Ein Mann bereitet gemeinsam mit einem blonden Jungen ein Gericht vor (Symbolbild).
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Ist ein Familienmitglied von einer Nahrungsmittelallergie betroffen, geht es in der Küche nicht nur um leckeres Essen, sondern auch um Sicherheit (Symbolbild).

Anaphylaxien vorbeugen

Schwere Nahrungsmittelallergien: So senken Sie das Risiko für Kreuzkontamination in der Küche

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Ist ein Familienmitglied Nahrungsmittelallergiker, muss die ganze Familie Rücksicht nehmen. Denn häufig können schon geringe Mengen eines Lebensmittels gefährlich sein. Eine strukturierte Küchen-Organisation hilft, schweren Reaktionen vorzubeugen.

Mönchengladbach – Bei schweren Nahrungsmittelallergien reichen oft schon kleinste Mengen eines Lebensmittels aus, um schwere Allergie-Symptome auszulösen. Im schlimmsten Fall droht sogar ein anaphylaktischer Schock. Ist ein Familienmitglied von einer Nahrungsmittelallergie betroffen, meiden es viele Familien deshalb gänzlich, bestimmte Allergene in der Küche zu haben. Je nach Ausprägung der Allergie und Alter des betroffenen Familienmitglieds ist das auch sinnvoll. Doch nicht immer wollen alle Haushaltsmitglieder auf ein Nahrungsmittel verzichten. In diesem Fall helfen gründliche Vorsorge-Maßnahmen in der Küche, das Anaphylaxie-Risiko minimieren.

Anaphylaxie-Risiko durch Nahrungsmittelallergien im Haushalt senken: Kennzeichnen Sie Lebensmittel

Gibt es allergenhaltige Lebensmittel im Haushalt, sollten sie immer vollständig gekennzeichnet sein. Am besten bringen Sie entsprechende Bezeichnungen sowohl auf Behältnissen als auch im Kühlschrank und an Regalen und Schränken an. Wenn Kinder noch nicht lesen können, empfiehlt die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) mit Bildern und Symbolen zu arbeiten. (Rückruf: Vorsicht bei Erdnussallergie - Dennree warnt vor Verzehr von Nussmus)

Leben allergische (Klein)Kinder im Haushalt, sollten Sie allergenhaltige Lebensmittel außer Reichweite verstauen. Am besten eignen sich Fächer weit oben im Regal und luftdicht verschlossene Behältnisse.

Anaphylaxie-Risiko durch Nahrungsmittelallergien im Haushalt senken: Feste Plätze und Routinen einführen

Um versehentliche Verwechslungen zu vermeiden, ist es nach Empfehlung des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) sinnvoll, allergenhaltige und allergenfreie Lebensmittel an getrennten Orten im Haushalt aufzubewahren. Auch sollte jedes Familienmitglied zur Anaphylaxie-Prävention allergenhaltige Lebensmittel nur an festen Plätzen in der Wohnung auspacken und verzehren. Das gilt auch für Gäste. Beschränken Sie sich dabei möglichst auf den Esstisch, den Sie nach dem Essen gründlich mit Wasser und einem Reinigungsmittel reinigen.

Auch beim Einkauf sollten Sie Allergieauslöser in einem bestimmten Bereich des Einkaufswagens platzieren und anschließend in einer Extratasche nach Hause tragen. Dort sollten Sie diese dann gleich im vorgesehenen Teil des Kühlschranks oder Regals einsortieren. Wichtig: Auch wenn Sie ihr System konsequent einhalten – vor dem Verbrauch der Lebensmittel schadet es nie, nochmal einen Blick auf die Zutatenliste zu werfen.

Anaphylaxie-Risiko durch Nahrungsmittelallergien im Haushalt senken: Kontamination vermeiden

Je nach Art und Ausprägung der Allergie können verschiedene Küchen-Sets (Schneidebretter, Küchengeräte, Messer) helfen, Anaphylaxien vorzubeugen. Denn vor allem an rauen und porösen Küchenutensilien können allergieauslösende Proteine haften bleiben, auch wenn mit bloßem Auge keine Rückstände erkennbar sind.

Vorsicht ist auch bei Zöliakie geboten, einer immunologischen Erkrankung des Dünndarms, bei der Betroffene glutenhaltige Lebensmittel strikt meiden müssen. Kleine Mengen Gluten müssen zwar nicht unmittelbar zu Symptomen führen, schädigen die Dünndarmschleimhaut aber unmittelbar und stören damit (langfristig) die Darmfunktion. Da Gluten Bestandteil vieler Lebensmittel ist, ist nachvollziehbar, dass nicht immer alle Familienmitglieder auf das Klebereiweiß verzichten wollen. Familien sollten hier besonders penibel auf unterschiedliches Besteck, Geschirr und Küchenwerkzeug (z.B. Dosenöffner) achten. So können beispielsweise glutenhaltige Brotkrümel über Messer in Aufstrich gelangen. Besondere Sorgfalt ist auch bei Toastern geboten, vondenen zwei verschiedene im Haushalt existieren sollten. (Hyposensibilisierung bei Kindern: Ab welchem Alter ist die spezifische Immuntherapie möglich?)

Anaphylaxie-Risiko durch Nahrungsmittelallergien im Haushalt senken: Vorsicht beim Kochen

Bei der Zubereitung von Essen sollten Sie zur Anaphylaxie-Prävention im Haushalt folgendes beachten:

  • Waschen Sie sich die Hände, bevor Sie allergenfreies Essen anfassen und zubereiten
  • Bereiten Sie das allergenfreie Gericht immer zuerst vor, damit es nicht mit verunreinigt wird
  • Verwenden Sie unterschiedliche Schneidebretter, Töpfe, Pfannen, Ofenbleche, Kochlöffel etc.
  • Nutzen Sie möglichst unterschiedliche Backbleche oder verwenden Sie zumindest Backpapier
  • Kommen Küchenutensilien mit Allergenen in Kontakt stecken Sie sie direkt nach der Zubereitung in die Spülmaschine
  • Trocknen Sie gespültes Geschirr sicherheitshalber mit unterschiedlichen Handtüchern ab
  • Reinigen Sie Arbeitsflächen vor und nach jeder Zubereitung gründlich

Anaphylaxie-Risiko durch Nahrungsmittelallergien im Haushalt senken: Wann Sie auf Allergene in der Küche komplett verzichten sollten

Ganz aus dem Haushalt verbannen sollten Sie Allergene, wenn schon Spuren des Lebensmittels bei Kontakt mit der Haut oder den Atemwegen schwere Reaktionen auslösen. Möglich ist das zum Beispiel bei schweren Erdnussallergien. In diesem Fall kann der Verzehr oder die Verarbeitung von Erdnüssen durch andere Haushaltsmitglieder für Allergiker lebensgefährlich sein. Auch bei ausgeprägten Fischallergien kann das Einatmen von Dämpfen in der Küche in extrem seltenen Fällen anaphylaktische Reaktionen auslösen, wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) warnt. (Allergie gegen Fisch: Studie zeigt, Kollagen wird als wichtiges Allergen oft übersehen)

Wenn Sie nicht sicher sind, welche Allergene Sie aus dem Haushalt verbannen sollen, lassen Sie sich von einem Arzt beraten. Bei schweren Allergien wird dieser auch ein Allergie-Notfallset verschreiben, das an einem festen Platz in der Wohnung aufbewahrt werden sollte. Im Notfall können die darin enthaltenen Medikamente Kreislauf und Blutdruck stabilisieren, bis medizinische Hilfe eintrifft.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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