In einem blauen Schwimmbecken mit kariertem Boden sitzt eine gelbe Badeente
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Kinder lieben Bade-Enten, doch Vorsicht: Sie können eine Gefahr für die Gesundheit sein (Symbolfoto).

Schimmelpilzallergie

Allergie-Risiko durch Bade-Enten: Vorsicht, gefährliche Schimmel-Schleudern

  • Christine Pander
    vonChristine Pander
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Schimmel in Gummi-Enten ist nicht nur eklig, sondern auch eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit. Pilze und Bakterien im Inneren der Badetiere können krank machen.

Zürich – Bade-Enten sind beliebt: Sogar in einen Sketch von Loriot hat es eine berühmte Vertreterin geschafft. Vor allem Kinder lieben die Wassertiere. Doch das harmlose Spiel damit kann im Wortsinne böse ins Auge gehen, wie ein Vorfall in den USA vor einigen Monaten gezeigt hat.

Zunächst begann alles ganz harmlos: Der zweijährige Baylor Strong spielte in der Wanne mit den Bade-Enten und spritze sich Wasser in die Augen. Doch kaum war er aus der Wanne geklettert, wurden seine Augen plötzlich rot. Es wurde zusehends schlimmer, und als auch Augentropfen vom Kinderarzt nicht halfen, eilte seine besorgte Mutter mit dem Jungen in die Notaufnahme ins Krankenhaus.

Allergie und Asthmagefahr durch Bade-Enten: Junge fast erblindet

Baylors Augen waren inzwischen auf das Doppelte angeschwollen, wie seine Mutter Eden Strong später in einem Facebook-Post schreibt. Die Notärzte stellen eine bakterielle Infektion bei Baylor fest. So stark, dass der Junge fast erblindet. Als Auslöser für die starke Entzündung wurden Bakterien und Schimmelpartikel im Bauch der Bade-Ente gefunden. Durch eine Behandlung mit Antibiotika geht es Baylor inzwischen wieder gut.

Warme und feuchte Badezimmer bieten ein ideales Milieu für Bakterien und Pilze.* Die Krankheitskeime bleiben oft unbemerkt im Bade-Spielzeug. Nur wenn sie gegen Licht gehalten werden, sind die dunklen Stellen im Spielzeug zu sehen. Sie entstehen wegen Kalkablagerungen, aber auch Seifenreste und andere Rückstände aus dem Badewasser hinterlassen ihre schmierigen Spuren.

Allergie und Asthmagefahr durch Bade-Enten: Studie aus Zürich erschreckt

Wie brisant das Thema ist, haben auch Wissenschaftler der Technischen Hochschule ETH Zürich erkannt: In Zusammenarbeit mit Forschern der US-Universität Illinois haben sie sich 2018 mit Schimmel in Bade-Enten beschäftigt. Die Wissenschaftler sammelten dazu 19 Badetierchen aus echten Haushalten ein und badeten 6 neue Bade-Enten zum Vergleich in sauberem und schmutzigem Wasser.

Die Hauptautorin, Eawag-Mikrobiologin Lisa Neu, forschte an ihrem Züricher Institut für die Studie mit ihrem Team elf Wochen lang und testete die Bade-Enten unter Laborbedingungen. Einige Enten kamen nur in sauberes Trinkwasser, andere in benutztes Badewasser mit Seifenresten, Schmutz, Schweiß und Bakterien des menschlichen Körpers. Alle Gummitiere wurden dann mit einem Skalpell geöffnet.

Allergie und Asthma durch Bade-Enten: in 80 Prozent aller Enten schimmelt es

Das Ergebnis war erschreckend: Bereits mit bloßem Auge ließ sich in allen geprüften Tieren ein schwarzer oder durchsichtiger, schleimiger Biofilm erkennen. In 80 Prozent aller Plastiktiere fanden die Forscher potenziell krankheitserregende Bakterien und Pilze: Fünf bis 75 Millionen Zellen auf nur einem Quadratzentimeter Gummiente.

Die Keimbelastung bei den Enten aus den echten Haushalten war besonders hoch, denn Schmutz, Seifenrückstände und Hautschuppen dienen Keimen als Nährstoffquelle. Aber auch manche Kunststoffe können das Wachstum fördern, so die Mikrobiologin und Leiterin der Studie Lisa Neu. Neben herkömmlichen Trinkwasserbakterien fanden die Forscher auch Bakterien, die richtig gefährlich oder resistent gegen Antibiotika sind.

Allergie und Asthma durch Bade-Enten: Gefährliche Erreger entdeckt

Darunter auch Legionellen oder die als Krankenhauskeime bekannten Stäbchenbakterien Pseudomonas aeruginosa. Zudem fanden sich auf einem Großteil der Enten Pilze, wie die Autoren im Fachblatt „npj Biofilms and Microbiomes“ schreiben. Augen-, Ohren- und Harnwegsinfektionen können eine Folge sein, ebenso Bauchweh und Durchfall. Im schlimmsten Fall ist es möglich, dass bestimmte Bakterien sogar Lungenentzündungen auslösen.

Doch was können Enten-Liebhaber tun, wenn sie auf den Badespaß nicht verzichten möchten? Die Badetiere nur auf der Heizung zu trocknen, reicht den Studienautoren zufolge jedenfalls nicht aus, um Bakterien und Pilze zu verhindern. Doch diese Tipps können helfen, die Enten sicher und sauber zu halten:

  • Licht-Check: Die Enten gegen das Licht halten und überprüfen, ob sich Schimmel gebildet hat.
  • Regelmäßig auskochen: ähnlich, wie das auch bei Baby-Schnullern oder Fläschchen gemacht wird, das Plastikspielzeug einige Minuten in kochendes Wasser legen.
  • Öffnung zukleben: Die Öffnung an der unteren Seite der Enten ist winzig und selbst kleine Abfluss-Bürsten helfen nur bedingt, um sie innen sauber zu bekommen. Badespielzeug mit Loch lässt sich vor dem ersten Benutzen mit einer Heißklebepistole verschließen. So werden sie wasserdicht. Aber: Spritztiere, die nicht spritzen, sind für Kinder nicht der größte Hit.
  • Reiniger benutzen: In zahlreichen Foren im Internet berichten Nutzerinnen, dass Gebissreiniger die Enten gut reinigt. Eine Tablette in heißem Wasser auflösen, das Gummitier reinlegen und anschließend mit Wasser ausspülen.
  • Regelmäßig austauschen: nach einer bestimmten Zeit die Enten in Rente schicken und neues Badematerial besorgen.
  • Schimmelfrei kaufen: Viele Hersteller haben das Problem mittlerweile erkannt und bieten schimmelfreies Badespielzeug ohne Loch an. Sie sind von Natur aus wasserdicht und schimmelfrei.

*merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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