Ein Bluttest kann bei einer allergischen Erkrankung bestimmte Antikörper im Blut nachweisen (Symbolbild).
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Ein Bluttest kann bei einer allergischen Erkrankung bestimmte Antikörper im Blut nachweisen (Symbolbild).

Bluttest bei allergischen Erkrankungen

Allergie-Diagnose im Labor: Welche Blutwerte wichtig sind - und was sie bedeuten

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Anhand der Laborwerte kann der Arzt nachweisen, ob eine allergische Erkrankung vorliegt oder nicht. Welche Blutwerte bei der Allergiediagnose wichtig sind und was sie bedeuten.

München – Vermutet der Arzt eine allergische Erkrankung, hilft meist ein Bluttest, die Ursache zu bestimmen. Blutuntersuchungen zeigen, ob und gegen welche Stoffe der Körper bereits eine Allergiebereitschaft entwickelt hat. Meist wird der Test alternativ oder ergänzend zu einem Haut- oder Prick-Test durchgeführt. Bei einem Bluttest entnimmt der Arzt dem Patienten Blut aus der Vene. Im Anschluss wird die Probe im Labor auf bestimmte Antikörper untersucht. Doch welche Blutwerte spielen bei der Diagnose eine Rolle? Und was sagen die einzelnen Werte überhaupt aus?

Bluttest: Immunsystem bildet Antikörper gegen Allergene

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf bestimmte Stoffe in der Umwelt unverhältnismäßig empfindlich. Gelangen die sogenannten Antigene (körperfremde Stoffe) an die Schleimhäute, Atemwege oder in den Verdauungstrakt, leitet das Immunsystem fälschlicherweise Abwehrmechanismen zur Bekämpfung der Allergene ein. Um die Eindringlinge abzuwehren, bildet es daher Antikörper. Diese Eiweißmoleküle (Proteine) werden Immunglobuline (Ig) genannt. Immunglobuline lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen:

  • Klasse M - Immunglobuline-M (IgM)
  • Klasse G - Immunglobuline-G (IgG)
  • Klasse A - Immunglobuline-A (IgA)
  • Klasse D - Immunglobuline-D (IgD)
  • Klasse E - Immunglubuline-E (IgE)

Blutwerte bei Allergien: Immunglobuline-E (IgE)

Da der Körper für jedes Antigen den entsprechenden Antikörper bildet, spielen bei der Entstehung allergischer Reaktionen vor allem die IgE- und die IgG-Antikörper eine zentrale Rolle. Mithilfe eines Bluttests lässt sich die Menge dieser Antikörper im Blut nachweisen.

Immunglobuline-E (IgE) sind eine bestimmte Gruppe der Antikörper und stehen mit der Vermittlung allergischer Reaktionen in Zusammenhang. Ist die Gesamtmenge der IgE im Blut erhöhte, deutet das meist auf eine Allergie vom Soforttyp (Typ I) hin. Mithilfe des IgE-Spiegels im Blutserum lässt sich nicht nur die Allergiequelle (wie beispielsweise Gräserpollen), sondern auch einzelne Allergene identifizieren.

Blutwerte bei Allergien: Gesamtwert der Immunglobuline-E (IgE-Wert)

Der sogenannte Gesamt-IgE spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose einer allergischen Erkrankung. Laut dem Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum Münchens liegt der Normalwert bei gesunden Erwachsenen und Kindern unter zehn Jahren unter 100 IU/ml (IU =internationale Einheiten) Blutserum. Ist der Wert erhöht, kann das für eine allergische Rhinitis (bei Heuschnupfen oder Hausstaubmilbenallergie), Neurodermitis, Asthma bronchiale oder eine Nahrungsmittelallergie sprechen. Nicht immer bedeutet ein erhöhter Gesamt-IgE-Wert jedoch, dass tatsächlich eine Allergie vorliegt. Denn auch Infekte oder die Einnahme bestimmter Medikamente können sich auf die Menge der Immunglobuline-E im Blut auswirken. Auch gibt der Wert keinen Aufschluss über die Schwere der Allergie - ein sehr hoher Gesamt-IgE-Spiegel bedeutet also nicht, dass Betroffene unter besonders starken Beschwerden leiden.

Blutwerte bei Allergien: Allergenspezifisches Immunglobuline-E (Spezifische IgE)

Besteht bereits ein Verdacht, welche Allergene hinter den allergischen Beschwerden stecken könnten, kann der Arzt das Blut gezielt auf bestimmte Antikörper untersuchen. Der spezifische IgE-Wert gibt an, ob mehr Antikörper im Blut gegen eine spezielle Allergenquelle gebildet werden. Auch einzelne Allergiekomponenten (Proteine) können mithilfe des spezifischen IgE-Werts identifiziert werden. Vermutet der Arzt etwa eine Birkenpollenallergie, kann er das Blut auf Antigene gegen eben diese Pollen testen.

Der spezifische IgE-Wert kann einen Hauttest bestätigen oder ergänzen, wenn dieser nicht durchführbar oder nicht aussagekräftig ist. Leidet ein Patient unter Hautveränderungen, akuten Erkrankungen oder muss bestimmte Medikamente einnehmen, kann die Durchführung eines Hauttests nicht möglich sein.

Blutwerte bei Allergien: Immunglobuline-G (IgG-Wert)

Bei einem Allergie-Verdacht werden manchmal Antikörper der Gruppe G bestimmt. Immunglobuline-G bilden sich in der Regel bei einer entzündlichen Erkrankung der Atemwege. Die Bestimmung des Immunglobuline-G-Werts eignet sich daher vor allem, wenn eine exogen-allergische Alveolitis (Entzündung der Lungenbläschen) vorliegt. Häufig tritt diese Erkrankung bei langem Kontakt mit einem bestimmten Allergen auf. Aber auch bei einer Insektengiftallergie können die IgG-Werte im Blut ansteigen. Nicht geeignet ist der IgG-Wert laut dem Allergieinformationsdienst bei einer Nahrungsmitteallergie. Grund dafür ist, dass das Immunsystem häufig IgG-Antikörper bildet, wenn keine Nahrungsmittelallergie vorliegt.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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