Ein Pudel und eine junge Katze sitzen auf einem Sessel (Symbolbild).
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Wenn eine Tierhaarallergie diagnostiziert wird, müssen Betroffene das geliebte Haustier nicht zwingend abgeben (Symbolbild).

Wenn das Haustier zum Problem wird

Tierhaarallergie: 5 Tipps für einen beschwerdefreien Alltag

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Ob Tierbesitzer oder Leidtragender im Büro - bei einer Tierhaarallergie ist es schwer, die Allergieauslöser komplett zu meiden. Ein paar einfache Verhaltenstipps können helfen, im Alltag weitgehend beschwerdefrei zu bleiben.

München – Tierhaarallergiker haben es oft besonders schwer. Wird eine Tierhaarallergie diagnostiziert, fürchten viele das geliebte Haustier abgeben zu müssen, ein langjähriges Hobby aufgeben oder sogar den Beruf an den Nagel hängen zu müssen. Und auch wer beruflich oder privat eigentlich nicht mit Tieren in Kontakt kommt, kann unter unangenehmen Symptomen leiden. Denn Tier-Allergene können lange in der Luft schweben, sich an Staubpartikel binden, an Kleidern, Möbeln und Haaren haften bleiben und so in öffentliche Verkehrsmittel, Gebäude und an den Arbeitsplatz gelangen.

Folgende Verhaltenstipps helfen Tierhaarallergikern, den Alltag möglichst beschwerdefrei zu bewältigen.

1. Tipps bei Tierhaarallergie: Umgang mit (Haus)Tieren

Tierhaar-Allergene zählen zu den Inhalationsallergenen. Sie haften an Gegenständen und Staubpartikeln und verteilen sich so in Räumen, in denen man sie eigentlich nicht vermuten würde. Prinzipiell kann jedes Tier mit Fell oder Federn eine Tierhaarallergie auslösen. Dabei sind eigentlich nicht die Haare, sondern bestimmte Eiweiße im Speichel, Schweiß, Talg, Urin, Kot oder in den Hautschuppen der Tiere das Problem. Am häufigsten sind laut Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München Allergien gegen Hunde und Katzen. Aber auch Pferde und andere Haustiere wie Kaninchen und Vögel können Allergien auslösen.

Die wirksamste Maßnahme zur Vorbeugung allergischer Reaktionen ist die Vermeidung von Allergenen. Wer jedoch ein Haustier hält und erst im Laufe der Zeit eine Tierhaarallergie entwickelt, möchte das geliebte Tier meist nur ungern abgeben. Je nach Ausprägung der Allergie ist das auch nicht zwingend nötig. Manchmal reicht es auch, den Umgang mit dem geliebten Vierbeiner zu verändern:

  • Vermeiden Sie engen Körperkontakt zum Tier
  • Lassen Sie sich nicht vom Tier ablenken
  • Überlassen Sie das Bürsten und Füttern des Tieres sowie die Reinigung des Schlaf- und Futterplatzes und des Katzenklos anderen Personen
  • Lassen Sie das Tier außerhalb der Wohnräume bürsten
  • Waschen Sie sich nach jedem Kontakt sorgfältig die Hände
  • Lassen Sie eine andere Person regelmäßig mit einem nassen Lappen über das Fell des Tieres streichen bzw. das Tier regelmäßig waschen
  • Lassen Sie das Tier nicht ins Schlafzimmer
  • Lassen Sie das Tier nicht auf dem Sofa schlafen

2. Tipps bei Tierhaarallergie: Allergenbelastung in Wohnräumen reduzieren

Darüber hinaus können ein paar einfache Tipps helfen, die Allergenbelastung in Wohnräumen und öffentlichen Räumen, wie dem Büro, zu reduzieren und die Symptome der Tierhaarallergie abzumildern:

  • Tragen Sie einen Mund-Nasen-Schutz um die Allergenbelastung kurzfristig zu reduzieren
  • Schlafen Sie nicht mit dem Tier in einem Raum
  • Meiden Sie Gegenstände wie Kamelhaardecken, Wollpullover, Kleidungsstücke mit Fell, Wollteppiche und Rosshaarmatratzen
  • Vermeiden Sie Staubfänger in der Wohnung, z.B. offene vollgestellte Regale
  • Möbelstücke möglichst oft feucht abwischen, täglich staubsaugen
  • Glatte Oberflächen und Böden sowie Jalousien lassen sich leichter reinigen, als Teppiche, Polstermöbel und Gardinen
  • Nutzen Sie waschbare Überzüge für Polstermöbel
  • Wechsel sie möglichst oft die Bettwäsche
  • Regelmäßig Lüften
  • Kleidungsstücke mit einer Kleiderrolle von Tierhaaren befreien
  • Kleider und Textilien, wenn möglich, mit 60 Grad waschen
  • Spezielle Luftfilter filtern Schwebestoffe aus der Luft
  • Nutzen Sie spezielle Allergiker-Filter für den Staubsauger

3. Tipps bei Tierhaarallergie: Vorübergehende Allergenkarenz kann helfen

Sind Allergiker einem Allergen dauerhaft ausgesetzt, ist das Immunsystem ständig in Alarmbereitschaft. Unbehandelt kann dies zu einer Verschlimmerung der Allergie-Beschwerden führen. Es droht sogar ein sogenannter Etagenwechsel von den oberen Atemwege in die Lunge. Symptome wie Fließschnupfen, Husten und Halskratzen können sich dann zu allergischem Asthma oder weiteren Allergien entwickeln. Werden Allergene gemieden, können auch die Allergie-Symptome abgemildert oder ganz vermieden werden.

Wie die Deutsche Lungenstiftung verweist, kann sich eine Tierhaarallergie bei Kindern durch temporäre Allergenkarenz sogar wieder zurückbilden. Es ist also einen Versuch wert, das Haustier zeitweise in andere Hände zu geben und nach Abklingen der Allergie-Beschwerden probeweise wieder zurück zu nehmen. Zudem reagiert nicht jeder Allergiker auf jedes Tier gleich. Zwar gibt es entgegen häufiger Meinung keine wissenschaftlich belegten allergikerfreundlichen Tierrassen, es kann aber sein, dass bestimmte Tiere innerhalb einer Rasse besser „vertragen" werden als andere. Wer von einer Tierhaarallergie betroffen ist, sollte deshalb in jedem Fall etwas Zeit mit einem Tier verbringen, bevor er es sich ins Haus holt. Die Anschaffung bzw. Abschaffung eines Tieres ist immer von der Ausprägung der Allergie abhängig und sollte in jedem Fall in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

4. Tipps bei Tierhaarallergie: Symptomatische Behandlung durch Medikamente

Kommt es trotz aller Maßnahmen zu Symptomen oder kommen Allergiker außerhalb der eigenen vier Wände unfreiwillig mit Tier-Allergenen in Kontakt, können Medikamente wie Antihistaminika oder Glukokortikoide (umgangssprachlich Cortison) die Symptome der Tierhaarallergie lindern.

Antihistaminika hemmen wie Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Histamin, der bei Allergien des Soforttyps, zu der auch die Tierhaarallergie zählt, eine wichtige Rolle spielt. Sie können je nach Art der Beschwerden als Nasenspray, Augentropfen oder in Tablettenform vom Arzt verordnet werden.

Glukokortikoide sind synthetisch hergestellte Steroihormone, die dem Nebennierenrindenhormon Cortisol ähneln. In höherer Konzentration wirken sie entzündungshemmend und immunsuppressiv. Bei einer Tierhaarallergie reagiert das Immunsystem mit einer überschießenden Reaktion auf die eigentlich harmlosen Tier-Allergene (Eiweiße) und leitet einen Entzündungsprozess im Körper ein, um den „Eindringling“ loszuwerden. Glukokortikoide mindern diese Reaktion, allerdings tritt ihre Wirkung erst nach einigen Stunden ein.

5. Tipps bei Tierhaarallergie: Ursächliche Behandlung durch spezifische Immuntherapie

Ist eine Allergenkarenz nicht möglich, zum Beispiel weil Betroffene beruflich mit Tieren zu tun haben oder weil sie ihr Haustier unter keinen Umständen abgeben wollen, kann eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) in Erwägung gezogen werden. Sie ist die einzige ursächliche Behandlungsmöglichkeit einer Allergie. Die Experten des Helmholtz Zentrum München weisen jedoch darauf hin, dass bisher nur wenig Daten zur Wirksamkeit der Behandlungsmethode bei Tierhaarallergien vorliegen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass es bei Hunde- und Katzenallergien häufiger zu Nebenwirkungen kommt, als bei anderen Allergien.

Jedes Tier mit Fell oder Federn kann im Prinzip eine Allergie auslösen. Allerdings sind Haustiere das größte Problem, weil sie eng mit Menschen zusammenleben, und also auch ihre Allergene in der unmittelbaren menschlichen Umgebung verbreiten. Die häufigsten Auslöser einer Tierhaarallergie sind Katzen und Hunde. Zu den weiteren Tierarten zählen Meerschweinchen, Goldhamster, Kaninchen, Mäuse, Ratten, Pferde, Rinder und Vögel. Manchmal zeigt sich eine Tierhaarallergie sogar beim Kontakt mit Gegenständen wie Rosshaarmatratzen, Kamelhaardecken, Teppichen, Angorapullovern oder Fellhandschuhen.

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