Zwei Rotbrasse liegen auf Eis (Symbolbild).
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Das in Fisch enthaltene Kollagen kann schwere allergische Reaktionen auslösen (Symbolbild).

Forschung zur Allergiediagnostik

Allergie gegen Fisch: Studie zeigt, Kollagen wird als wichtiges Allergen oft übersehen

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Fischallergien zählen zu den häufigsten Nahrungsmittelallergien und können schwere allergische Reaktionen hervorrufen. Bei der Diagnose wird ein wichtiges Allergen aber oft übersehen, wie Forscher aus Wien nun herausgefunden haben.

Wien – Fisch zählt zu den Lebensmitteln, die am häufigsten Allergien auslösen. Nach Angaben der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) reagieren in Deutschland etwa 0,1 Prozent der Menschen in Provokationstests allergisch auf Fisch. In Ländern, in denen viel Fisch konsumiert wird, sind Fischallergien tendenziell noch häufiger. Ein wichtiges Allergen ist dabei das im Fisch enthaltene Kollagen. Dieses ist jedoch in vielen kommerziellen Allergietests aus Basis wässriger Allergenextrakte meist nur in zu geringen Mengen enthalten. Hintergrund könnte sein, dass Kollagen nicht wasserlöslich ist. Wie wichtig das Allergen aber in der Fischallergiediagnostik ist, hat nun ein Forschungsteam der MedUni Wien untersucht und im „The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice” veröffentlicht.

Fischallergie: Immer häufiger schwere allergische Reaktionen

Meist wird eine allergische Reaktion auf Fisch durch den Verzehr von Fischen oder Fischprodukten ausgelöst. Bei besonders empfindlichen Allergikern kann auch das Einatmen des Dampfes eines Fischgerichts oder der Hautkontakt mit Fischen allergische Reaktionen hervorrufen. Immer häufiger werden bei dieser Allergieform auch schwere allergische Reaktionen beobachtet. So ist die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks bei Fischallergien größer als bei anderen Nahrungsmittelallergien.

Symptome, die auf eine Fischallergie hindeuten können, sind:

  • Orales Allergiesyndrom: Kribbeln und Schwellungen im Mund- und Rachenraum
  • Magen-Darm-Beschwerden: Bauchschmerzen, Erberechen, Durchfall
  • Allergische Hautreaktionen: Juckreiz, Rötungen, Nesselsucht, Neurodermitis-Schübe
  • Reaktionen der Atemwege: Allergischer Schnupfen, Asthma, Atemnot
  • In schweren Fällen: Anaphylaktischer Schock

Der Hauptauslöser einer Fischallergie ist meist das Eiweiß Pavalbumin, das vor allem im weißen Muskelgewebe der Fische vorkommt. Die Forscher der MedUni Wien konnten nun erstmals belegen, dass auch das im Fisch enthaltene Protein Kollagen als Allergieauslöser infrage kommt. Das Team vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der Medizinischen Universität Wien unter der Leitung von Heimo Breiteneder und Tanja Kalic beschäftigt sich seit längerem mit potenziellen Fischallergenen, mit dem Ziel, die Fischallergiediagnostik zu verbessern.

Fischallergie: Die Rolle des Kollagens wird oft unterschätzt

In ihrer Studie stellten die Wissenschaftler fest, dass Kollagen als wichtiges Allergen bei der Diagnose einer Fischallergie häufig übersehen wird. Für die Studie untersuchten die Wiener Wissenschaftler gemeinsam mit Forschern der James Cook University in Townsville (Australien) und weiteren australischen Forschungsinstituten eine Kohorte von über 100 Fischallergikern. Mithilfe spezifischer IgE-Messverfahren und zellbasierter Tests fanden die Forscher heraus, dass Kollagen bei etwa 20 Prozent der Fischallergiker als Allergen eine Rolle spielt.

Fischallergie: Kollagen auch in vielen Kosmetikprodukten enthalten

Studienleiterin Tanja Kalic in einer Pressemitteilung der MedUni Wien: „Unsere Forschungsergebnisse sind deshalb so wichtig, weil PatientInnenen nicht nur durch den Verzehr von Fischen dem Kollagen ausgesetzt sind, sondern auch durch verschiedene kosmetische, pharmazeutische und Lebensmittelprodukte, die Fischkollagen enthalten können. Das Erkennen seines allergenen Potenzials und seine Einbeziehung in die Fischallergiediagnostik sind daher von entscheidender Bedeutung für die PatientInnensicherheit. Fischkollagen ist nun offiziell in der Datenbank des Allergen Nomenclature Sub-Committee der WHO/IUIS als Allergen registriert, wodurch es hoffentlich eine stärkere Anerkennung erfährt“.

Ihr Kollege Breitender ergänzt: „Ein möglicher Grund für das mangelnde Verständnis der Allergenität von Fischkollagen ist dessen Unlöslichkeit in neutralen wässrigen Lösungen, was zu seinem Fehlen in Lösungen führt, die üblicherweise in Forschung und Diagnose eingesetzt werden. In unserer Studie extrahierten wir daher mit einem spezifischen Reinigungsansatz mit stark sauren Lösungen Kollagen aus Fischgewebe. Unsere Studie unterstrich die Notwendigkeit der Charakterisierung einzelner Allergene und deren Einbeziehung in Diagnostik-Panels, insbesondere von Allergenen mit ungewöhnlichen biochemischen Eigenschaften“.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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