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Zöliakie: Mainzer Forscher entwickeln Mittel gegen Glutenunverträglichkeit

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Von: Jasmina Deshmeh

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Eine Frau mit rotem T-Shirt und dunkler Jeans greift sich an den Unterbauch (Symbolbild)
Zöliakie ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die Betroffene im Alltag vor große Herausforderungen stellt (Symbolbild) © Elmar Gubisch/Imago

Bei einer Zöliakie müssen sich Betroffene Gluten strikt meiden. Forscher der Uni Mainz haben nun ein Medikament entwickelt, das ihnen den Alltag erleichtern könnte.

Mainz – Eine Zöliakie ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Denn anders als bei einer Glutenunverträglichkeit handelt es sich dabei um eine chronische Systemerkrankung, bei der schon winzige Mengen des Klebereiweißes Gluten zu Entzündungen der Darmschleimhaut führen. Betroffene müssen deshalb strikt auf viele Getreidesorten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und handelsüblichen Hafer verzichten. Und das stellt im Alltag oft eine große Herausforderung dar. Forscher der Universitätsmedizin Mainz haben nun ein wirksames Medikament entwickelt, dass die Darmschleimhaut von Betroffenen schützen könnte.

Zöliakie: Der Leidensdruck von Betroffenen ist oft hoch

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, von der weltweit etwa ein Prozent der Menschen betroffen ist. Dabei lösen glutenhaltige Lebensmittel Entzündungen der Darmschleimhaut aus, wodurch sich die Ausstülpungen des Dünndarms, die sogenannten Zotten, zurückbilden* und die Oberfläche der Darmschleimhaut abnimmt. Dadurch kann sie weniger Nährstoffe aufnehmen, es kann zu einer Mangelernährung mit Blutarmut, Knochenschwund, Wachstumsstörungen, Unfruchtbarkeit und Dünndarmtumoren kommen.

Die Krankheit äußert sich durch verschiedene Symptome wie:

Entsprechend wichtig ist es, dass Betroffene penibel auf eine glutenfreie Ernährung achten, was nicht selten mit einem gewissen Leidensdruck verbunden ist. Denn Gluten steckt nicht nur in vielen Getreidesorten, sondern wird häufig auch als Bindemittel in Getränken und verschiedenen (Fertig)Gerichten eingesetzt.

Zöliakie: Neues Medikament könnte Verzehr von Gluten möglich machen

Das Forscherteam unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan vom Institut für Translationale Immunologie der Universitätsmedizin Mainz könnte nun eine Lösung gefunden haben: den Transglutaminase-Hemmer ZED1227. Das Medikament soll die überschießende Immunreaktion des Körpers auf das eigentlich harmlose Protein verhindern. Dadurch kann die Dünndarmschleimhaut vor Entzündungen geschützt, Symptome verhindert und die Lebensqualität von Zöliakie-Patienten deutlich verbessert werden. Die Wirkung von ZED1227 konnte nun in einer Wirksamkeitsstudie mit 160 Patienten belegt werden, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine.

„Zöliakie-Betroffene verspüren durch die dauerhaft notwendige Vorsicht bei der Ernährung einen erheblichen Leidensdruck. Mit dem Transglutaminase-Hemmer ZED1227 wird ihnen zukünftig eine medikamentöse Behandlungsmöglichkeit unterstützend zur glutenfreien Diät zur Verfügung stehen, die ihnen zusätzlich einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit und Lebensqualität ermöglicht“, erklärt Prof. Dr. Dr. Detlef Schuppan.

Zöliakie: So wurde das Medikament getestet

Für die Studie wurden Zöliakie-Betroffene aus sieben europäischen Ländern in vier Gruppen mit je 40 Personen eingeteilt und einer freiwilligen Glutenbelastung sowie zwei Endoskopien unterzogen. Drei Gruppen erhielten ZED1227 in unterschiedlichen Dosierungen, die vierte Gruppe bekam ein wirkungsloses Placebo-Präparat. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass das Medikament in jeder Dosierung die glutenbedingte Entzündung und den Zottenschwund reduzieren konnte. Am wirksamsten war das Mittel mit der höchsten Dosierung.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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