schon kleine Mengen sind gefährlich: Bei manchen Allergikern reichen laut einem Bericht der Deutschen Apotheker Zeitung jedoch schon kleine Mengen des Allergens aus, um heftige Beschwerden zu verursachen. Daher raten Ärzte Patienten mit einer bekannten schweren allergischen Reaktion zu Vorsicht beim Küssen. Im Zweifelsfall sollten Patienten lieber auf einen Kuss verzichten.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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