Eine Frau und ein Mädchen sitzen auf dem Boden und wirbel Laub auf (Symboldbild).
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Wer beim Kontakt mit Laub heuschnupfenähnliche Symptome entwickelt, könnte an einer Schimmelpilzallergie leiden (Symbolbild).

Allergien im Herbst

Husten, Schnupfen, Niesreiz: Kann Laub allergische Reaktionen auslösen?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Der Laubfall im Herbst sorgt bei einigen Menschen für unangenehme Atemwegsbeschwerden. Doch können die heruntergefallenen Blätter wirklich allergische Reaktionen auslösen?

  • Treten wiederholt Atemwegsbeschwerden nach dem Aufenthalt im Freien auf, vermuten viele Heuschnupfen als Ursache
  • Wahrscheinlicher ist im Herbst jedoch eine Allergie gegen Schimmelpilze im Laub
  • Betroffene sollten im Herbst besser auf Gartenarbeiten und lange Spaziergänge verzichten

München – Gereizte Augen, Schnupfen, Husten, Niesanfälle: treten diese Beschwerden in den Herbstmonaten nach dem Aufenthalt im Freien auf, kann eine Allergie dahinterstecken. Viele vermuten zunächst eine Pollenallergie als Ursache. Meist kommt es aber nach dem Kontakt mit Laub zu den Symptomen. Was steckt dahinter - ist eine allergische Reaktion auf Herbstlaub möglich?

Allergie durch Herbstlaub: Das ist die Ursache

Wer nach einem Herbstspaziergang oder der Gartenarbeit über Atemwegsbeschwerden klagt, denkt zunächst wahrscheinlich an Heuschnupfen. Tatsächlich können Spätblüher wie die Ambrosia-Pflanze oder Gräserpollen auch noch im Herbst Probleme bereiten. Diese Gewächse können bis in den September, manchmal auch bis Dezember blühen und bei Betroffenen starke Heuschnupfensymptome auslösen.

Wahrscheinlicher als eine Pollenallergie sind in dieser Jahreszeit jedoch Beschwerden aufgrund einer Schimmelpilzallergie. Schimmelpilze sind natürlicher Teil unserer Umwelt und gedeihen überall dort vor, wo organisches Material und Feuchtigkeit vorhanden sind. Dieses verstoffwechseln sie zu anorganischem Material, weshalb ihnen eine wichtige Rolle im Stoffkreislauf der Natur zukommt. Schimmelpilze fühlen sich im feuchten, fauligen Laub besonders wohl. Um sich zu vermehren, bilden die Organismen winzige, nur unter dem Mikroskop sichtbare Sporen aus, die sich über die Luft verbreiten. Bei typischen im Herbst anfallenden Gartenarbeiten wie Laub-rechen werden die feinen Sporen der Pilze aufgewirbelt und eingeatmet. Zudem steigt durch die feuchte Herbstluft die Sporen-Freisetzung und damit die Sporenkonzentration der Luft, die bei Allergikern eine Überempfindlichkeitsreaktion auslöst.

Allergie durch Herbstlaub: Symptome bei Schimmelpilzallergie

Da Schimmelpilzsporen durch Einatmen oder Kontakt mit den Schleimhäuten in den Körper gelangen, zeigen sich die Beschwerden einer Schimmelpilzallergie besonders im Bereich der oberen und unteren Atemwege. Dabei kann es zu Husten, tränenden Augen, Verschleimung der Bronchien, Niesreiz und in schweren Fällen sogar zu Asthma-Anfällen und akuter Atemnot kommen. Auch eine allergische Bindehautentzündung, eine allergische Rhinitis, eine Neurodermitis, eine Nasennebenhöhlenentzündung, Urtikaria oder eine exogen-allergische Alveolitis können laut Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München durch eine allergische Reaktion auf Schimmelpilzsporen ausgelöst bzw. verstärkt werden.

Die Diagnose einer Schimmelpilzallergie ist oft nicht einfach. Besteht der Verdacht, können der Einsatz eines Symptomtagebuchs, eine ausführliche Anamnese zwischen Arzt und Patient sowie ein Allergietest Klarheit bringen. Allerdings ist der Nachweis von Allergieantikörpern im Hauttest (meist Pricktest) oder im Bluttest laut der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPAU) meist nicht so zuverlässig wie bei einer Pollenallergie. Hintergrund ist, dass es nur für eine sehr begrenzte Anzahl von Schimmelpilzen überhaupt Testlösungen und Labortests gibt. Zudem mutieren die Mirkoorganismen häufig. Der einzige Weg, eine Allergie sicher zu bestimmen, ist deshalb die direkte Provokation der Schleimhäute mit den Schimmelpilzallergenen.

Allergie gegen Hebstlaub: Tipps zur Vorbeugung

Wer allergisch auf Schimmelpilzsporen reagiert, sollte diese so gut es geht meiden. Dabei helfen Betroffenen an Herbsttagen ein paar einfache Regel:

  • Laub-Rechen und andere Gartenarbeiten möglichst vermeiden oder auf frostige Tage verlegen, da Frost den Sporenflug stoppt
  • Komposthaufen möglichst nicht oder nur weit entfernt vom Haus angelegen
  • Bei trockenem und windigen Herbstwetter werden Schimmelpilzsporen aufgewirbelt. Betroffene sollten den Aufenthalt im Freien an diesen Tagen so kurz wie möglich halten
  • Auch im Brennholz für den Kamin können sich Schimmelpilzsporen verbergen, weshalb es bei Schimmelpilzallergie nicht in den Wohnräumen gelagert werden sollte
  • Bei starken Schimmelpilzallergien auf Herbstspaziergänge im Wald verzichten
  • Wäsche im Herbst nicht draußen trocknen, da die winzigen Sporen daran haften bleiben können
  • Laub bei Schimmelpilzallergie nicht als Mulch verwenden

Ist die Allergenkarenz nicht möglich, können Medikamente wie Antihistaminika die Beschwerden lindern. Sie unterdrücken allerdings nur die Symptome, nicht aber die Ursache der Allergie. Diese kann unter Umständen durch eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) behandelt werden. Dabei werden dem Patienten immer wieder kleinste Mengen des Allergens über einen Zeitraum von mehreren Jahren verabreicht, bis das Immunsystem eine Art Toleranz gegenüber dem Allergieauslöser entwickelt.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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