Gluten, Histamin, Fructose, Lactose: Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist es nicht ganz leicht, den richtigen Auslöser zu finden (Symbolbild).
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Gluten, Histamin, Fructose, Lactose: Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist es nicht ganz leicht, den richtigen Auslöser zu finden. 

Problematische Lebensmittel

Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Nahrungsmittelallergie? Das ist der Unterschied

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist nicht dasselbe wie eine Nahrungsmittelallergie. Alle Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Überblick, einfach und verständlich erklärt.

  • Von Nahrungsmittelunverträglichkeit ist immer dann die Rede, wenn bestimmte Lebensmittel unangenehme Symptome auslösen.
  • Bei einer Nahrungsmittelallergie bildet der Körper Antikörper gegen bestimmte Nahrungsmittel.
  • Die Ursachen der Beschwerden sind entscheidend für Diagnose und Therapie.

Berlin - Die Begriffe Nahrungsmittelunverträglichkeit und Nahrungsmittelallergie werden im alltäglichen Sprachgebrauch meist synonym verwendet. Ganz richtig ist das aber nicht. Der sprachliche Unterschied ist dabei nicht so unbedeutend, wie es auf den ersten Blick erscheint. Denn nicht nur liegen den Erkrankungen ganz unterschiedliche körperliche Mechanismen zugrunde, auch lassen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien nur gezielt therapieren.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Ein Sammelbegriff für unterschiedliche Phänomene

Unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten verstehen Mediziner eine Vielzahl unterschiedlicher Vorgänge im Körper. Ihnen gemeinsam ist per Definition, dass die Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel die Betroffenen krank macht. Das kann auch unterschiedliche Art und Weise geschehen. Die wichtigsten Arten von Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Überblick:

  • Toxische Reaktion: Für den Körper giftige Nahrungsbestandteile wie giftige Pilze, Pflanzen oder Kräuter verursachen Beschwerden in Magen, Darm und Nervensystem.
  • Nahrungsmittelallergie: Das Immunsystem reagiert überempfindlich auf Nahrungsbestandteile wie Nüsse, Eier oder Schalenfrüchte mit allergischen Symptomen.
  • Resorptionsbedingte Nahrungsmittelintoleranz: Dem Körper fehlt die Fähigkeit Nahrungsbestandteile wie Fructose aufzunehmen.
  • Enzymatische Nahrungsmittelintoleranz: Nahrungsmittelbestandteile aktivieren körperliche Mastzellen, welche für die Beschwerden verantwortlich sind.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Trotz unterschiedlicher Entstehungsmechanismen oft ähnliche Symptome

Die Bandbreite der Symptome und Beschwerden einer Nahrungsmittelunverträglichkeit ist vielfältig. Meist zeigen sie sich an der Haut und den Schleimhäuten, die mit dem unverträglichen Lebensmittel in Kontakt gekommen sind. Typisch sind beispielsweise Juckreiz, Rötungen sowie das Anschwellen von Mund und Kehle. Aber auch die Lunge und das Verdauungssystem leiden häufig durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Verschiedene Intoleranzen zeigen sich beispielsweise durch Übelkeit, Blähungen und Durchfall. Bei einer besonders starken Abwehrreaktion kann außerdem das Herz-Kreislauf-System betroffen sein. Herzrasen, -Rhythmusstörungen und Bluthochdruck können im Extremfall lebensbedrohlich sein.

Die einzige Therapiemöglichkeit ist in der Regel der konsequente Verzicht der unverträglichen Lebensmittel. Das ist nicht immer ganz einfach, weil beispielsweise Laktose oder Spuren von Nüssen oft in vielen Lebensmitteln enthalten sein können. Deswegen müssen Verpackungen in der EU mit entsprechenden Warnhinweisen für Allergiker versehen sein. Seit einiger Zeit bietet auch das ECARF-Siegel Allergikern mehr Transparenz. Entwickelt an der Berliner Charité unter Stiftungsleiter Torsten Zuberbier (58) kennzeichnet es allergikerfreundliche Produkte.

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Was ist eine Lebensmittelallergie?

Lebensmittelallergien beruhen auf einer Überreaktion des körpereigenen Immunsystems. Wie alle Allergien, treten sie nicht sofort beim erstmaligen Kontakt mit einem Allergen auf. Stattdessen identifizieren Immunzellen bestimmte Eiweiße von Lebensmitteln wie die in Kuhmilch, Hühnereiern oder Nüssen als gefährlich. Daraufhin bildet das Immunsystem Antikörper gegen diese Eiweiße, die bei erneutem Kontakt mit dem Allergen zu den typischen Symptomen führen.

Lebensmittelallergien treten besonders häufig bei kleinen Kindern auf, wenn diese erstmals in den Kontakt mit einem neuen Lebensmittel kommen. Nur selten entwickeln sie sich im späteren Lebensverlauf. Welche Faktoren die Entstehung von Nahrungsmittelallergien bei Kindern begünstigen und wie man diesen vorbeugen kann, ist derzeit laut Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München Thema diverser Forschungen. Bisher konnten Wissenschaftler belegen, dass das Meiden potentieller Allergene keinen Nutzen bringt. Vielmehr scheint eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse, Omega-3 Fettsäuren und vollfetten Milchprodukten eine schützende Wirkung zu entfalten.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Primäre Lebensmittelallergien

Experten unterscheiden laut Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München zwischen sogenannten primären und sekundären Lebensmittelallergien. Kinder leiden typischerweise unter primären Nahrungsallergien. Das heißt, dass die Sensibilisierung gegen die entsprechenden Proteine und die Antikörperbildung im Zusammenhang mit genau diesem Essen stattgefunden hat.

Zu den am weitesten verbreiteten Lebensmittelallergien gehören:

Davon abgesehen können Kinder auch Allergien gegen bestimmte Obst- oder Gemüsesorten entwickeln. Primäre Allergien können im Kindesalter auch wieder verschwinden. So können manche Nahrungsmittel nach einiger Zeit wieder gegessen werden.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Sekundäre Lebensmittelallergien

Sekundäre Lebensmittelallergien entstehen nicht durch den Kontakt und die Sensibilisierung mit dem eigentlichen Nahrungsmittel. Vielmehr treten diese Nahrungsmittelunverträglichkeiten als Kreuzreaktionen bei Pollenallergien auf: Einige Eiweiße, die in Pflanzenpollen vorkommen, ähneln denen in bestimmten Lebensmitteln. Die eigentlich gegen die Pollen ausgebildeten Antikörper reagieren dann auch auf die ähnlichen Eiweiße in der Nahrung – eine sekundäre Lebensmittelallergie entsteht.

Häufige Kreuzreaktionen bei Pollenallergien sind:

  • Baumpollenallergie (Birke, Hasel, Erle): Hasel- und Walnüsse, Mandeln, Karotten, Sellerie, Soja, Kern- und Steinobst
  • Beifußpollenallergie: Paprika, Sellerie, Tomaten, Melone, Kiwi, Weintrauben, verschiedene Kräuter
  • Ambrosiaallergie: Banane, Melone, Kamille
  • Latexallergie: Banane, Kiwi, Mango, Avocado, Kartoffeln, Sellerie, Esskastanien, Tomate, Paprika

Erwachsene entwickeln meist vor allem sekundäre Lebensmittelallergien. Aufschluss über die Art der Lebensmittelallergie gibt ein Allergietest beim Allergologen.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Sonderfall Zöliakie

Bei der Zöliakie, auch bekannt als Glutenunverträglichkeit, handelt es sich um eine sehr spezifische Nahrungsunverträglichkeit. Zwar ist das Immunsystem an der Entstehung der Erkrankung beteiligt, es bildet jedoch, anders als bei einer typischen Lebensmittelallergie, keine Antikörper. Stattdessen lösen die Bestandteile des Klebereiweißes Gluten im Darm eine Autoimmunreaktion aus. Die Immunzellen greifen dadurch körpereigene Strukturen an und zerstören dadurch zunehmend die empfindliche Darmwand.

Anders als bei den Lebensmittelallergien im Kindesalter verschwindet eine Zöliakie nicht nach einiger Zeit wieder von alleine. Es konnten bisher auch keine Zusammenhänge mit anderen allergischen Reaktionen nachgewiesen werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Allergien kann ein Arzt die Zöliakie außerdem nur mit einem Bluttest diagnostizieren. 

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Fruktosemalabsorption, Laktose- und Sorbitintoleranz

Die Fruktosemalabsorption ist eine resorptionsbedingte Nahrungsmittelunverträglichkeit. Betroffene können die Fruktose im Dünndarm nicht in ausreichendem Maße oder sogar gar nicht aufnehmen, weil die dafür zuständigen Transporter fehlen. Sie gelangt daraufhin in den Dickdarm. Dort startet durch das Zusammenspiel der Darmbakterien und den eintreffenden Kohlenhydraten eine Fermentation. Diese ist Auslöser für die unliebsamen Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle.

Ähnlich laufen auch einige enzymatische Intoleranzen ab. Hier fehlt das entsprechende Enzym, um eine bestimmte Art von Zucker, beispielsweise Laktose, zu spalten. Daraufhin gelangen Kohlenhydrate in den Dickdarm und lösen dort einen Fermentationsprozess mit den damit einhergehenden Beschwerden aus. Zu den enzymatischen Nahrungsmittelintoleranzen gehören:

Bei einer Histaminintoleranz reichert sich sowohl körpereigenes als auch durch die Nahrung aufgenommenes Histamin in den Körperzellen an, weil der Körper es nicht ausreichend abbauen kann. Da Histamin auch ein wichtiger Botenstoff für Immunreaktionen ist, deuten die für Entzündungsreaktionen zuständigen Mastzellen die hohe Konzentration an Histamin falsch und reagieren mit einer pseudoallergischen Reaktion.

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Pseudoallergische Reaktion auf Lebensmittel

Mit einer klassischen Nahrungsmittelallergie verwandt, allerdings in der Entstehung verschieden, sind sogenannte pseudoallergische Reaktionen. Da hier aber ebenfalls bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser dienen, handelt es sich bei ihnen gleichermaßen um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Ähnlich wie bei einer Histaminintoleranz können bestimmte Lebensmittel oder deren Inhaltsstoffe die Mastzellen aktivieren und dadurch eine Entzündungsreaktion mit den typischen Symptomen einer Allergie hervorrufen.

Zu den häufigen Auslösern gehören:

  • Lektine
  • Salicylate
  • Konservierungsstoffe wie Benzoesäure
  • Säurungsmittel: Zitronensäure, Essigsäure
  • Bestimmte Medikamente
  • Farbstoffe
  • Emulgatoren
  • Sulfite

Gerade wenn beim Verzehr stark verarbeiteter Lebensmittel vermeintliche Allergiesymptome auftreten, steckt dahinter oft eine pseudoallergische Reaktion. Die Behandlung ist in beiden Fällen laut Deutschem Allergie- und Asthmabund (DAAB) aber die gleiche: Es gilt die symptomauslösenden Nahrungsmittel zu meiden oder auf unverarbeitete Alternativen zurückzugreifen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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