Kleine Würfel mit der Aufschrift „Allergie“ liegen zwischen Birkenpollen und Haselnüssen (Symbolbild).
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Durch gesteigerte Hygiene, Umweltbelastungen, den Klimawandel und die Globalisierung nehmen Allergien weltweit zu (Symbolbild).

Faktencheck

10 Zahlen und Fakten zu Allergien

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Allergien sind weltweit auf dem Vormarsch - die Gründe dafür sind vielfältig. Lesen Sie die zehn wichtigsten Fakten und Zahlen zu Allergien.

  • Allergien nehmen vor allem in den Industrienationen zu
  • Grund dafür sind eine zunehmende Hygiene, Umweltbelastungen, der Klimawandel und die Globalisierung
  • Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen

Berlin – Viele Menschen leiden an einer Allergie. Je nach Schweregrad kann die Erkrankung die Lebensqualität von Betroffenen stark einschränken und sogar lebensbedrohlich werden. Mittlerweile sind Allergien gut erforscht, trotzdem entstehen durch fehlende oder falsche Behandlung jährlich Kosten in Millionenhöhe. Die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) hat die wichtigsten Zahlen und Fakten, die mit der Ausbreitung von Allergien zusammenhängen, zusammengetragen.

1. Was ist eine Allergie?

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf an sich harmlose Substanzen oder Umweltreize. Grundsätzlich kann nahezu jeder Eiweißstoff zum „Allergen“ werden. Häufige Allergene sind neben Pollen und Hausstaubmilben beispielsweise Tierallergene, Nahrungsmittel- oder Nahrungsmittelzusatzsstoffe, Kosmetik und Duftstoffe, Nickel aber auch Medikamente und Naturlatex.

2. Wie gelangen Allergene in den Körper?

Sie gelangen entweder über die Luft und die Schleimhäute oder über die Nahrung in den Körper und lösen dort allergische Entzündungsreaktionen aus. Diese zeigen sich als chronische oder wiederkehrende Entzündungen an den Atemwegen, der Haut oder dem Darm. Allergische Reaktionen können unterschiedlich schwere Symptome hervorrufen – von leichten bis lebensbedrohlichen Zuständen (Anaphylaxie).

3. Was sind die häufigsten Allergien?

Zu den häufigsten Allergien zählen der durch Pollen ausgelöste allergische Schnupfen (Heuschnupfen), Asthma, Neurodermitis und Kontaktallergien

4. Wie häufig sind Allergien?

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin wird bei jedem vierten Kind oder Erwachsenen mindestens einmal im Leben eine Allergie diagnostiziert. Damit zählen Allergien zu den häufigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen in Deutschland. Die Prävalenz (Häufigkeit) allergischer, darunter besonders atopischer (genetisch bedingter), Erkrankungen hat seit Mitte des 20. Jahrhunderts stetig zugenommen. Aktuelle Zahlen zeigen auch weiterhin einen stetigen, wenn auch weniger steilen Anstieg der Zahlen.

5. Welche Allergien werden am häufigsten diagnostiziert?

Untersuchungen zeigen:

  • 15,6 Prozent aller Erwachsenen leiden an Heuschnupfen. Damit ist der durch Pollen ausgelöste allergische Schnupfen die am häufigsten diagnostizierte Allergie
  • 8,7 Prozent der Erwachsenen leiden zudem unter Asthma bronchiale
  • An dritter Stelle stehen mit 8,6 Prozent Kontaktekzeme
  • Nahrungsmittelallergien werden mit 5 Prozent seltener diagnostiziert
  • Ebenso: Neurodermitis (3,7 Prozent), Urtikaria (3,6 Prozent) und Insektengiftallergien (3,0 Prozent)

6. Welche Allergie tritt in welcher Altersklasse am häufigsten auf?

In einer RKI-Befragung gab fast jede/r dritte Erwachsene (28,1 Prozent) an, dass bei ihr/ihm in den letzten 12 Monaten eine Allergie (außer Asthma) diagnostiziert wurde. Frauen waren häufiger betroffen (31,6 Prozent) als Männer (24,5 Prozent). Bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0-17 Jahren wurde bei 22,9 Prozent im Laufe des Lebens mindestens eine atopische Erkrankung diagnostiziert. Am häufigsten Neurodermitis mit 13,2 Prozent, Heuschnupfen mit 10,7 Prozent und Asthma bronchiale mit 4,7 Prozent.

7. Was ist eine Sensibilisierung?

Jeder Allergie liegt zunächst eine Sensibilisierung zugrunde. Bei einer Sensibilisierung treten noch keine Beschwerden auf. Nicht jeder Mensch mit einer Sensibilisierung entwickelt auch eine Allergie. Die Gründe dafür sind noch nicht abschließend geklärt. Eine Sensibilisierung bezeichnet eine Allergiebereitschaft des Körpers, bei der es zur Bildung von spezifischen Antikörpern gegen ein Allergen kommt. Beim erneuten Kontakt reagieren diese und Immunzellen, sogenannte Mastzellen, schütten Entzündungsbotenstoffe aus, die die typischen Allergie-Symptome auslösen.

8. Warum gibt es immer weniger Allergologen?

Wie ECARF verweist, steht der hohen Zahl an Krankheitsfällen eine sinkende Anzahl an Allergologie-Praxen gegenüber. Als Grund nennt das Weißbuch Allergie in Deutschland die unzureichende Vergütung für allergische Diagnostik und Behandlungen, weshalb immer weniger Mediziner die Zusatzbezeichnung „Allergologie“ erwerben wollen.

9. Was passiert, wenn eine Allergie nicht behandelt wird?

Eine Allergie sollte in jedem Fall ärztlich (durch Medikamente) behandelt werden. Denn: Eine Fehl- oder Nichtbehandlung führt häufig zum so genanntenEtagenwechsel“. So kann sich Heuschnupfen unbehandelt in tiefere Atemwege hin zu allergischem Asthma entwickeln. Erkranken Kinder vor dem siebten Lebensjahr an Heuschnupfen, steigt das Risiko für eine spätere Asthma-Erkrankung um das Dreifache. Die jährlichen Kosten des allergischen Heuschnupfens mit begleitender chronischer Asthma-Erkrankung sind bis zu sechsmal höher als die Kosten für Heuschnupfen allein.

10. Wie viele Kosten entstehen in Europa jährlich durch Allergien?

Nach Berechnungen von ECARF könnten in Europa jährlich durchschnittlich 84 Milliarden Euro eingespart werden, wenn Allergien richtig behandelt werden würden.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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