Wer unter Heuschnupfen leidet, muss sich vor der Diagnose stets einem Allergietest unterziehen (Symbolbild).
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Allergietests auf der Haut können Hinweis auf eine Allergiebereitschaft des Körpers geben (Symbolbild).

Hauttests zu Diagnose von Allergien

Hauttests: So funktioniert der Allergietest – das sagt er aus und das kostet er

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Besteht der Verdacht auf eine Allergie, kann ein Hauttest mögliche Allergieauslöser identifizieren. Dabei werden stark verdünnte Allergene auf die Haut aufgetragen und die Reaktion des Körpers beobachtet. Erfahren Sie alles zu Ablauf, Kosten und Wirksamkeit gängiger Testverfahren.  

  • Hauttests werden meist nach dem Anamnese als zweiter Schritt der Diagnose einer Allergie durchgeführt.
  • Der am häufigsten durchgeführte Hauttest ist der Pricktest.
  • Die Kosten für die Testungen übernimmt die Krankenkasse.

Langenhagen – Besteht der Verdacht auf eine Allergie, etwa durch das Auftreten typischer Allergiesymptome beim Kontakt mit bestimmten Reizstoffen oder aufgrund saisonal wiederkehrender Beschwerden, sollten Betroffene einen Arzt (Allergologen) aufsuchen. Dieser wird nach der Anamnese in den meisten Fällen auf einen Hauttest zur Diagnose einer Allergie zurückgreifen.

Hauttest: Diese Testverfahren gibt es

Hauttests sind schnell und mit verhältnismäßig wenig Aufwand durchführbar, weshalb sie oft als erstes Diagnoseverfahren gewählt werden. Generell wird zwischen zwei Arten von Hauttests unterschieden: Testverfahren zur Abklärung von Allergien des Typ I (Soforttyp) und Tests zur Diagnose von Kontaktallergien oder Spätallergien (Typ IV). Bei Allergien des Soforttyps treten die Symptome Sekunden oder Minuten nach dem Allergen-Kontakt auf. Bei Kontaktallergien und Spätallergien erst nach einigen Stunden oder Tagen. Gängige Hauttests sind:

  • Pricktest
  • Intrakutantest
  • Reibetest
  • Scratch-Test
  • Epikutantest

Hauttest: Ablauf des Pricktests

Der am häufigsten angewendete Hauttest ist der Pricktest. Er eignet sich zur Diagnose von Allergien des Typ I (Soforttyp). Hat der Arzt im Anamnese-Gespräch mit dem Betroffenen ermittelt, welche Stoffe als Auslöser der Allergie in Frage kommen, werden Testlösungen hergestellt, die diese Allergene enthalten. Sie werden auf die Haut am Unterarm oder Rücken aufgetragen und mit einer Nadel oder Lanzette oberflächlich in die Haut eingeritzt. Durchdringen die Allergene die oberste Hautschicht, kommen sie mit Abwehrzellen des Körpers, sogenannten Mastzellen in Kontakt. Bei einer Allergie schütten diese Botenstoffe (hauptsächlich Histamin) aus, es kommt zu Abwehrreaktionen. Fällt der Pricktest positiv aus, zeichnen sich diese nach 15-20 Minuten als allergische Haut-Symptome wie Rötungen und Quaddeln um die Einstichstelle herum ab.

Zur objektiven Einschätzung der Stärke der allergischen Reaktionen wird der Durchmesser der Hautschwellung um den Einstich gemessen. Ab einem Wert von drei Millimetern besteht eine Allergiebereitschaft (Sensibilisierung). Treten weitere Symptome auf, spricht man von einer Allergie. Die Diagnose darf jedoch nur gestellt werden, wenn der Patient tatsächlich auch entsprechende Beschwerden hat.

Im Anschluss wird das Ergebnis durch eine Positivkontrolle mit Histamin und eine Negativkontrolle mit einer physiologischen Kochsalzlösung validiert. Die Positivkontrolle sollte immer eine Reaktion (Quaddeln) hervorrufen. Die Negativkontrolle sollte keine Reaktion auslösen. Die Ergebnisse des Pricktests werden gegebenenfalls im Allergie-Pass vermerkt.

Allgemein zeigen Pricktests eine gute Verträglichkeit und können bei Kindern und Erwachsenen angewendet werden. In seltenen Fällen kann es durch den Test zu starken lokalen Reaktionen oder allergischen Allgemeinreaktionen (Anaphylaxie) kommen. In der Regel zeigen Pricktests Sensibilisierungen zuverlässig an. Die Ausnahme bilden Nahrungsmittel-Sensibilisierungen, die sich mit Pricktests nur schwer oder gar nicht nachweisen lassen. Zudem lässt sich von der Schwere der Reaktion nicht immer auf den Schweregrad der Allergie schließen.

Der Pricktest kann nur durchgeführt werden, wenn der Patient keine Medikamente zur symptomatischen Behandlung einer Allergie einnimmt. Zudem können Immunsuppressiva die allergische Reaktion abschwächen und zuvor gereizte und entzündete Haut eine übermäßig starke Reaktion zeigen.

Hauttest: Der Epikutantest

Ein weiterer Hauttest ist der sogenannte Epikutantest (auch Pflastertest, Patch-Test). Er dient zur Abklärung von Kontaktallergien, z.B. einer Nickelallergie, bei denen allergische Reaktionen erst zeitlich verzögert auftreten. Bei diesem Testverfahren werden Allergene in Form von Salben oder Lösungen auf den Rücken des Patienten aufgetragen. Anders als beim Pricktest, werden diese aber nur oberflächlich angewendet und nicht in die Haut eingeritzt. Eine Möglichkeit ist dabei die Anwendung kleiner Pflaster, die die entsprechenden Allergene in kleinen Alluminiumkammern enthalten und für ein bis zwei Tage auf der Haut kleben bleiben.

Die erste Auswertung erfolgt beim Entfernen der Pflaster: Bei einer Allergie zeigen sich ein bis zwei Tage nach dem Test Hautreaktionen wie Rötungen, Schwellungen und Juckreiz. Auch kleine Bläschen oder in schweren Fällen nässende entzündliche Hautveränderungen (Kontaktdermatitis) können auftreten. Der Arzt wird die Ergebnisse der ersten Auswertung notieren (24- bzw. 48-Stunden-Ergebnis) und die Haut nach 72 Stunden erneut untersuchen. In manchen Fällen ist eine dritte Auswertung nach 96 Stunden erforderlich. Die Ergebnisse werden in einem Test-Protokoll festgehalten und bei diagnostizierten Allergien in einem Allergie-Pass notiert.

Weitere Hauttest-Verfahren: Intrakutantest und Reibtest

Beim selten angewendeten Intrakutantest spritzt der Arzt dem Patienten eine speziell hergestellte Testlösung mittels einer Kanüle in die mittlere Hautschicht (Lederhaut). Ähnlich wie beim Pricktest können nach etwa 20 Minuten die ersten Reaktionen beobachtet werden. Da die Präparate aufwendig hergestellt werden und entsprechend kostspielig sind, wird dieser Test nur in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei Verdacht auf eine gefährliche Insektengiftallergie, z.B. gegen Bienen- und Wespengift oder Hummel- und Hornissengift, angewendet.

Ein weiterer Test ist der Reibtest. Dieser Test eignet sich nur bei Patienten, die besonders sensibel auf Allergene reagieren. Der Test kommt ohne kommerzielle Testlösungen aus. Beim Reibtest werden allergenhaltige Stoffe direkt auf die Haut gerieben. Er kann z.B. bei Verdacht auf eine Tierhaarallergie oder Nussallergie angewendet werden. Die Reaktion kann nach 20 Minuten beobachtet werden.

Hauttests: Vorteile der Diagnose durch Hauttests

Vorteile eines Hauttests sind vor allem die einfache Durchführung, die kurze Dauer und der schnelle Erhalt der Ergebnisse. Zudem weisen die Tests in der Regel ein sehr geringes Risiko für heftige Reaktion wie einen allergischen Schock und andere Nebenwirkungen auf. Da die Kosten für Hauttests bei Verdacht auf eine Allergie von der Krankenkasse übernommen werden, kommt keine finanzielle Belastung auf den Patienten zu. Die Deutsche Lungenstiftung in Langenhagen weist jedoch daraufhin, dass Hauttests allein nur in wenigen Fällen eine behandlungsbedürftige Allergie beweisen. In der Regel liefern sie Hinweise auf ein allergisches Geschehen im Körper, das in Verbindung mit einer körperlichen Untersuchung, einer gründlichen Erhebung der Krankengeschichte und entsprechenden Symptomen zur Diagnose „Allergie" führt.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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