Nahaufnahme von den Händen einer Person, die sich mit der rechten Hand an der linken Hand kratzt (Symbolbild).
+
Hautausschläge, Kopf- und Gelenkschmerzen bei Temperaturen unter 15 Grad. Eine Forschergruppe der Universitätsmedizin Berlin hat eine genetisch bedingte Form der Kälteurtikaria entdeckt (Symbolbild).

Hautausschlag durch Kälte

Kälte-induzierte Urtikaria: Forscher entdecken erblich bedingte Form der entzündlichen Hauterkrankung

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
    schließen

Forscher der Charité haben eine bisher unbekannte Form der Kälte-induzierten Urtikaria entdeckt. Die Erkenntnisse erklären, warum Antihistaminika bei einigen Urtikaria-Patienten wirkungslos sind.

Berlin – Manche Menschen, die an einer Kälte-Urtikaria leiden, entwickeln bei Temperaturen unter 15 Grad Hautausschläge, Kopf- und Gelenkschmerzen. Dabei handelt es sich um eine erblich bedingte und damit eine bisher unbekannte Form der entzündlichen Hauterkrankung, wie eine Forschergruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin kürzlich herausgefunden hat. Die Forschungsergebnisse erklären, warum Antihistaminika bei einigen Kälte-Urtikaria-Patienten keine Wirkung zeigen und liefern Erkenntnisse für neue Therapieansätze.

Erblich bedingte Kälte-Urtikaria: Gen-Defekt lässt Immunsystem überempfindlich auf Kälte reagieren

Bei einer Kälte-induzierten Nesselsucht, der sogenannten Kälte-Urtikaria, kommt es nach dem Kontakt mit kalter Luft, Wind, Flüssigkeit oder Gegenständen bei anschließender Erwärmung der Haut zu juckenden Quaddeln oder Angioödemen (Schwellungen). Meist treten die Beschwerden nach Angaben des Allergieinformationsdienstes des Helmholtz Zentrum München nach wenigen Minuten auf und halten etwa eine Stunde lang an. In seltenen, schweren Fällen sind auch Allgemeinreaktionen und Anaphylaxien möglich. Bei den meisten Patienten tritt die Krankheit spontan auf und bildet sich nach einigen Jahren wieder zurück. Die Gründe für den Ausbruch der spontan auftretenden Kälte-induzierten Urtikaria sind bisher ungeklärt.

Bei einigen wenigen Betroffenen tritt die Krankheit jedoch nicht spontan auf, sondern ist angeboren. Bei ihnen reagiert das Immunsystem aufgrund eines Gendefekts auf kalte Luft. Neben Hautausschlägen zeigen sich bei ihnen auch körperweite Entzündungssymptome wie:

  • Fieber
  • Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit

Entdeckt hat diese neue Form der Kälte-Urtikaria eine Forschergruppe der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Campus Charité Mitte unter der Leitung von Privatdozentin Dr. Karoline Krause. Sie basiert auf einer bisher unbekannten Mutation des sogenannten Faktor-XII-Gens. Die Wissenschaftler schlagen für die neue Erbkrankheit den Namen „FACAS“ (Faktor-XII-assoziiertes Kälte-induziertes autoinflammatorisches Syndrom) vor. (Leggins-Syndrom: Schwarze Leggings, Strumpfhosen und Socken können eine Textildermatitis auslösen)

Erblich bedingte Kälte-Urtikaria: Familie brachte die Forscher auf die richtige Spur

Anlass für die Studie der Forscher gab eine Familie, die sich in der Klinik vorstellte und in der mindestens eine Person in jeder Generation von Geburt an an einer Kälte-Urtikaria leidet. Privatdozentin und Dermatologin Dr. Krause in einer Pressemitteilung der Charité: „Wenn die Betroffenen eine halbe Stunde lang einer Temperatur von unter 15 Grad ausgesetzt waren, entwickelte sich ein brennender Hautausschlag, der besonders stark bei windigem und feuchtem Wetter ausgeprägt war und erst Stunden nach der Rückkehr in wärmere Räume zurückging.“ Darüber hinaus klagten die Patienten und Patientinnen über Symptome wie Schüttelfrost, Kopf- und Gelenkschmerzen und Abgeschlagenheit.

Anders als Patienten mit einer spontan auftretenden Kälte-Urtikaria, reagierte die Familie aber nicht auf den sogenannten Eiswürfel-Test. Bei dieser Form des Provokationstest wird dem Patienten für einige Minuten ein Eiswürfel auf den Unterarm gelegt und die Reaktion der Haut anschließend überprüft. (Hautausschlag durch Schwitzen und Anstrengung? Diese Krankheit könnte dahinter stecken)

Erblich bedingte Kälte-Urtikaria: Bei vererbter Kälte-Urtikaria sind Antihistaminika wirkungslos

Eine weitere Besonderheit: Die Symptome der Familie ließen sich nicht mit Antihistaminika behandeln, die bei spontaner Kälte-Urtikaria normalerweise die Beschwerden lindern. „Die Symptome dieser Familie wiesen eindeutig auf eine angeborene Form der Kälte-Urtikaria hin“, so die Dermatologin. „Wir suchten daher in der Erbinformation der betroffenen Familienmitglieder nach Mutationen, die wir bereits als Ursache für die erbliche Variante der Erkrankung kennen – allerdings vergeblich. Stattdessen fanden wir einen bisher nicht beschriebenen Defekt im Faktor-XII-Gen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare